Von TISCH zu TISCH : Lucullus

Gebratener Schwertfisch mit Brokkoli und Spinat

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Lucullus, Berkaer Str. 39, Wilmersdorf, Tel. 6220 6882, geöffnet Dienstag bis Sonntag 16 bis 23 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Lucullus, Berkaer Str. 39, Wilmersdorf, Tel. 6220 6882, geöffnet Dienstag bis Sonntag 16 bis 23 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Nachbarn sind begeistert, sagen sie. Das reicht, um unsere Neugier zu entzünden. Das frühere Team vom I Portici ist gegenüber vom Rathaus Schmargendorf seit Frühjahr 2010 in eigenen Räumen glücklich geworden. Den Walter-Benjamin-Platz habe man wegen zu hoher Kosten verlassen müssen, sagte uns der nette Servicechef, der seinen italienischen Akzent auch nach fast 20 Jahren in Deutschland noch liebevoll kultiviert. Das passt in den gemütlichen Raum mit Wohnzimmeratmosphäre. Vorn öffnet er sich in eine geräumige Küche, hinten ist er mit Bildern und Kerzen schön und heiter gestaltet. Die Stofftischdecken tragen ein klassisches Geschirrtuchmuster, auch das wirkt familiär.

Dies ist ein Familienbetrieb, das Serviceteam ist also eher klein, deswegen dauert manches einen Moment lang, zumal wenn es voll ist, wie an unserem Freitagabend. Aber das macht nichts in dieser heimeligen Atmosphäre.

Nach dem exzellenten Prosecco (0,1 = 5 Euro) entscheiden wir uns für einen sizilianischen Rotwein, einen 2008er Regaleali Nero d’Avola von der Farbe eines uralten Rubins, der voll fruchtig ist und sich im Glas sehr schön entfaltet (24,50 Euro). „Sicilia“ prangt auch auf der roten Schürze des Servicechefs, der sich stolz zu seiner Herkunft aus der Nähe von Palermo bekennt.

Die Spezialitäten des Tages, die in Kreideschrift auf diversen Schiefertafeln niedergelegt sind, trägt er live vor, antwortet geduldig auf Fragen und lässt uns dann mit der Standardkarte zurück, die überwiegend vertraute Klassiker enthält.

Von der wählen wir Antipasto Lucullus, eine der besten Vorspeisenkollektionen für eine Person seit langem. Auf einem knackigen Bett aus feinen Salatstreifen lagert sehr guter marinierter Thunfisch mit winzigen Auberginenwürfeln. Aubergine und Zucchini gibt es auch gegrillt in Scheiben. Eine wunderbar fruchtig frische sizilianische Caponata mit viel rotem Gemüse wird ergänzt durch getrocknete Tomaten und eingelegte Paprika, die jeweils für sich angerichtet sind, dazu schwarze Oliven. Highlights sind das Vitello Tonnato aus zartem Kalbfleisch unter einer besonders guten dicken Thunfischsauce und das Carpaccio mit viel Rucola und Käsehobeln. Auch die eingelegten Champignons und der lockere Büffelmozarella mit Cherrytomaten gefielen uns gut (12,50). Dazu gibt es exquisites Brot mit toller Kruste und natives Olivenöl mit Pfeffer. Auch die Vorspeise von der Schiefertafel gefiel uns gut. Hauchdünn geschnittenes mageres Bündner Fleisch mit handverlesenen gebratenen Pfifferlingen (11 Euro).

Die Hauptspeisen ließen dann nicht mehr ganz so lange auf sich warten. Den Schwertfisch hätte es auch gegrillt gegeben, aber wir folgten dem Rat des Servicechefs und nahmen ihn der Sauce wegen gebraten. Kein Wunder, dass er uns das so vehement empfohlen hatte. Drei dünne zarte Scheiben Fisch fühlten sich ausgesprochen wohl in der aus feinem Öl, Cherrytomaten, schwarzen Oliven und Kapern komponierten Sauce. Dazu gab es Brokkoli, Blumenkohl und Spinat. Auf Salzkartoffeln hatten wir schon vorab dankend verzichtet (19,50 Euro).

Die Perlhuhnbrust Diavolo fanden wir so originell wie wohlschmeckend. Das edle Geflügel mit modernen Chili-Attributen je nach Standpunkt zu verteufeln oder zu veredeln, ist wirklich ein guter Gedanke. Dazu gab es die schon bekannten Gemüsebeilagen und leckere Röstkartoffeln (17 Euro).

Zum Nachtisch probierten wir die Cassata, eine Torte, die nach einem familieneigenen Rezept gebacken wird und schon von Weitem sichtbar auf der Theke thronte mit ihrem hauchdünnen weißen Zuckerguß und roten vorsichtig kandierten Kirschen. Auch wenn man kein Kuchenfan ist, jedenfalls nicht bei Dessert, hat es sich auch hier gelohnt, der Empfehlung zu folgen, eine köstliche Komposition aus Biscuitteig und Ricottacreme, die man anderswo schwer finden dürfte. In Sizilien, wo sie herkommt, wurde sie früher nur zu Hochzeiten und Ostern serviert.

Für ein spontanes Festmahl, um dem Alltag eine Krone aufzusetzen, eignet sich Lucullus jedenfalls ganz gut.

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