Von TISCH zu TISCH : P 12 - zurück in die 80er

Elisabeth Binder war zum Test-Essen im P 12 und traf dort auf blasierte Kellner, Schickeria-Stil der 80er Jahre und andere Extravaganzen. Hummerszegediner und Lebergeschnetzeltes haben ihr trotzdem geschmeckt.

Elisabeth Binder

Von außen wirkt das P 12 mit seinen großen Fensterscheiben ein bisschen wie ein Aquarium, und man muss ein paar unsichtbare Hemmschwellen überschreiten, bevor man der im Eingang aufgereihten Kellnerbrigade in die Arme fällt. An den großen Tischen sitzt man weit auseinander, im Hintergrund gibt es elegante gläserne Raumteiler und extravagante, weiße Lampen. Das Design ist deutlich inspiriert vom Schickeria-Stil der 80er Jahre. Leider trifft das auch auf den Ton der Kellner zu. Der klingt zwar auf Anhieb überaus beflissen, wirkt aber auf die Dauer überheblich. Und obwohl es keineswegs voll war, warteten wir ewig.

Kurzweil brachte eine Kellnerin, die mit einem Tablett voller heißer weißer Waschlappen kam, die sie uns mit Silberzange reichte, als hätten wir gerade eine schlaflose Nacht im Flugzeug verbracht. Sowas ist gerade hip, aber überflüssig in einem Lokal mit dermaßen extravaganten Handwaschbecken. Glücklicherweise gab es zum eiskalten und überteuerten Prosecco (6 Euro) drei Sorten warmes Brot, mit Kräuterfrischkäse, Senfdip und Zitronenbutter. Statt einer Flasche des achtbaren fränkischen Spätburgunder Ölspiel brachte der Kellner später Karaffen, was den Preis insgesamt erhöhte, der für einen offenen Hauswein sowieso schon ziemlich hoch lag (0,2 für 6,50 Euro, Flasche für 21,50 Euro).

Einen Moment fragten wir uns, ob wir vielleicht doch in einen Zeittunnel in die 80er Jahre geraten waren. Drei marinierte Jakobsmuscheln waren um einen Berg dschungeligen Kräutersalats drapiert, schmeckten ganz passabel, aber nicht herausragend, zumal sich auch die annoncierte Liebstöckelkruste geschmacklich nicht recht durchsetzen konnte (17,50 Euro). Der Tomaten-Gurken-Salat wäre auch als Carpaccio durchgegangen. Hauchdünn geschnittene Gurken- und Tomatenscheiben übereinander geschichtet mit einem Zwiebelflaum bedeckt, beeindruckten vor allem durch ihren Umfang (8 Euro). So große Portionen habe ich bei Italienern lange nicht mehr gesehen.

Das große Stück vom gebratenen Kabeljau auf Hummerszegediner war sogar sehr gut. Die Unterlage war mindestens originell gedacht, wenn sich auch die drei winzigen Hummerspuren im kräftig schmeckenden Kraut etwas verloren. (23 Euro). Gut war auch das Lebergeschnetzelte, zarte Leberfetzen mit Apfelscheibe und Zwiebelringen und einer großen Portion Kartoffelpüree. Aber mit 22 Euro stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht.

Das Dessert immerhin kam vergleichsweise rasch (12 Euro). Drei Scheiben heller Ananas mit Bergpfeffer passten gut zu einem gelungenen kleinen Topfensoufflé. Dazu gab es Essig-Eis, das besser schmeckt, als der Name vermuten lässt.

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