Von TISCH zu TISCH : Hendrik’s

Bigoli mit Entenragout.

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Hendrik’s, Straße des 17. Juni 131, Tiergarten, Tel. 318 083 90, täglich 11 bis 2 Uhr, sonntags Brunch von 11 bis 15 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Hendrik’s, Straße des 17. Juni 131, Tiergarten, Tel. 318 083 90, täglich 11 bis 2 Uhr, sonntags Brunch von 11 bis 15 Uhr. Foto:...

In Kreuzberg wäre die Sache vielleicht klar. Aber Tiergarten ist bislang nicht durch besondere Touristenfeindlichkeit aufgefallen. Niemand will die Gäste aus Italien, Amerika oder Frankreich verschrecken, die mal erleben möchten, wie Berlin so riecht und schmeckt. Leider ist die Gefahr groß, dass diese Touristen in dem zentral gelegenen Biergarten am S-Bahnhof Tiergarten landen und dort eine „Pizza Berlino“ bestellen. Die ist riesig groß und duftet kein bisschen nach Pizza und auch nicht nach Berlin. Der Belag besteht aus Schmand, aus schwarzen kleinen Blutwurstscheiben, aus Apfelschnitzen und bleichen Pellkartoffelscheiben, von Kräutern und Gewürzen keine Spur. Das schmeckt so schlimm, wie es klingt. So könnte sich eine Pizza als echte Touristenverschreckerin erweisen (8,50 Euro).

Seit einigen Monaten ist dieses sehr schön im Grünen gelegene Restaurant unter neuer Bewirtschaftung. Dass es an lauen Sommerabenden immer noch ziemlich leer ist, muss mit der selten ungeschickt zusammen gestellten Speisekarte zu tun haben: ein buntes Sammelsurium aus Steak, Pizza und Wiener Schnitzel. Offenbar will man mit einem möglichst breiten Angebot aus dem Convenience-Fach möglichst viele Geschmäcker bedienen. Das geht leicht schief, wenn darunter nichts ist, was wirklich gut und suchterzeugend schmeckt. So liegt auf dem Grillbuffet „All you can eat“ für 16,80 Euro das Grillgut versteckt unter silbernen Hauben, von fröhlichem appetitanregenden Brutzeln riecht man nichts.

Der Service immerhin ist sehr freundlich und zuvorkommend. Das ersetzt zwar keine guten Küchengeister, schafft aber eine nette Atmosphäre, wenn man nur zum Trinken gekommen ist. Großzügig säumen Fackeln die Abgrenzung zum Tiergarten, über den Gartenstühlen hängen Decken, Bierbänke sind mit rotweißen Karos verkleidet. Das könnte also ein richtig gutes Haus sein.

Die Artischocke ist ordentlich gegart, wirkt aber nicht wie gerade frisch vom Land geliefert, sondern eher wie aus der Folie geschält. Die Dips dazu sind ganz in Ordnung, Vinaigrette, saure Sahne, Aioli und Cocktailsauce (8,50 Euro). Vom Rindercarpaccio halten sie empfindsame Gäste vorsichtshalber fern, indem schon in der Speisekarte der Einsatz von Trüffelöl angedroht wird. Die goldgelben Bigoli mit reichlich Entenragout wurden immerhin in einem schicken Teller serviert. Das Ragout schmeckte ebenfalls wie rasch aufgewärmt und aus einer Zeit gefallen, da man noch nicht vom Einsatz frischer Kräuter und interessanter Gewürze verwöhnt war (12,50 Euro).

Am besten gefiel uns der Nachtisch, Ananascarpaccio mit Mangosorbet. Da war wenigstens der Geschmack von Frische in den dünnen Scheiben (5,20 Euro). Die Getränkekarte ist ebenfalls lang. Die Weinflasche wird comme il faut in einem Eimer mit viel echtem Eis serviert, beim Geschmack dominierten leider nicht die ebenfalls versprochenen Mandelblüten, sondern da kroch definitiv das Moos in den Vordergrund (22,50 Euro).

Da die beiden benachbarten Biergärten bei schönem Wetter immer so aus allen Nähten quellen, würde sich eine Generalüberholung des Küchenkonzepts sicher lohnen. Besser einige wenige, einfache Biergartengerichte servieren als bestenfalls mittelmäßige Evergreens aus aller Herren Speisekarten. Was machen die anderen richtig? Sie haben Spezialitäten, die schlicht, aber lecker sind, und für die man auch mal Wartezeiten in Kauf nimmt.

Die Betreiber hier sind ganz offensichtlich ambitioniert und freundlich, aber möglicherweise auch falsch beraten. Was uns zu denken gab, war das Brot, das mit Salz und Olivenöl zum Aperitif serviert wurde, und das Rosinen und Oliven enthielt, was eigentlich gar nicht zueinander passt. Ohne dieses Brot wäre ich zu dem Schluss gekommen, dass sie hier ganz ohne Profi-Köche arbeiten, einfach nur im Aufwärmmodus. Aber das Brot schmeckte gar nicht mal schlecht und hatte so eine spielerische Note, die letztlich Hoffnung macht, dass hier doch ein Funke steckt, der nur entzündet werden muss. Bevor es so weit ist, würde ich als erste Notfallmaßnahme bitte dringend das Umtaufen der „Berlino“ Pizza anraten. Oder noch besser, man nimmt sie ganz von der Karte.

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