Von TISCH zu TISCH : La Banca

Restaurantkritik

La Banca im Hotel de Rome, Behrenstr. 37, Berlin-Mitte, Telefon 030/460 609 1201, täglich ab 12 Uhr.
La Banca im Hotel de Rome, Behrenstr. 37, Berlin-Mitte, Telefon 030/460 609 1201, täglich ab 12 Uhr.Foto: Mike Wolff

Hotel-Restaurants bieten ein weites Feld zum Nachdenken. Denn sie stehen gegen jeden Trend, gerade in Berlin, gelten als steif und teuer und passen sich kulinarisch nur mühsam an, weil dort eine ganze Hierarchie vom Direktor über den Küchendirektor bis zum Marketing gefragt werden will, bevor der Küchenchef etwas ändern kann.

Andererseits: In den Jahren nach der Wende war es die Hotellerie, die die feine Küche in Berlin überhaupt überleben ließ. Aus dieser Zeit sind ein paar bekannte Luxusrestaurants übrig geblieben, denen schon lange nichts Neues mehr folgt, offenbar wegen mangelnder Nachfrage. Das war so auch im Hotel de Rome, das spät auf der Bühne erschien und mit wechselnden Köchen und Konzepten nie richtig reüssierte. Sicher auch, weil es sich wie kein anderes so sehr gegen Laufkundschaft abschottet, baudenkmalbedingt. Ein Facelift soll das nun ändern: Innen ist der früher sehr hallenartige Raum anheimelnder geworden, und an der Straße hängt, tatsächlich, eine Speisekarte. Und auch der Name, der auf die Geschichte des Hauses anspielt, ist neu: Aus „Parioli“ wurde „La Banca“.

Küchenchef Jörg Behrend ist immerhin noch da, und er muss nicht mehr beweisen, dass er kochen kann. Dennoch ließ Hotelboss Rocco Forte den italienischen Starkoch Fulvio Pierangeli anrücken, um ein Konzept zu entwickeln, das auf äußerste Vereinfachung hinausläuft – nicht mal ein Amuse gueule ist mehr drin. Unter dem hochtrabenden Titel „Millefeuille von Thunfisch und Melone“ kamen drei banale Fischstücke auf drei Stücken Melone mit winziger Blüten-Deko, alle drei gleich (21 Euro). Sie schmeckten gut, keine Frage – aber „Millefeuille“? 

Ein braver, etwas dröger „Linsenburger“ brachte keine neuen Erkenntnisse aus der veganen Ecke, dafür schmeckte die traditionelle Parmigiana, also eine gratinierte Aubergine, sehr gut (11 Euro). Aber braucht es für derlei Pizzeria-Standards einen gestandenen Könner wie Behrend? Auch der Salat „La Banca“, uns wärmstens ans Herz gelegt, kann leicht von einer sorgfältigen Küchenhilfe zusammengebaut werden (16 Euro), wobei wir anregen würden, den versprochenen Koriander-Anteil schmeckbar zu gestalten.

Auf und ab ging es dann auch mit den Hauptgängen weiter. Das „pikante Hühnchen“ mit Rosmarinkartoffeln war exakt das, allerdings auch am Stück gebraten und deshalb fasrig-trocken übergart (23 Euro). Das Filet vom Loup de Mer mit Olivenöl-Kartoffelpüree und Artischocken (35 Euro) überzeugte dagegen geschmacklich wie technisch, das äußerst puristische, elastisch-zarte Ossobuco (ohne jegliche Beilage) duftete, wie versprochen, nach Amalfi-Zitrone (26).

Und auch der Wildschweinrücken, süßsauer mit Rosinen und Polenta, schmeckte und sah wunderbar rosa aus. Dass große Teile davon allerdings wegen einer massiven Sehne nicht zu schneiden, geschweige denn zu kauen waren, stellte sich erst beim Essen heraus. Das sei beim Wildschwein so, teilte uns der Service lakonisch mit – rückte aber immerhin ein Gratis-Dessert heraus.

Drei Tote bei Absturz eines Kleinflugzeuges

Vier Kinder sterben bei Schulbus-Unfall in Südfrankreich

Die Sehnsucht nach Konstantinopel erklingt im Rebetiko

Jede Stimme gegen Sexismus zählt

„Astronautin“-Kandidatin Nicola Baumann steigt überraschend aus

Auch die Desserts folgen dem Diktat des Einfachen: Panna cotta, Nougatparfait, Creme caramel mit Lavendel und schließlich mit Zabaione gratinierte Birnen, durchweg gelungen (9–11 Euro). Aber es verfestigte sich doch der Gesamteindruck, dass hier viel Gedöns um eine simple Küche gemacht wird, die ihre Aura spätestens oben auf dem Brenner verliert und dann, in Berlin angekommen, auf starke Konkurrenz trifft, zumal angesichts der sehr gehobenen Preise. Auch die üppige, nicht nur italienisch bestückte Weinkarte geht ins Geld, Faktor fünf bei den einfachen – eben doch Hotel.

Das Gebot der Lockerheit wird immerhin durch die Raumgestaltung erfüllt. Im Service übertreiben sie es sogar ein bisschen. Denn wir mussten anfangs geschlagene zehn Minuten vor abgegessenen Tellern und leeren Weingläsern sitzen; nach unserer dezenten Reklamation schlug alles auf betonte, leicht aggressive Überbetreuung um.

Am späteren Abend legt übrigens die Musik aus der Bar an Lautstärke zu. Die war früher cooler.

Gipfel der Widersprüche

Besondere Rücksicht auf das Trauma der SPD

Eine ganze Schulzeit ohne Mathelehrer? Denkbar!

Jede Stimme gegen Sexismus zählt

Die USA gefährden die Freiheit des Internets

0 Kommentare

Neuester Kommentar