Von TISCH zu TISCH : ProbierMahl

Rinderhüftenragout und Camarones

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ProbierMahl, Dortmunder Str. 9, Tiergarten, Tel. 399 6969, tägl. von 16 bis 1 Uhr, sonntags Brunch von 10 bis 15 Uhr. Foto: Heinrich
ProbierMahl, Dortmunder Str. 9, Tiergarten, Tel. 399 6969, tägl. von 16 bis 1 Uhr, sonntags Brunch von 10 bis 15 Uhr. Foto:...

Braune Packpapiertischtücher, Blumen und große Windlichter stehen auf den Tischen in dem weiträumigen Eckrestaurant mit großer Terrasse. An unserem Abend war die Terrasse voll und der Service personell nicht nur ziemlich unterbesetzt, sondern auch nicht gerade so koordiniert, dass wir hier den großen Preis für verschärfte Effizienz verleihen würden. Wir saßen zugegeben in einer etwas entlegenen Ecke, aber es dauerte auch, bis wir die Aufmerksamkeit einer Kellnerin erlangt hatten und dann noch in den Genuss eines Aperitifs geraten waren. Mal kamen dann in kurzer Folge wieder zwei Kellnerinnen hintereinander, eine mit, eine ohne Block.

Der Name „ProbierMahl“ ist auch schon das eigentlich ganz pfiffige Programm, hinter dem die moderne Unlust auf Entscheidungen steht. Statt sich nur einem großen Gericht widmen zu müssen, kann man sich durch eine ganze Reihe kleiner Probierportionen naschen oder auch zwei halbe Hauptgerichte hintereinander testen.

Das Rieslingsüppchen, serviert in einer extravaganten weißen Schale, ist auf den ersten Blick luftig und leicht, trägt aber in sich jede Menge sättigender Beluga-Linsen und Entenbrust-Streifen. Hauptsache ist die große Holzplatte mit sechs verschiedenen Tapas in schicken weißen Porzellanschüsselchen. Ob sie sich merken könne, welche wir aus der Liste auswählen würden? „Klar“, sagte die Kellnerin ohne Block cool. Sie hat sich dann auch nur in einem Fall vertan. Unverhofft kamen wir dadurch in den Genuss von sehr angenehm gewürzten Albondigas, Hackfleischbällchen auf einem fruchtigen Tomaten-Gemüse-Ragout.

Die mediterrane Hähnchensuppe hat viel Gemüse in sich und ebenfalls eine einzigartige Würzung. Der Salat von Camarones ist cremig angemacht mit nicht zu penetrantem Aioli. Tomaten- und Gurkenwürfel geben ihm eine knackig fruchtige Note. Die halbe Hass-Avocado ist vergleichsweise schlicht angerichtet mit Zitrone und einer leicht beizenden Vinaigrette aus Gemüse und Gartenkräutern. Das Rinderhüftenragout vom Brandenburger Jungbullen hatte die Farbe von Kakao und tatsächlich eine Note von Zartbitter-Schokolade. Die Kartoffelwürfel, die sich noch darunter fanden, wären aber entbehrlich gewesen. Zwei zarte, gelblich gebeizte Scheiben vom Butterfisch auf einem erfrischenden Tomaten-Konfit bildeten oben links den Abschluss dieses Nasch-Gelages.

Sechs Mini-Gänge für 13,50 Euro kann man wirklich als guten Deal bezeichnen. Da diverse kleine Löffel dabei lagen, könnte man die Tapas als gemeinsame Vorspeise gut aufteilen, wenn das Haus noch zwei Teller dazu legen würde. Auch die Standard-Hauptgerichte, wie Steak und Kabeljau, werden in kleinen und großen Portionen angeboten. Das trifft auch auf die Burger zu. Der kleine vegetarische Kiez-Burger, eine Komposition aus Kartoffeln und Ziegenkäse war wirklich gut, das Brötchen mit Tomatenpesto bestrichen, dazu gab es neben frischer Tomate und roten Zwiebeln auch noch reichlich Rucola-Salat. Als Beilagen passten Cole Slaw und Pommes Frites dazu (6 Euro). Die Dessertvariationen bestanden aus einem eher konventionellen, aber guten Dreierlei von weißem Schokoladen-Parfait auf einer säuerlichen Passionsfrucht-Sauce, aus Toblerone Mousse mit frischen Erdbeeren und Creme Brulee mit Kapkirsche (7,50 Euro).

Es gibt eine ziemlich ausführliche Cocktailkarte, auch Teefreunde kommen auf ihre Kosten. Die Weinauswahl hingegen hält sich eher in Grenzen, immerhin gibt es jeweils drei rote und weiße offene Weine und Flaschen überwiegend aus Deutschland und Italien. Wir entschieden uns für einen sizilianischen 2009er Grillo & Inzolia vom Weingut Cataldo. Die Kellnerin hatte uns wenig Hoffnung gemacht, dass der Wein überhaupt noch vorrätig ist, so dass wir ihr schon eine Alternative vorgeschlagen hatten.

Am Ende hat sie noch eine Flasche gefunden und brachte sie auch an. Hoffentlich hat sie das nicht bereut. Lange mühte sie sich, den Korken herauszubekommen. Schon das Zuschauen war anstrengend. „Zu glatt“ sagte sie, und dass sie so was noch nie erlebt hätte. Wir auch nicht.

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