Von TISCH zu TISCH : Drei Schwestern

Schweinsbraten und Semmelknödel

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Drei Schwestern, Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Tel. 600 318 600, täglich von dienstags bis sonntags ab 11 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Drei Schwestern, Mariannenplatz 2, Kreuzberg, Tel. 600 318 600, täglich von dienstags bis sonntags ab 11 Uhr. Foto: Kai-Uwe...

Um das Krankenhaus Bethanien ist einst heftig gestritten worden. Seit langem ist es ein Künstlerhaus, und seit einiger Zeit enthält es mit den „Drei Schwestern“ ein Restaurant, das zwar schick ist, aber von der unaufdringlichen Art, die nicht an Gentrifizierung denken lässt, sondern daran, dass es auch eine gutbürgerliche Variante von Kreuzberg, dem alten SO 36, gibt, die sicher noch stärker wird.

Im schönen weitläufigen Garten wartet ein fetter Sandkasten auf den reichlich hier spielenden Nachwuchs. Wenn im angrenzenden Freiluftkino Filme gezeigt werden, müssen die Tische abends allerdings beizeiten hochgeklappt werden, was schade ist, weil man hier mitten in der Stadt im Grünen sitzt. Das ist eine schöne, festliche Alternative zu den vielen kleinen Kreuzberger Lokalen, die an warmen Abenden ihren Gästen nur ein paar Tische mit Bänken davor auf dem Pflasterstrand zu bieten haben. Aber auch der Innenraum mit den schweren Säulen und der hohen Decke bietet ein schönes, kühles Ambiente. Unter einem geschmückten Rundbogen befindet sich eine Bühne, auf der man auch sitzen und essen kann, an der Fußseite des Raumes eine großzügige Bar unter einem mächtigen Halbkreis mit moderner Mosaikkunst. Cremefarbene Vorhänge zwischen den hohen Säulen erinnern an die einstige Nutzung als Krankenhaus. Schlichtes dunkelbraunes Bistromobiliar addiert zu dem großzügigen Ambiente die notwendige Portion Understatement.

Der Service ließ auf sich warten, wohl weil der Garten voll war, verhielt sich dann aber ganz geschäftstüchtig. Wiederholt versuchte der ansonsten sehr nette Kellner mit den Tattoos am Arm, uns statt des sehr guten Riesling-Sekts (3, 20 Euro) den teureren Crémant (5,50 Euro) einzureden. Es gab frisches weißes Baguette, aber außer Pfeffer und Salz nichts dazu. Die Marktsalate waren frisch und appetitlich mit Vinaigrette angerichtet (3,80 Euro). Die Grüne Spargelcremesuppe kam mir etwas zu dünn vor und Flusskrebsschwänze habe ich auch schon zarter gegessen (5,30 Euro). Als der Abstand zwischen Vorspeise und Hauptspeise sich immer weiter hinzog und die nach uns eingetroffene Gruppe am Nebentisch schon mächtig tafelte, protestierten wir. „Die hätten halt keine Vorspeise gehabt“, beschied man uns knapp. Eben, selber schuld. Man nimmt das aber nicht übel, weil man eben in Kreuzberg ist, und da erwartet man diese lakonische Berliner Tonlage fast ebenso zwingend wie die Autonomen-Show am 1. Mai.

Der Braten vom Apfelschwein war gut durchgebraten und nicht so, dass er auf der Zunge zergangen wäre. Das Fleisch war gut, aber der Braten schmeckte wie von einer routinierten, aber nicht übermäßig begabten Hausfrau zubereitet. Auch die Semmelknödel hatten diesen Anklang. Dazu ein wenig Krautsalat (13,80 Euro). Sensationell gut war die Parmesanpolenta, so leicht und fluffig, wie man sie viel zu selten bekommt. Sie hob das kulinarische Niveau der gekräuterten Ruppiner Lammkeule deutlich an. Die Stücke waren rosa gebraten, teils etwas sehnig, dazu gab es tiefdunklen Rosmarinjus und köstliche, kleine Frühlingsartischocken, von denen tatsächlich nur eine holzig war.

Obwohl der Film schon begonnen hatte, der Garten also geschlossen war und auch im Innenraum die Kerzen auf den Tischen langsam gelöscht wurden, dauerte es nochmals geraume Zeit bis zum Nachtisch. „Durstige Nonne“ heißt ein orangig alkoholisiertes Haselnuss-Schoko-Küchlein mit Sahne (2,80 Euro). Schmeckte ganz gut und war auch vom Umfang her als pointierte Leckerei zum Schluss gut dimensioniert. Die kleine Alpenländische Käseauswahl enthielt drei gute harte Käse und einen weichen und war klassisch angerichtet mit Weintrauben und Nüssen (5,50 Euro).

Dazu passte der 2009er Blauer Zweigelt aus dem Kamptal (24 Euro).

Österreichische Akzente gab es viele, aber für die Sandkastenkinder eben auch Spaghetti mit Tomatensauce. Hier wird man Gästen gut zeigen können, was die Stadt an diesem sehr speziellen Ort ausmacht. Immer noch nicht etepetete, aber doch schon einen behaglichen Lebensstil schätzend, zu dem traditionelle Räume mit regionalen Produkten gut passen.

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