Von TISCH zu TISCH : Dudu 31

Grüner Papayasalat mit gerösteten Erdnüssen.

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Dudu 31, Bleibtreustraße 31, Charlottenburg, Tel. 030/57795577, Mo-Fr 12-24 Uhr, Sa, So Feiertag 14-24 Uhr.
Dudu 31, Bleibtreustraße 31, Charlottenburg, Tel. 030/57795577, Mo-Fr 12-24 Uhr, Sa, So Feiertag 14-24 Uhr.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Angekündigt war die Eröffnung eines Dudu West schon lange, aber immer wieder gab es Verzögerungen. Inzwischen hat das Dudu 31 in der Bleibtreustraße seinen Betrieb aufgenommen. Bei unserem Besuch erlebten wir prompt eine Lektion in Gastropsychologie. Es war rappelvoll, immerhin gibt es hier als Zugeständnis an die westliche Lebensart Stühle mit Rückenlehne. Tische für kleinere Gruppen werden ergänzt durch eine lange Tafel in der Mitte des Raumes. Sie ist von Säulen durchbrochen, sodass Vierer-Nischen entstehen. Nicht viel Zeit verging, dann setzte man ohne weitere Umschweife noch einen Gast an unseren Tisch. Den hätten wir doch reserviert, argumentierten wir. Dies sei ein kommunikatives Restaurant, beschied uns eine von der Kellnerin herbeigerufene Führungskraft. Im Dudu in Mitte gebe es sogar nur lange Tafeln und Bänke. Das ist mir wohl bekannt, aber an einer langen Tafel ist es leichter, ein vertrauliches Gespräch zu führen, als in einer solchen Nische mit einer einzelnen Zuhörerin. Außerdem fühlt sich, was in Mitte jung wirkt, im gediegenen alten Westen leicht etwas lärmig und ungemütlich an. Man kann ja nicht einfach vergessen, dass man im alten „Bleibtreu 31“ gemütliche Stunden verbracht hat bei manchem intensiven Gespräch.

Aber der Stil kommt offensichtlich an, und über die Theke zur halb offenen Küche werden in Rekordgeschwindigkeit die Teller mit den Speisen geschoben, ähnlich wie im Ur-„Dudu“ in der Torstraße, nur dass es hier noch viel flotter zugeht.

Die Hintergrundbeleuchtung tendiert zur Farbe Lila, auf den Tischen stehen große Windlichter, das sieht alles ganz schick aus. Stäbchen auf schwarzen Papierservietten werden auf Wunsch ersetzt durch Besteck. Dann kam die Enttäuschung: „Nem Song“, die vietnamesischen Sommerrollen, gefüllt mit Reisfadennudeln und Tofu, schmeckten unerwartet fad, auch der Soja-Schalotten-Dip dazu war mäßig aufregend (4,20 Euro). Deutlich besser war „Nom Dudu“, der grüne Papayasalat mit knackigen Gemüsestreifen, gerösteten Erdnüssen, Koriander, Minze und einer angenehm scharfen Chili-Zitronen-Vinaigrette (6,80 Euro).

Das Hokkaido-Curry war ganz gut. Die zitronig säuerlichen Hähnchenbruststücke waren zart gegart, die Currysauce schmeckte kräftig pikant, war dazu mit verschiedenen Kräutern angereichert, die Kürbisstücke fielen mürbe aus, dazu gab’s Reis (12,90 Euro). Dieses Gericht gibt es auch in der trendigeren Vegan-Variante.

Egal, wo sich ein „Dudu“ befindet, eine sichere Bank sind immer noch die „Special Rolls“. „Crunchy Dudu 31“ besteht aus einem knusprig dicken Tempuramantel, in dem sich Thunfisch, Garnele, Avocado und Gurke und sicher noch ein paar geheime Gewürze aufs Leckerste vereinigen. In dicke Scheiben geschnitten, mit Guacamole, Salsa, Kresse und Lauch gekrönt, ist das ein auch die Sinne sättigendes und leichtes Gericht, uneingeschränkt empfehlenswert.

„Coco Noir 31“ ist das zweite Dessert neben dem Eis: schwarzer Klebereis mit Mangobrocken, etwas Ingwer, reichlich Kokosflocken und einer halben Erdbeere (7 Euro). Wenn man zu zweit nur eine halbe Portion schafft, könnte das ein Zeichen sein, über eine Dessertprogramm-Erweiterung nachzudenken, auch wenn Nachtisch in der vietnamesischen Tradition nicht die gleiche Rolle spielt wie bei uns.

Gut, dass man zwischen verschiedenen Cremants, Champagnersorten und Weinen, auch offenen, wählen kann. Dieses Thema, in asiatischen Restaurants leider oft unterrepräsentiert, ist hier wirklich zufriedenstellend gelöst. Das alte Gerücht, nach dem vor allem australische Weine zu dieser Art von Küche passen, widerlegte in diesem Fall ein 2014er Chardonnay von Markus Schneider aus der Pfalz (32 Euro).

Ein kleiner Wermutstropfen: Beim Abschied erfuhren wir, dass zum Beginn der Freiluftsaison der kunstvolle einem festen Untergrund weichen soll, auf dem einzelne Tische solide stehen. Fazit: Im Westen was Neues zu machen, ist nicht so leicht, wie man aus östlicher Sicht denken könnte.

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