Von TISCH zu TISCH : Hotel Kurhaus

Dorsch mit Bohnen und Gänselebersoße.

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Herzog Bogislav im Grand Hotel & Spa Kurhaus, Schifferberg 24, Ahrenshoop, Tel 038220 6780, täglich ab 12 Uhr. Foto: Heinrich
Herzog Bogislav im Grand Hotel & Spa Kurhaus, Schifferberg 24, Ahrenshoop, Tel 038220 6780, täglich ab 12 Uhr. Foto: Heinrich

Hiermit erklären wir die Urlaubssaison einfach mal für eröffnet. Oder besser: für nie beendet. Denn aus Berliner Sicht gilt ja, dass die Reiseziele an Nord- und erst recht Ostsee ganzjährig leicht erreichbar sind, und dass gut ausgestattete Hotels auch bei miesem Winterwetter genügend Anreize für einen Aufenthalt bieten – es müssen ja nicht gleich zwei Wochen sein. Am schnellsten ist man von Berlin aus in Warnemünde, nicht viel länger dauert es nach Kühlungsborn oder auf den Darß, Richtung Ahrenshoop. Gerade dort, zwischen Dierhagen und Zingst, haben die Hoteliers in den letzten Jahren beachtlich nachgerüstet.

Mich hat beim Wiedersehen nach Jahren besonders gefreut, dass der schlimmste Ahrenshooper Schandfleck, das verfallene Kurhaus, nun endlich abgeräumt ist und mit ihm der letzte Muff von FDGB-Urlaub. An seiner Stelle ist ein luxuriöses Hotel entstanden, das sich selbstbewusst „Grand Hotel & Spa“ nennt – und das nun nach allerhand Hin und Her einschließlich Besitzerwechsel langsam rundzulaufen scheint. Der von außen technisch kühl wirkende Bau birgt innen lichte, großzügige Zimmer, die überwiegend auch einen formidablen Blick auf die Ostsee bieten, was hier wegen des hohen Dünengürtels alles andere als selbstverständlich ist. „Das Weitblick“ heißt die Bar auf dem Dach, ein schöner Ort, die Blicke schweifen zu lassen, für Kaffee und Kuchen oder den sommerlichen Sundowner.

Die Idee, ein separates Gourmetrestaurant zu eröffnen, wurde hier aber rasch wieder fallen gelassen. „Herzog Bogislaw“ – eine Erinnerung an den Gründungsnamen des Hauses – steht also für das zentrale Restaurant, in dem auch Frühstück serviert wird, das folglich eher großzügig als intim wirkt, aber auch das volle Seepanorama bietet. Eric Popp, der Küchenchef, muss sich ein wenig durchmogeln zwischen den unterschiedlichen Erwartungen, doch er tut das erstaunlich souverän, zu vernünftigen Preisen, ohne nun gleich Sterne anzupeilen.

Souverän heißt: Diese Küche ist technisch auf der Höhe der Zeit, weltoffen und originell, aber ohne angestrengte Kreativität und Avantgardeanspruch. Es gibt dort draußen ja genügend Herdartisten, die nicht mal ein Stück Fisch saftig bekommen, das passiert hier ganz sicher nicht. Und deshalb war ein ordentliches Stück Dorsch mit einer Pfefferkruste auf verschiedenen Bohnen mit einer sanften und nicht zu schweren Gänselebersoße vielleicht sogar das beste Gericht an diesem Abend.

Aber auch die beiden mächtigen Riesengarnelen mit rotem Zwiebelconfit und einer Krustentiersoße schmeckten ausgezeichnet – der Küchenchef hat sich in der Welt umgesehen und bietet deshalb immer ein Regional- und ein Weit-draußen-Menü an (4 Gänge 56/59 Euro, auch vegetarisch 46 Euro). Schön saftig gelang die Hühnerbrust, eine kalte Vorspeise mit Pilzen und (etwas seltsam schmeckenden) dicken Bohnenkernen, sehr aromatisch und würzig waren die Tafelspitzravioli mit glasiertem Kalbsbries, und in der klassischen Hummercremesuppe türmte sich Hummer, wie man ihn zarter und saftiger nicht machen kann. Als Hauptgang beispielsweise Lamm, wie man es heute so liebt, rosiger Rücken und weich geschmorte Schulter, etwas brav, aber gelungen, dazu eine etwas zu kunterbunte Gemüseauswahl.

Schließlich fallen auch die Desserts recht ansprechend aus, wir probierten beispielsweise einen leichten ValrhonaRiegel mit Sanddorneis und Cranberries in einer hauchdünnen Schokorolle. Alles in allem mehr, als wir erwartet hatten, und das zu einem Preis, den man äußerst vernünftig nennen darf.

Was auch für die Weine gilt. Die Auswahl ist zwar noch nicht überbordend, aber der Verantwortliche ist ja auch noch nicht sehr lange dabei: Es handelt sich um Norman Schmidt, der lange im „Lorenz Adlon“ gearbeitet hat und mit jedem Wein umgehen kann, den es auf der Welt so gibt. Das aktuelle Angebot ist noch ein wenig allerweltsmäßig, aber jeder Gast wird was finden. Eine sehr gute Adresse, alles in allem, und eine Kurzreise auf jeden Fall wert.

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