Von TISCH zu TISCH : Private

Reisnudelrisotto mit Entenconfit und Maronen

Bernd Matthies

Private im Bangaluu-Club, Invalidenstraße 30, Mitte, Di-Sa ab 19 Uhr geöffnet, Tel. 809693078, www.bangaluu.com

Was? Die obskure Zeit der Berliner Clubszene nach der Wende ist vorbei? Ha. Klettern Sie mal die Gitterstahltreppe auf dem dusteren Hof in der Invalidenstraße hoch, um das dort versteckte „Private Restaurant“ des Bangaluu-Clubs zu erreichen. Das hat was von 1990 – genau der Stoff, den die Leser von Reiseführern weltweit suchen: Huh! Berlin! Genau genommen wird diese Feuertreppe allerdings nur Dienstag und Mittwoch benutzt, wenn der Club selbst geschlossen ist. Appell an meine Leserinnen: Lassen Sie dann bloß die High Heels zu Hause.

Ich habe vor einer Weile sehr reserviert über die Darbietungen der Küche des Bangaluu-Clubrestaurants berichtet, wo man nach dem Vorbild des Frankfurter „Silk“ auf weißen Sofas Häppchen zu sich nimmt. Doch es gibt einen neuen Küchenchef, Sebastian Schmidt, der bei der kulinarischen Abwicklung des Schlosshotels Grunewald auf der Strecke geblieben ist. Und das „Private“, in dem man an Tischen sitzt, ist ohnehin was anderes.

Es ist sogar echt gut, viel besser, als ich erwartet hatte. Möglicherweise habe ich in der nervend schummrigen Beleuchtung was übersehen, überschmeckt aber sicher nicht. Es gibt drei Vier-Gang-Menüs (47-59 Euro), eins davon vegetarisch, aus denen die Gerichte auch einzeln bestellt werden können, die Zutaten sollen laut Speisekarte bio-zertifiziert sein. Schmidt hat mal bei Johannes King in Sylt gearbeitet, und er hat da offenbar ein gutes Gefühl für Konsistenz und Geschmack geeerbt, das sich selbst an einer so simplen Vorspeise wie dem Tatar von Rinderfilet mit Wachtelei, marinierten Gemüsen und Spuren von Kaviar zeigt: Das war zwar keine große kulinarische Kunst, aber in allen Details perfekt inszeniert.

Auch Gerichte, die auf der Karte seltsam klingen, überzeugen spontan, wenn sie auf dem Teller am Tisch erschienen, beispielsweise das sehr harmonisch gewürzte Reisnudelrisotto mit Entenconfit, Maronen sowie Schwarzwurzeln, bei denen der Vanillehauch äußerst sensibel dosiert war. Selbst das an sich unspektakuläre gebratene Doradenfilet gewann durch die originelle Begleitung von Paprikaöl, Erdnüssen und sanftem Artischockenpüree.

Das vegetarische Menü fiel keinen Deut ab. Nuss-Wirsing-Strudel in schön knusprigem Teig mit Portweinbutter und Schalottenkompott, markant aromatische Spinatsuppe nebst Blattspinat, pochiertem Ei und duftenden Trüffelscheiben ohne Trüffelöl-Fiesheiten, schließlich Sellerieravioli mit Chicoree und Sellerie-Orangenvinaigrette – hallo!

Nur bei den Desserts scheint der Chef nicht ganz in seinem Element. Die Bratapfel-Variationen mit einem spröden kalten Süppchen, einem Parfait und fluffigem Schaum waren nicht schlecht, doch sie fielen gegen das Vorangegangene merklich ab; der dröge Ziegenfrischkäse mit Schwarzbrot, Feigen und einem Oliven-Tomatensalat aus dem Gemüsemenü tendierte zu sehr in Richtung Magenfüller.

Das recht knappe Weinangebot passt mit seiner Aus-aller-Welt-Sortierung gut zur bunten, undogmatischen Richtung der Küche, es ist die typische Karte, die eigene Mühe durch Fachhändler-Kompetenz ersetzt. Immer sehr empfehlenswert, charaktertypisch und dennoch anpassungsfähig ist der „Isolation Ridge“- Riesling aus Australien (33 Euro), der wie ein betont mineralischer Elsässer schmeckt.

Das ehemalige Bankgebäude in der Invalidenstraße ist von den Betreibern grob und mit wenig Aufwand in Richtung betonter Kühle renoviert worden – überall weiße Farbe drauf, einfache Tische, bequeme Stühle, ein paar Vorhänge zur Trennung, fertig. Ich bezweifle sehr, dass das was für konservative Feinschmecker ist; die werden sich vermutlich in der Club-Atmosphäre mit relativ lauter Musik und relativ lässigen Umgangsformen nicht sehr wohlfühlen. Aber vielleicht lassen sie sich mal von den Kindern mitnehmen, wegen des Gefühls, mit Berlin noch mithalten zu können?

Für mich ist das „Private“ als junges Szenerestaurant vor allem eine gute Alternative zum abgestürzten „Shiro I Shiro“. Da allerdings war zumindest die Beleuchtung bedeutend besser.

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