Von TISCH zu TISCH : Paras

Teigtaschen mit Rosinen und Cashewnüssen

Elisabeth Binder

Paras, Giesebrechtstraße 19, Charlottenburg, Tel. 308 31 418, geöffnet täglich von 12 bis 24 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wenn man länger in Berlin wohnt, erlebt man Restaurants in den verschiedensten Metamorphosen. In den Räumen des früher bei einem besonders kultivierten Publikum beliebten „Ponte Vecchio“ etwa war nach dem Ende des Sterne-Restaurants eine Weile ein Billig-Chinese untergebracht. Inzwischen isst man dort gutbürgerlich hessisch. Das muss vielleicht nicht sein. In der Giesebrechtstraße, wo vor ihrem Umzug zum Walter-Benjamin-Platz die Enoteca Il Calice sich in die Herzen eines ebenfalls eher intellektuellen Publikums segelte, verfielen die Räume den jeweils aktuellen modischen Strömungen. Zunächst zog ein Mexikaner ein, inzwischen kocht man dort indisch. Das ist derzeit hip und entsprechend sieht es aus. Keine Billig-Folklore mit Räucherstäbchen und grinsenden Buddhas, sondern eine edle schwarzgelbe Bar, schlichtes, aber schönes schwarzes Mobiliar. Manchmal steckt ein bestimmter Geist unabhängig von der Küchenrichtung in den Wänden. Der Stil der Inder ist gar nicht so weit von der zurückhaltenden Eleganz der Italiener entfernt. Auch der Service ist unaufdringlich freundlich. Nur so voll wie früher ist es im Paras nicht. Eine Festgesellschaft in der Ecke, ein paar besetzte Tische, das war es schon an jenem Werktag-Abend.

Dass indisches Essen gerade so in ist, liegt wohl auch am neuen deutschen Geschmack für Scharfes, und daran, dass die vegetarische Abteilung meist erfreulich gut ausgebaut ist. So wie es kaum noch spezielle Fischrestaurants gibt, sind auch die rein vegetarischen Restaurants rar geworden. Das macht Sinn, denn gemischt orientierte Pärchen finden in den ethnischen Restaurants einen guten Kompromiss.

Man sollte auf den leicht schalen Prosecco verzichten und lieber mit einem der Gin- oder Rum-Cocktails anstoßen. Es gibt auch eine erfreulich gute Auswahl alkoholfreier Cocktails, außerdem neben diversen deutschen Sorten indisches Bier. Wie professionell ethnische Lokale inzwischen betrieben werden, zeigt sich unter anderem an der achtbaren Auswahl offener Weine. Den einwandfreien Montepuliciano d’Abbruzzo gibt es glasweise oder in der Halbliterkaraffe (7,80 Euro), desgleichen den sauberen Chardonnay del Veneto (7,60 Euro).

Die Samosas, mit Kartoffeln, Erbsen, Rosinen und Cashewnüssen gefüllte Teigtaschen, fanden wir überdurchschnittlich gut, der Teig kein bisschen zäh, die Füllung gut gewürzt und interessant zusammengestellt, mit Salat hübsch in Szene gesetzt. Dazu gab es dreierlei Saucen, von fruchtig süß über minzig erfrischend bis joghurtsanft (3,20 Euro). Besonders gut gefiel mir der „Tandoori Sabji Chaat“, ein großer Salatteller mit gerösteten Früchten, Äpfeln und Ananas zum Beispiel, und verschiedenen Gemüsesorten. Köstlich, leicht und geradezu erfrischend, Obst statt der standardisierten Salathochbrezelungen wie Schafskäse oder Thunfisch könnte Schule machen (4,10 Euro). Dazu gab es knuspriges Tandoori-Brot.

Schön scharf, ohne allzu sehr zu brennen ist auch „Chicken Sabij“, eine Spezialität des Hauses. Zarte Hühnerwürfel vereinen sich kongenial mit Gemüsestückchen, Ingwer und Knoblauch in einer vollmundigen Currysauce (8,60 Euro). Rein Vegetarisches gibt es auch unter den Tandoori-Spezialitäten, aus der Rubrik „Vegetarische Hauptspeisen“ wählten wir ein indisches Bauerngericht: dicke Rahmkäsewürfel mit frischem Ingwer in einer dicken, glatten Spinatsauce. Der Spinat hätte vielleicht etwas weniger dunkel und weniger gewürzt noch besser geschmeckt, aber der Kombination war durchaus anzumerken, wie gut sie werden kann (7,80 Euro). Zum Dessert gab es eine indische Antwort auf süße Klößchen, die nicht auf der Karte stand. Da man hier den Umgang mit gerösteten Früchten so gut beherrscht, könnte es sich lohnen, auch auf dieser Schiene bei den Desserts weiterzudenken.

Am Ende gab es noch einen Reiswein aufs Haus. War’s der Geist in den Wänden, der diese gut italienische Grappa-Sitte ins Globale übersetzt hat? Egal wie, so wie früher wird es eh nicht mehr. Aber wer mal was Indisches ausprobieren will, landet hier mindestens bei einer guten Adresse.

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