Von Tisch zu Tisch : Massai in Prenzelberg

Das Ambiente könnte schöner nicht sein: Die metallenen Deckenlampenscheiben, die schwarzen Holzornamente an den Wänden, geflochtene Basttapeten, Tischläufer in afrikanischen Mustern und im Hintergrund ein zart flackernder Kamin wie ein gezähmtes Dorfplatzfeuer.

Elisabeth Binder

 Das Interieur des afrikanischen Restaurants Massai ist mit allerlei ästhetisch anspruchsvollen Objekten des täglichen Lebens ausgestattet und wirkt wie ein Anwärter auf den Preis "Bestes ethnisches Design-Restaurant".

Die kleinsten Details sind ausgefeilt, beziehungsweise geschnitzt wie die hölzernen Deckel der Speisekarte. Deren wechselndes Programm rekrutiert sich aus den schwarzafrikanischen Ländern südlich der Sahara, wobei Eritrea und Äthiopien Schwerpunkte bilden. Die offenen Weine kommen aus Südafrika. Der fruchtige Rosé erzählte etwas mehr von den guten klimatischen Bedingungen, schmeckte nach der Fülle fruchtbarer Böden (0,5 Liter für 8,90 Euro). Dagegen wirkte der Chenin Blanc etwas herber, eignete sich aber gut als zurückhaltender Begleiter zu den kräftig, aber nicht zu scharf gewürzten Speisen. Wir wählten von der vegetarischen und der Fleischkarte jeweils eine gemischte Platte. Vorweg gab es eine milde Suppe aus Hirse, allerlei Gemüse wie Blumenkohl, Karotten und Kokosmilch. Auch die war hübsch serviert, eine kleinere runde, weiße Porzellanschüssel stand in einer größeren.

Zum Hauptgang gab es zwei kleinere Teller, so dass wir die Portionen gerecht aufteilen konnten. Das Fleisch wurde auf einem Palmenblatt serviert. Dazu gab es Schwarzaugenbohnen in kokosmilchiger Sauce und Couscous. Mit dem Krokodilfleisch ist das so eine Sache. Wenn man als Mensch von den Krokodilen nicht gefressen wird, sollte man sich vielleicht dafür bedanken, indem man seinerseits auch darauf verzichtet, ihr Fleisch zu essen. Aber so viel Hochherzigkeit verlangen die Echsen gar nicht. Sie rächen sich schlicht mit der knorpelig zähen Qualität ihres Fleisches, der kein Gewürz aus Eritrea oder sonstwo, keine noch so sanft knuspernde Erdnusssauce wirklich wirksam auf die Sprünge helfen kann.

Der Service ist nett und temperamentvoll

Dafür war das Straußensteak zart und selbst das Springbockfilet nicht zäh und gut gewürzt. Die afrikanische Küche zeigt sich hier als eine typische Mama-Küche: sättigende, einfache Gerichte. Die Massai-Platte gibt es noch in umfangreicherer Version mit Zebrasteak, aber irgendwo gerät auch die prinzipielle Verrohung einer Kritikerin an Grenzen, zumal wenn sie direkt mit Ausblick auf ein Bild dieses hübschen Tierchens sitzt. Je exotischer Tiere sind, desto mehr macht man sich klar, was man da eigentlich isst. Und dass es auf jeden Fall aus der Tiefkühlung kommt, da man so was ja schlecht im Zoo erjagen kann.

Besser als die Fleischplatte gefielen uns die vegetarischen Spezialitäten, die ebenfalls auf einer mit Palmblatt ausgelegten Platte serviert wurden. Auch hier gab es die typische Sauce aus Peperonis, Knoblauch und Gewürzen, eine mit Gemüse gefüllte Teigtasche, interessant gewürztes Gemüsedurcheinander mit Kraut, Kartoffeln und Möhren, ferner Dips mit Bohnen, Auberginen und Kochbananen. Besonders gut schmeckte der Spinat, der scheint eine Spezialität des Kochs zu sein. Schade, dass zu den Saucen kein Brot gereicht wurde, ein afrikanisches Fladenbrot zum Aufwischen wäre eine gute Ergänzung zum Couscous gewesen (12,90 Euro). Zum Nachtisch probierten wir die mit Ananaseis gefüllte Ananas, die vielen frischen Fruchtstückchen suggerierten auch hier eine angenehme Industrieabstinenz (5,80 Euro).

Der Service ist sehr nett und temperamentvoll, freilich dauerte es geraume Zeit, bis die Hauptgerichte auf dem Tisch standen. Es seien alle zur gleichen Zeit gekommen, hieß es bedauernd.

Am Ende, als wir beim Bezahlen nach einer Rechnung verlangten, hieß es, es gebe gerade ein Problem mit dem Computer, ob wir nicht einfach eine andere Rechnung nehmen könnten? Die nette Kellnerin kramte in einem Papierstapel und hielt dann triumphierend einen Zettel hoch. Diese sei fast in der gleichen Höhe. Kreativität und Improvisationstalent liegen nah beieinander.

Massai, Lychener Str. 12, Prenzlauer Berg, Tel. 486 255 95, täglich ab 17 Uhr, Wochenende ab 16 Uhr

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