Von TISCH zu TISCH : Nußbaumerin

Elisabeth Binder aß bei der Nußbaumerin Speckknödel und Mozartknödel und fand sie äußerst schmackhaft.

Elisabeth Binder

Das interessanteste Gericht auf der Karte gab es gar nicht. Es war nur Bestandteil eines Sprachkurses. Bei der „Nußbaumerin“ gilt nämlich die Devise: „Wir sprechen österreichisch.“ Auch wenn wir Preußen sind. Wer’s nicht kann, findet einschlägige Vokabeln aufgelistet und einen trockenen kulinarischen Sprachkurs, der das geräucherte Filet vom Zander mit Feldsalat, geschmolzenen Tomaten und Meerrettich in ein geselchtes Filet vom Fogosch mit Vogerlsalat, geschmolzenen Paradeisern und Kren verwandelt. Das ist zumindest ehrlich. Es gab ja mal die Tendenz in der gehobenen Küche, mit Hilfe von österreichischen Ausdrücken vergleichsweise bodenständigen Gerichten eine geheimnisvolle Aura zu verleihen.

Der Gastraum ist eher konservativ mit dunklen Hölzern eingerichtet, wird dominiert von großen Spiegeln, an denen grüne Laubkränze mit Stricken befestigt sind. Das gibt eine leicht bäuerliche Note. Festlich ergänzt wird dieses Ambiente durch frische Rosen und Kerzen auf den weißen Tischdecken und fröhlicher Walzermusik aus dem Lautsprecher. „Ist''s auch nicht zu laut?“, fragte die freundliche Lady, die auftrat, als sei sie die Nußbaumerin höchstselbst. Während wir beim kräftig moussierenden eiskalten Haussekt noch studierten, was Dummkreidel bedeutet (Dill) und wie man Hühnerschenkel bestellt („Birgel, bitte!“), kam schon Baguettebrot mit Kräuterquark. Das Publikum war sehr gemischt, geeint vermutlich durch einen Hang zum Behaglichen.

Die Kürbiscremesuppe mit Ingwer kam in einem weit ausladenden Teller, enthielt knusprig geröstete Kürbiskerne, hatte mächtig viel Persönlichkeit und schmeckte gerade darum richtig gut (5,50 Euro). Leichter war die Tafelspitzbrühe mit Fritatten in der kleinen weißen Terrine, eine Rinderkraftsuppe halt, aber schön kräftig gewürzt (4,90 Euro).

Gelegentlich werde ich von den Pastamüden gefragt, wo man ordentlich Gulasch essen kann. Hier gibt es das gleich in mehreren Varianten, nach Fiakerart mit Spiegelei und Essiggurkerl oder auch schlicht als Rindersaftgulasch mit Semmelknödel. Wiener Schnitzel kann man auf jeden Fall gut essen, klein oder groß. Das war innen zart und dünn und außen knusprig, die Panade nicht zu aufdringlich. Dazu gab’s Preiselbeeren und einen überdurchschnittlich guten, cremig-knackigen Kartoffel-Gurkensalat (12,50, groß 15,90 Euro) Zum Schnitzel passt der kräftige Rosé (14 Euro). Die Weinkarte ist klein und enthält nur Hausweine von Weinbauer Schmid aus dem Weinviertel. Die Flaschen kosten jeweils milde 14 Euro, es gibt noch Zweigelt, Rivaner und Grünen Veltliner.

Unter dem Motto „Schmankerln“ kann man Nußbaumerins Knödelgeheimnis lüften, auf einem großzügigen Bett sehr guten Weinsauerkrauts. Es gibt eine Reihe von kleinen Knödeln mit dreierlei verschiedenen Füllungen. Die Speckfüllung hat so einen Anklang von Alm und sattmachender Belohnung nach kalorienzehrender Gipfelstürmerei, die Griebenfüllung schmeckt knusprig herzhaft, und das Faschierte ist geschmacklich vom Speck nicht so weit entfernt wie es Hackfleisch wäre, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein (12,90 Euro).

Schade, dass das alles so mächtig ist. Mächtig ist nämlich eigentlich out. Vielleicht wäre eine Puppenstubenvariante österreichischer Klassiker die richtige Antwort auf die in vielen ethnischen Küchen grassierende Tapas-Bewegung. Aber wer für sein Geld richtig schön satt werden will, ist hier richtig. Nachdenklich blickten wir auf die köstlich duftenden Salzburger Nockerln der Tisch-Nachbarn und entschieden uns dann doch für den Mozartknödel, einen sehr erwachsenen Bruder der Mozartkugel. Er ist nicht ganz so groß wie ein Tennisball, außen mit reichlich Nussbröseln bedeckt, und innen mit flüssigem Nougat gefüllt (6,90 Euro). Danach kann man sich nach Hause rollen. Sie sollten vielleicht die Weine etwas teurer machen und die Gäste dafür prophylaktisch mit einem Schluck vom hausgemachten Bärenfang entlassen. Stattdessen gab’s zum Abschied ein kerniges „Pfüat euch“.

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