Von Tisch zu Tisch : La Mano Verde

Eine Küche ohne Eier, ohne Butter, ohne Milch

Elisabeth Binder

Das beste Roastbeef-Sandwich meines Lebens habe ich im Flughafen in Denver bekommen. Das war nach einem langen Transatlantik-Flug, auf dem ich die Welt jenseits der Standardfrage „Chicken or Fish?“ erkunden wollte und vegetarisches Essen bestellt hatte, woraus veganes Essen geworden war. Also weder Hühnchen noch Fisch noch Milch noch Ei, sondern vor allem neutral schmeckende Pasten in gedeckten Farben.

Trotzdem. Letztendlich siegt beim Kritiker immer die Neugier. Und wenn schon mal ein „Veganes Gourmet Restaurant“ aufmacht in der Stadt, dann nichts wie hin. Der äußere Eindruck ist sogar sehr hübsch. Viele kleine orangerote Lichter blinken in den Sträuchern rings um das Eckrestaurant. Die bodenlangen hohen Rundbogenfenster, die beiden ausladenden Kronleuchter, die gerahmten Spiegel an den weißen Wänden, die vielen Kerzen und Teelichter auf weiß gedeckten Tischen, das Mobiliar aus dunklem Holz schaffen ein entwaffnendes Ambiente. Das wirkt alles sehr angenehm und gediegen, die Sphärenklänge vom Band stören auch nicht weiter.

Alles hier ist biologisch und organisch, natürlich auch der offene weiße Hauswein mit seiner säuerlich fruchtigen Note (0,5 l für 10,50 Euro). Gut ist das hausgemachte Weißbrot (1,70), ganz ordentlich der rote Hauswein (0,5 l für 10,50 Euro).

Okay, es muss nicht immer Kaviar sein, aber kann sich eine Küche ohne Eier, ohne Butter, ohne Milch in die Geschmackknospen des Gourmets hereinschmeicheln? Die Avocado-Gazpacho mit kaum spürbaren Zwiebel- und Tomatenstückchen hätte kräftiger gewürzt sein können, von den angekündigten Kräutern war kaum was zu spüren. Frischer Koriander hätte dem sicher mehr Pep gegeben als die selber eingesetzte Pfeffermühle. Dazu gab es schwarzbröckelige Cracker (4,65 Euro).

Die vietnamesischen Sommerrollen waren recht labil. Dicke eiskalte Karottenstreifen mit Tofu, Minz- und Korianderblättern und Erdnussbröckchen waren in hauchdünnes, sehr reißanfälliges Reispapier gewickelt und rund um einen Sprossenschopf garniert. Dazu gab es glücklicherweise zwei Kleckse Sauce (7,50 Euro). Vegane Gourmets scheinen auch die Aromenvielfalt von Gewürzen zu scheuen. Die sind aber doch keine Sünde.

Zu den Publikumsfavoriten zählt der Gyrosteller. Das geschnetzelte und panierte Tofufleisch bietet ein erstaunlich authentisches Kauerlebnis – und das ohne Sehnen und Fett. In der Mitte des Tellers lag eine Rolle Fladenbrot, auch die war erstaunlich gut. Das Tsatsiki war ziemlich gurkenlastig und ansonsten ein blasser Beweis dafür, dass Tofujoghurt einem griechischen Sahnejoghurt einiges an Lebensfreude schuldig bleibt. Vielleicht hätte ein beherzterer Einsatz von Knoblauch dem Gesamteindruck geholfen. Es gibt viele Hummus-Rezepte, dieses hatte so einen etwas stechend käsigen Geschmack, wirkte von der Konsistenz her ziemlich pastenartig und erinnerte mich an das Flugzeugmenü. Der Salat war kalt, aber in Ordnung (17,50 Euro).

Zu den im Wok gegrillten Sojastreifen und Cashew-Kernen gab es dankenswerterweise eine kleine Schüssel mit zerstoßenen Gewürzen dazu. So ließ sich das mit Paprika, Zwiebeln und Pilzen angereicherte Gericht doch noch etwas feuriger gestalten. Dazu gab es eine Kugel Thai Reis (17,50 Euro).

Die Desserts waren wieder glutenfrei. Wobei die hausgemachte Kokoscreme nicht leicht, sondern ein bisschen klebrig und leider gar nicht kokosselig war (5,50 Euro). Am besten war die Mousse au Chocolat aus Edelbitter-Schokolade auf Vanillesauce mit Beeren. Tofusahne muss wohl wirksamer sein als Tofujoghurt (5,50 Euro).

„Organic Gourmet Cuisine“ ist der Untertitel zu „La Mano Verde“, und wie es sich für ein Gourmet-Lokal gehört, machte der Chefkoch am Ende die Honneurs, erklärte dies und das, zum Beispiel auch, dass ein großer Teil des Stammpublikums gar nicht streng vegan lebt, sondern hier nur ab und zu Erleichterung vom Leben an den Fleischtöpfen sucht.

Missioniert hat mich der Besuch bestimmt nicht. Aber einen nächtlichen Roastbeef-Raubzug im Kühlschrank hatte er auch nicht zur Folge.

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