Von TISCH zu TISCH : Ostseelounge

Marinierte Makrele im Gurkensud.

von
Ostseelounge, Strandhotel Fischland, ErnstMoritz-Arndt-Str. 6, Dierhagen-Strand. Tel. 038226 520, nur abends, Mi-So.
Ostseelounge, Strandhotel Fischland, ErnstMoritz-Arndt-Str. 6, Dierhagen-Strand. Tel. 038226 520, nur abends, Mi-So.Foto: Heinrich

Im neuen „Genuss-Magazin“ des Tagesspiegels habe ich gerade fünf brandenburgische Restaurant-Terrassen vorgestellt: schön. Noch schöner ist es an der Ostsee, knapp drei Autostunden Richtung Fischland, wo seit 2013 der erste Michelin-Stern dieser Gegend leuchtet. Die Ostsee-Lounge oben auf dem Dach des Strandhotels Fischland nämlich bietet von der Terrasse zum Aperitif auch noch ein wunderbares Ostseepanorama.

Gegessen wird drinnen, und auch dort sitzt man wunderbar; Liebhaber von Shanties und Umhängebärten sollten sich allerdings einen anderen Ort suchen. Die Küche von Pierre Nippkow tut nichts Unerwartetes, sieht man von der ausgezeichneten Qualität ab. Es ist die in dieser Kategorie übliche Verbindung von regionaler Inspiration, regionalen Produkten und einem gemessenen Blick in die Ferne, festgehalten in zwei Menüs „Aus der Heimat“ und „Aus der weiten Welt“, die mit 54 bis 81 Euro für drei bis sechs Gänge kulant kalkuliert sind.

Schon die Appetitanreger, erst in einer kleinen maritimen Szenerie, dann als miniaturisiertes Grillbuffet, sind optisch wie geschmacklich verblüffend attraktiv. Der Saibling, sanft gegart, tritt sodann mit einer Begleitung von allerlei marinierten Beten und einem Hauch von Himbeeressig gegen die in Soja marinierte Makrele im Gurkensud mit Basilikum-Wasabi-Sorbet an, beides bietet eine ausgezeichnete Balance zwischen milden und kräftigen Akzenten, man isst belebt im Kreis herum und weiß, dass fortan nichts Grundsätzliches mehr schiefgehen wird.

Allenfalls die Sylter Auster, die es zum Kaninchen mit Spargel gibt, ist durch schroffes Ausbacken dann doch zu denaturiert, aber sie wäre zum saftigen Kaninchen auch nicht nötig gewesen. Beispielhaft zart: Der malerisch inszenierte Pulpo mit Orangenaromen, Melone und schwarzen Nudeln. Zum Kabeljau passt „Himmel und Erde“ mit Blutwurst in angenehm undeftiger Zubereitung, und auch die eher konventionellen Fleischgänge sind sorgfältig gestaltet: Schön festes Rehrückenfilet mit Pfifferlingen und Walnussschaum, US-Beef auf drei Arten mit Artischocken und Polenta. Auch die munteren Desserts überzeugen.

Und dann die Weinkarte! Sie ist zwar nicht sehr groß, bietet aber spektakulär günstige Preise für herausragende Weine guter Erzeuger. Kellers Kirchspiel 2012 für 48 Euro, der Riesling „Von der Fels“ vom gleichen Erzeuger 29 Euro, das ist Einkauf knapp mal zwei und macht Appetit auf die zweite Flasche.

Wer nun nach all diesem Lob auf den Haken lauert, bitte: Der Service – möglicherweise auch die Küche? – ist eindeutig zu knapp besetzt, und so zieht sich die Sache sehr. Aber wer hier oben angekommen ist, der hat auch keinen Grund, noch woanders hinzuwollen.

Fotos und ein Kurzbericht aus dem Grand Hotel Kurhaus in Ahrenshoop: Ab Montagabend bei feinkost.tagesspiegel.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben