Von TISCH zu TISCH : Landleben

Holunder-Cheesecake im Glas.

von
Landleben, Seepromenade 99, Groß Glienicke, Tel. 033201/31291, donnerstags bis dienstags von 12 bis 22 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Landleben, Seepromenade 99, Groß Glienicke, Tel. 033201/31291, donnerstags bis dienstags von 12 bis 22 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Ach die Italiener! Was muss es denen in den Ohren klingeln jetzt. Schon im zweiten Jahr vermissen viele Badegäste am Sacrower See die alten Betreiber des Restaurants Waldfrieden. Mit dem Nachfolgelokal „Landleben“ können sie nicht viel anfangen, weil die Betreiber vielleicht zu deutlich machen, dass sie mit den Massen vom idyllisch überfüllten See nichts zu tun haben wollen. Sonst würden sie ja wohl kaum den Umweg durch den Wald verordnen und immer mal wieder das Durchgangstor zusperren, obwohl eine Hochzeitsgesellschaft erst am Abend eintrifft. Der Hinweis, dass man das Lokal nicht ohne Schuhe oder nur in Badekleidung betreten soll, macht immerhin Sinn. Aber die Harmonie ist weg.

Früher war hier alles leger im Sinne des wahren „Dolce Vita“. Der schlichte Thunfischsalat schmeckte nach Sommer und laissez faire. Besseres Gewürz gibt es nicht. Der neue Anspruch ist sicher gut für die kühle Jahreszeit. Aber muss man wirklich die Hochsommerwochenenden mit Hochzeiten blockieren? Okay, die eiskalte hausgemachte Holunder-Limetten-Limonade mit Minze ist köstlich. Wenn es heiß ist, verzeiht man ihr den Glaspreis von 3,80 Euro.

Der Salat. Tja. Der glänzt mit seinen modern rot geäderten Blättern als Vorspeise fein unter gehobenem Olivenöl und edlem Essig. Nicht besonders originell, aber handwerklich einwandfrei (4,50 Euro). Mit moderat dosierten Pfifferlingen ist er fast doppelt so teuer (8,50 Euro. Der Caesar Salad hat sogar hausgemachte Croutons, eine crosse Scheibe Bacon, die Salatblätter biegen sich unter einer handfesten, in Scheiben geschnittenen, zarten Maispourladenbrust. Das Dressing ist schwerer, als es sein sollte, aber das Landleben macht ja hungrig. Immerhin gibt es den Salat als große oder kleine Portion (7,50 Euro). Und ein hübscher, länglicher Korb mit verschiedenen Sorten Brot und Kräuter-Dip bietet einen erfreulich ländlichen Genuss. Der gegrillte Garnelenspieß auf einem köstlichen Avocadosalat mit Koriander-Ingwer-Dip schmeckte sehr gut. (15 Euro)

Ganz bestimmt ist es ein Erlebnis, frischen Fisch aus dem See zu essen. Die drei Maränen, die da im Ganzen auf dem Teller liegen, sind vielleicht früh noch zwischen den Badegästen herum geschwommen. Bevor uns der tote Blick zu vorwurfsvoll trifft, entfernen wir rasch Köpfe und Schwänze. Nur wohin damit? In einem Lokal mit Anspruch könnte man eigentlich einen Abfallteller erwarten. Dabei sind die Kellnerinnen sehr nett und freundlich, obwohl sie richtig hart arbeiten müssen in ihren langen türkisfarbenen Schürzen. Zum Fisch gibt es noch mal elegant glänzenden Salat und modische Ofenkartoffeln. Bisschen Dip wäre kein Fehler. Die schlanken Fische sind rasch filetiert und verzehrt, kein Sattmacher direkt, aber ganz in Ordnung (15 Euro). Man sieht ja, wo sie groß geworden sind.

Während die Cocktail-Auswahl gut ist, fällt die Auswahl bei den offenen Weinen noch bescheiden aus. Es gibt im Wesentlichen zwei: Der Riesling ist definitiv besser als der Chardonnay (0,2 l für 4 Euro). Ein richtig guter Hauswein lässt immer auf einen Wirt schließen, der seine Gäste mag. Mineralwasser-Freunden servieren sie freilich die schicke Sorte aus Bad Liebenwerda. Auch der Nachtisch ist modern, Holunder Cheesecake im Glas, der krümelige Boden ganz unten. Tadellos (6 Euro). Stammgäste lieben offensichtlich die Flammkuchen und berichten von zuverlässiger Qualität, manche sind ganz hin und weg von dem Landleben, das hier aufgetischt wird. Der aus viel altem Holz bestehende Innenraum wirkt gemütlich und ist geschmackvoll eingerichtet, sicher eine Oase im Herbst und im Winter.

Eigentlich fehlt nichts außer der stillen alten Harmonie zwischen See und Restaurant. Man versteht, dass die jungen Betreiber sich hier profilieren wollen, aber noch fehlt ihnen der Sinn für die Gestaltung des Hochsommers. Früher gab es schon mal einen Versuch, was Gehobenes zu etablieren. Damals wurden die Gäste mit Meeresfrüchtespieß in Pusztasauce traktiert. Die Italiener kamen zur Rettung mit ihrem Gespür für die Harmonie von Landschaft und Lokal. Ach, die Italiener!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben