Von TISCH zu TISCH : Lanninger

Eine Gemälde aus Rot, Gelb, Grün

Elisabeth Binder

Mit einer guten Lage muss man auch gut umgehen können. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigte lange das Beispiel des Sorat-Hotels neben dem Innenministerium an der Spree. Das Hauptrestaurant, die „Alte Meierei“, ging zur Straße hin. Die schöne Spreeterrasse war der Bar vorbehalten, wo man zwar Kleinigkeiten zu essen bekam, aber nur hinter nicht sehr schönen Glasscheiben, die eine Barriere bildeten zu den glitzernden Wellen der Spree.

Inzwischen heißt das Hotel „Abion“, Bar und Restaurant verschmelzen direkt am Wasser ineinander. Es gibt Lounge-Möbel zum Kuscheln, eine Smoker’s Lounge und den Restaurant-Teil mit offenen Glastüren. Man kann auch direkt am Wasser sitzen, ganz der frischen Luft ausgesetzt. Das empfiehlt sich besonders an windstillen Abenden.

Die magentafarbigen Intarsien hinter dem Tresen stellen kritische Geschmacksfragen, die nicht jeder bejubeln mag. Dafür passen Blumengestecke und Windlichter farblich einwandfrei dazu. Ob das Ambiente die Getränkewahl unterbewusst stimuliert? Bestimmt! Vom Mineralwasser abgesehen, tranken wir nur noch Rosa an jenem Abend, beginnend mit dem etwas bürgerlichen „Fürst von Metternich“-Rosé zum Aperitif (0,1l für 6,50 Euro).

Das trockene Weißbrot war nicht so überzeugend, es gab allerdings besseres Vollkornbaguette dazu. Im schreiend grünen Schaumsüppchen von der Brunnenkresse verbargen sich annehmbare Eismeergarnelen, das schmeckte ein bisschen säuerlich und nicht übermäßig originell, aber insgesamt akzeptabel (6,50 Euro). Die Küche hat sich hier auch früher nie in jene innovativen Höhen gewagt, in die andere Hotels mutig investieren. Vielleicht liegt der Hang zum leicht geschniegelten, mit einer kräftigen Prise Mittelmaß gewürzten Klassiker an der Nähe der Beamtenhochburg Innenministerium? Und als kleine Hommage an die Mitarbeiter der in der Umgebung ebenfalls reichlich vertretenen IT-Unternehmen gibt’s Dim Sum bei den Vorspeisen.

Die klare Pfifferlingssuppe war an sich ganz gut, mit schönen großen Pilzstücken drin und grünen Kräuterwolken. Sie litt allenfalls an einer Überdosis Speckwürfeln, winzig zwar, aber es waren einfach viel zu viele (6,50 Euro). Man soll vielleicht nicht meckern, wenn es jemand gut meint, aber auch die Zahl der Oliven und der gleichgroßen, nicht zwingend zu diesem Gericht passenden Gnocchi, die mit großem Trara den St. Petersfisch begleiteten, wirkten wie überstürzt aus der ganz großen Familienpackung gekullert. Die gelbweißen Artischocken waren immerhin zart, die drei angenehm zurückhaltend panierten Fischfilets von einwandfreier Qualität (24 Euro).

Die beiden gerade mal so angegrillten Thunfischfilets waren dick und innen fast roh, machten auf Anhieb einen leicht fischigen Geschmackseindruck, gewannen aber sehr durch die Grapefruit-Chili-Koriandersauce. Auch wenn der Koriandergeschmack im Hintergrund bleibt, ist diese Kombination eine Annäherung an den modernen Mainstream-Geschmack, das Loungegefühl für den Gaumen gewissermaßen. Mit Tagliatelle und Rinderfilet an Kartoffelgratin steuert der Koch auch sonst nicht auf Abenteuerkurs. Dafür zeigt er beim Dessert seine heimliche Leidenschaft. So ein hübsches, süßes Gemälde haben wir lange nicht mehr gesehen. Der rot-gelbgrüne Salat aus winzigen Würfeln von Erdbeeren und Mangos und Minzespitzen liegt wie ein Küchlein neben einer girlandenförmig aufgelegten rot-gelben Sauce, dazu ein Zweig mit gezuckerten Johannisbeeren, Brombeeren und eine dicke Kugel Walnuss-Eis, das wirkt richtig liebevoll, vielleicht weil es an kindliche Instinkte appelliert (9 Euro).

Das Fazit: Auf den Tellern nichts Besonderes, aber auch nichts besonders Misslungenes, dazu die wunderbare Wasserlage, die reiche Getränkeauswahl, die Beschränkung auf Gerichte, die unkompliziert zu begreifen und einfach zu essen sind. Das alles macht Lanninger zu einem guten Restaurant für geschäftliche Essen. Die romantische Lage am Wasser eignet sich aber auch für erste Dates, bei denen man nichts falsch machen will.

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