Von TISCH zu TISCH : Paulsborn

Bauernhahn mit Waldpilzgulasch.

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Forsthaus Paulsborn am Grunewaldsee, Zehlendorf, Hüttenweg 90, Tel. 818 101 0, täglich ab 11 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Forsthaus Paulsborn am Grunewaldsee, Zehlendorf, Hüttenweg 90, Tel. 818 101 0, täglich ab 11 Uhr. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Trophäen fletschen hoch oben an der Wand noch die Zähne im Forsthaus Paulsborn, Geweihe brüten über braunen Tischen, um die sich modern gepolsterte Stühle gruppieren, ein ausgestopfter Fuchs wartet artig auf Visitenkarten. Im Biergarten knirscht frischer grauer Kies unter den Sohlen der Gäste. Die rotweiß gewürfelten Tischtücher, die im Innern das braune Holz eher notdürftig bedecken, liegen hier gediegen auf weißen Tischtüchern. Gelbe Windlichter flackern gen Abendhimmel, die Bäume sind hoch, und einen Spielplatz mit lustigem Häuschen gibt es auch. Dem Service möchte man an dieser Stelle gleich schon mal wünschen, dass es nie voller wird, als an unserem Abend. Zwar wirken Kellner und Kellnerin ausgesprochen gutwillig und freundlich, aber auch ein bisschen so, als hätten sie früher in Berufen gearbeitet, wo es auf Tempo und kulinarische Sachkenntnis nicht wirklich ankommt.

Der Sekt war leider recht abgestanden und aufgewärmt (3,50 Euro). Dass neuerdings Weingärten mit Biergärten konkurrieren oder ihnen gar den Rang ablaufen, hat sich jedenfalls noch nicht bis nach Paulsborn herumgesprochen. Beim Wein herrschte insgesamt einige Konfusion. Die auf der Karte angekündigten Flaschen gab’s nicht, dafür andere, teurere, die nicht aufgeführt waren. Ohnehin sind die Kellner offenbar gehalten, sich an Karaffengrößen zu orientieren, die aber offiziell nicht angeführt werden. Der offene Riesling war ganz trinkbar (0,5 l für 10 Euro), und ich würde ihm jederzeit wieder den Vorzug geben vor dem Silvaner. Von dem weiß ich immerhin, woher er kam, denn wiederholte Nachfragen nach Details inspirierten den Ober, mal drinnen aufs Flaschenetikett zu schauen, so dass er triumphierend wieder auftauchte mit der Nachricht „Rheinhessen!“.

Kommen wir zum erfreulicheren Teil, dem Essen. Das hat sich unter neuer Regie deutlich verbessert. Okay, die Frage, ob in dem „Jahreszeitlichen Salat“ auch der Kopfsalat enthalten ist, der in einer anderen Kombination mit Spargel und Radieschen angeboten wurde, fand der Ober offensichtlich etwas schräg. „Vielleicht“, meinte er. Darauf wollten wir es nicht ankommen lassen, entschieden uns für den Kopfsalat und bekamen – Römersalat. Dazu fein geschnittene Radieschen, sehr, sehr bissfesten Spargel und eine Vinaigrette, die zwar schön kräutrig war, aber fast so bissfest wie der Spargel und oben auf den Blättern klebte (9,90 Euro).

Das Mottogericht „Wild im Wald“ war hingegen rundum gut gelungen. Jahreszeitliche Blattsalate mit sehr aromatischer Wildsülze, dunkelrotem, mageren Hirschschinken und einer pikanten, weichen Wildsalami, dazu eine gut passende pfeffrige Preiselbeervinaigrette (12,90 Euro). Als wir mit den Vorspeisen durch waren, wurde auch endlich mit höflichen Entschuldigungen ein Korb mit frischem Baguette aufgetragen.

Von der Tageskarte probierten wir die Rinderwürstchen mit Kartoffelpüree und Bayerischem Kraut. Die Würstchen dick, aber nicht fett und gut gewürzt, das Püree aus echten Kartoffeln, aber nicht zu stückig und mit Schnittlauch verfeinert, das Kraut grob geraspelt, dezent säuerlich im Geschmack. Auf Nachfrage kam nach einiger Zeit sogar ein Schüsselchen mittelscharfer Senf dazu (13 Euro). Ausgesprochen zart und saftig schmeckte die gefüllte Brust vom Bauernhahn. Das Fleisch hatte einen angenehmen Eigengeschmack, der von der dezent gewürzten Füllung nicht übertönt wurde. Dazu gab es Waldpilzgulasch, angereichert mit anderem Gemüse in einem kräftig pikanten Jus von der Paprikawurst. (19,50 Euro).

Beim Nachtisch ging’s leider wieder bergab. Zu den recht zähen Topfenknödeln gab es immerhin kühles, säuerliches Rhabarberkompott und Eis (7 Euro).

Noch ein Verbesserungsvorschlag gefällig? Verbotsschilder für High Heels wären nützlich. In den mit grobem Schotter aufgeschütteten Parkbuchten hat man damit sowieso keine Chance. Stolpergefahr droht außerdem an der finsteren, unbeleuchteten Ecke zwischen Biergarten und Parkautomat. Man kriegt zwar Rabatt auf die Parkgebühren, aber ein bisschen ungastlich wirken sie trotzdem. Während in der Küche schon ziemlich viel glatt läuft, gilt es also insgesamt, noch einige Baustellen mit Stolperfallen zu beseitigen.

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