Von TISCH zu TISCH : Querrüber

Leber in Apfel-Pilz-Sauce.

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Restaurant Querrüber, Heinsestraße 51, Hermsdorf, Tel. 85979699, Mittwoch bis Sonntag ab 12 Uhr.Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Restaurant Querrüber, Heinsestraße 51, Hermsdorf, Tel. 85979699, Mittwoch bis Sonntag ab 12 Uhr.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Hoffentlich ist die Miete nicht zu hoch, denn so richtig leicht zu bespielen ist der Raum bestimmt nicht, in dem sich das „Querrüber“ versteckt. Die Kreiselform des Raumes ist in der Mitte durchbrochen von einem mächtig wirkenden viereckigen Fahrstuhlschacht, der die Gäste ausspuckt, die oben in einem schlichten Wohnhausflur nicht die Hoffnung verloren haben, hier doch noch in ein Restaurant zu gelangen. In den Garten des Souterrains mit vielen Hängepflanzen an den Wänden gelangt man immerhin über eine Treppe. Innen sind die Stühle mit weißem Stoff umkleidet. Nur die altmodischen weißen Gardinen wecken unnötige Assoziationen an den frühen Rockendorf, was in dieser Gegend durchaus naheliegt. Wenn man da eine modernere Lösung fände, würde der Raum erheblich profitieren.

Eine nette Schweizerin bestreitet mit charmantem Akzent den Service, ihr Berliner Mann kocht hinter der Glasscheibe ein Programm, das ganz offensichtlich anspruchsvolleren Hermsdorfern Appetit machen will, auch mal in heimischen Gefilden zu speisen und die Botschaft dann im Rest der Stadt zu verbreiten.

Dazu passt die kleine, aber gut zusammengestellte Weinkarte, die an dem Abend zwar nicht ganz vollständig bestückt war, weil die Mosellieferung erst am folgenden Tag erwartet wurde, aber egal. Den den mit 3,30 Euro sehr günstig angebotenen Prosecco gibt’s wahlweise mit Cassis oder Aperol. Der Weißwein, ein „Petit Bourgeois“ von der Loire, passte mit seinen erfrischenden Grapefruitnoten jedenfalls ganz gut zu dem gar nicht so leichten Essen (24,50 Euro).

Tatsächlich war die von weißen Sahneschlieren durchzogene kamelhaarfarbene, pürierte Linsensuppe erstaunlich süß und mächtig. Gemüsewürfel und eine Jakobsmuschel veredelten den Eintopfklassiker mit Esprit (6,50 Euro). Gut gefiel uns die gefüllte Geflügelroulade auf einer Thunfischsauce mit Kapern, die vielleicht allenfalls etwas dicker hätte sein können. Aber auch so war das mal eine intelligente Variante des immer sich ähnelnden Vitello Tonnato (8,90 Euro).

Leider hatte der Lieferant an jenem Tag nicht den auf der Karte stehenden Kalbsrücken, sondern nur Kalbsfilet im Gepäck gehabt. So entschieden wir uns für die Leber aus dem Tagesangebot, zumal uns die nette Schweizerin versicherte, dass ihr Mann auch „immer schön die Äderchen entfernt“, so dass man „gar nicht groß pulen muss“. Die Leber war dann wie Gulasch in Stücke geschnitten, in einer dunkelbraun glänzenden, sehr würzig schmeckenden Sauce mit Apfelwürfeln und Pfifferlingen vermischt. Dazu gab es sahnig-fluffiges Kartoffelpüree. Das schmeckt alles gut nach alter Schule aus der Prä-Aromenküchenzeit, in der eine Extraportion Butter oder Öl noch jedem Gericht zu mehr Fülle verhalf (14,50 Euro). Bei den Tagesfischen hatten wir die Wahl zwischen Knurrhahn und Barsch. Der Knurrhahn lag dann saftig mit einer würzigen Oberkruste auf einem Bett aus Bohnen und Erbsen. Auch dazu gab’s Kartoffelpüree (15,50 Euro).

Zwischendrin bekamen wir sogar noch ein Rezept für die eigene Küche. Das Brot zum Kräuterquark vorweg schmeckte so gut, dass wir ein geheimnisvolles Rezept dahinter vermuteten. Statt uns in diesem Glauben zu lassen, verriet uns die patente Schweizerin, dass man einfach nur türkisches Fladenbrot aufschneiden und in Öl oder Butter in der Pfanne etwas erwärmen muss, um diesen Effekt zu erzielen.

Auch bei den Desserts bemüht sich die Küche um den Extrapfiff mit einfachen Mitteln. Die Blue-Curaçao-Orangencreme war nicht blau, sondern hellgrün, aber die Gastgeberin konnte sogar erklären, wie dieser Effekt zustande kam. Es ist wirklich angenehm, das Essen von jemandem serviert zu bekommen, der sich mit der Materie beschäftigt hat. Zur Creme gab es gute marinierte Erdbeeren, eine weiße Minzsauce und eine dunkle Schokoladenchilisauce (6,50 Euro).

Am vollsten ist es hier, auch das legt die Lage im Einkaufszentrum von Hermsdorf wohl nahe, zwischen 12 und 13 und 18 und 19 Uhr. Da das Restaurant aber durchgehend geöffnet ist, lohnt es durchaus, mal ein spätes Mittag- oder Abendessen in Erwägung zu ziehen.

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