Von TISCH zu TISCH : Greece

Gyros mit Knoblauch-Kartoffelpüree

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Greece, Bornimer Str. 4, Halensee, Tel. 89409831, Di bis Fr 12 bis 22 Uhr, Sa 16 bis 22 Uhr, So 11-22 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Greece, Bornimer Str. 4, Halensee, Tel. 89409831, Di bis Fr 12 bis 22 Uhr, Sa 16 bis 22 Uhr, So 11-22 Uhr. Foto: Kitty...

Griechische Lokale sind schon so lange out, dass sie bald wieder in Mode kommen müssten. Aber noch kleben die Hipsters auf den harten Bänken asiatischer Trendläden. Unter der Hand werde ich freilich oft gefragt, wo es gute Griechen gibt. Kurz nach einer solchen Frage fuhr ich mit dem Doppelstockbus über den Ku’damm Richtung Roseneck und sah aus dem Augenwinkel den Schriftzug „Greece“ über einem hübschen Eckrestaurant. Der Name hätte mir vielleicht zu denken geben müssen, warum sollte man das Land der Griechen in der englischen Sprache suchen?

Die Karte las sich wie früher, unbeleckt von allen Anmutungen der modernen Küche. Sogar der selten gewordene Retsina war drauf. Den bekommt man in ambitionierten Häusern manchmal in einer Variante, die den Harzgeschmack dezent zurückhält. Hier schmeckte er auf den ersten Schluck nach Baumrinde, und er war großzügig eingeschenkt (0,2 Liter für 3,50 Euro). Damit war die Melodie des Lokals schon angestimmt.

Als Appetizer gab es Crostini mit Tapenade von dunklen Oliven und einer verdeckten Attacke auf die Zahngesundheit. Da verstecke sich nämlich ein fester, kleiner Kern in dem Aufstrich. Die Kellnerin nahm das harmlos. „Oliven haben nun mal Kerne“, sagte sie freundlich. Den Einwand, dass sie die Kerne aber nicht mehr haben sollten, wenn sie als Tapenade aufs Brot gestrichen werden, ließ sie nicht gelten. Der Koch mache seine Arbeit sehr gut, erklärte sie selbstbewusst. Zugegeben, sie hatte komisch geguckt, als wir zu den Hauptgängen noch Vorgerichte bestellten. „Dazu werden Sie einen Ouzo brauchen“, sagte sie nur und stellte zwei gefüllte Schnapsgläser auf den Tisch.

Der Auberginensalat war auf einem Hauptspeisenteller angerichtet, viel zu viel und ohne wirklichen Pfiff: kalte, grob zerkleinerte Auberginen (3,60 Euro). Ähnlich groß portioniert war das Tsatsiki, ebenfalls seltsam charakterlos mit dezentem Knoblauchgeschmack, immerhin mit Kräutern bestreut. Zu den Spezialitäten des Hauses gehört die Mezeplatte mit Gyros. Eine echte Bauarbeiterportion Gyros umringt von kleinen Hügeln, zum Beispiel Knoblauch-Kartoffelpüree, rosa Fischrogensalat, noch mehr Tsatsiki und Melitzanosalta, und einer scharfen und auch ganz guten Schafskäsecreme. Dazu Tomaten, Zwiebeln, teils ungeschälte Gurkenscheiben. Wer sich mal auf Zeitreise in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts begeben will, sollte sich diese Adresse unbedingt merken (10,50 Euro). In jenen fernen Prä-Euro-Zeiten waren viele griechische Lokale so.

Die Gyrosstücke schmeckten zum Teil sogar gut, waren scharf gewürzt und auch nicht zäh. Freilich gibt es eine Art Preis-Leistungs-Verhältnis, das manchen besonders günstig erscheinen mag, mir aber unheimlich ist. Bei so viel Wareneinsatz frage ich mich, wo das Fleisch herkommt und kann mir nicht vorstellen, dass die Tiere wirklich glücklich waren. Ähnliches gilt für die Grillplatte Anamikti (14,50 Euro). Auch hier gab es Mengen von Fleisch, dazu noch Salat und bleiche Backkartoffeln. Das war alles ganz essbar und schmeckte zum Teil gar nicht schlecht, Lammsteak und Lammkotelett und dazu noch Souvlaki und Souzoukakia, Reis und grüne Bohnen. Aber es fehlte auch hier bei der Zubereitung das gewisse Etwas.

„Wir wollen Sie begeistern“, lautet das Motto im „Greece“. Vielleicht werden die Flaschenweine deshalb als „hochwertig“ annonciert. Das sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Immerhin wurden wir mit dem trockenen Naousa Boutari viel glücklicher als mit dem Retsina (18 Euro). Von der Dessertkarte hielten wir uns fern, es hätte Joghurt oder Eis gegeben.

Was lässt mich hoffen, dass aus dem Mittelmaß doch noch ein guter und vielleicht sogar moderner Grieche emporsteigt? Dass sie ein Motto haben und einen guten Internetauftritt. Es herrscht also Ehrgeiz, das ist ja schon mal gut. Die Kellnerin hätte uns auf die Karte mit den kleinen Gerichten hinweisen können. Aber vielleicht kann man die ja zur Hauptkarte wandeln und die XXL-Gerichte, wie den neuen Gyros-Wrap, als Spezialität des Hauses etablieren.

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