Von TISCH zu TISCH : Shi-Mai

Das Restaurant in der Karl-Liebknecht-Straße bietet vietnamesische Küche. Wie schmecken da wohl Sommerrollen und Buntbarsch?

Elisabeth Binder
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Shi-Mai, Karl-Liebknecht-Straße 5, Mitte.

Asiatische Restaurants wirken auf Europäer oft ungemütlich, das ist ein altes Phänomen. Während besonders die vietnamesische Küche immer populärer und moderner wird, hält sich das Phänomen des gewöhnungsbedürftigen Ambientes teilweise auch noch in der zweiten Generation der europäisierten Vietnamesen. Daran krankt leider auch das Shi-Mai. Es war relativ leer dort, der Übergang zum benachbarten Andy’s Diner offen, so dass sich verschiedene Musikstile zu einer etwas unangenehmen Lärmberieselung vermischten. Einsam in der Mitte des Raumes, den Blick fest auf die Nachbarn gerichtet, vor sich nur ein Handy, saß ein Mann mit Kochmütze, vielleicht der hoffnungsvolle Eigner bei dem Versuch, mehr Gäste heranzuhypnotisieren. Es gibt ein exotisches Büffet, das beim einmaligen Bedienen 12,50 Euro kostet, beim mehrmaligen 19,50 Euro.

Die schlichten Tische mit Hockern blieben fast leer. Die Gäste bevorzugten die Tische, an denen Stühle mit lustig kippenden Rücklehnen standen. Geschmückt waren sie mit Blumengestecken, in denen Teelichter brannten. Dunkelgrüne, tiefrote und weiße Lampions signalisierten ein professionelles Lichtdesign. Die Beleuchtung wirkte trotzdem etwas ungemütlich, und es roch nach Essen.

Immerhin gibt es ordentliche Tafelweine. Das sind zwar keine Spitzenerzeugnisse, und es sind auch nicht alle auf der Karte angegebenen Gewächse vorhanden. Aber sowohl der schön kalt servierte Chardonnay (0,75 l =12 Euro) wie auch der vergleichsweise leichte Dornfelder (0.2 l = 4,20 Euro) geben achtbare Begleiter zum Essen.

Die vietnamesischen Sommerrollen schmeckten viel sanfter als klassische Frühlingsrollen, in den Reisblättern steckten Reisnudeln, viele Salatblätter und Garnelen. Dazu gibt es eine zitronige Sauce in gut austarierter Schärfe (3,50 Euro).

Die Garnelenspieße ließen sich nur schwer zerteilen, jedenfalls was die Garnelen betraf. Sie waren modisch scharf gewürzt und wechselten sich auf den Holzspießen ab mit Paprika-, Ananas- und Zwiebelstücken (4,90 Euro).

Nichts gegen Tempo. Allerdings fragte ich mich, für wen wohl die beiden Hauptgerichte bestimmt waren, die in der Ferne schon auf dem Tresen dampften, während wir noch mit den Vorspeisen beschäftigt waren. Viele Alternativen gab es nicht. Und richtig. Unmittelbar nachdem sie die Vorspeisenteller abgeräumt hatte, schleppte die Kellnerin die bereitstehenden Hauptgerichte herbei.

Die Rindfleischfetzen waren schon recht lau, aber in Ordnung mit dem schönen Geschmack nach frischem Zitronengras und angenehmer Chilischärfe und leuchtend grünen Zucchini (8,50 Euro). Gesunde, ökologisch korrekte Ernährung gehört laut Speisekarte zum Programm, weil sie die Stimmung hebt und das Wohlbefinden steigert. Letzteres gelang dem Buntbarsch Shi-Mai leider gar nicht. Der frittierte Kopf mit den glotzigen Augen wirkte etwas erschreckend, ebenso die Tatsache, dass seitlich die Filets in einer klebrigen Panade wie Locken aufgewickelt waren und so voller Gräten steckten, dass sie praktisch nicht essbar waren. Dazu gab es Reis, halb erkaltete Tomatenviertel, Ananaswürfel, Salatblätter, Paprika- und Staudenselleriestreifen in einer eigentlich ganz guten süß-sauren, mit Chili und Knoblauch geschärften Sauce (13,90 Euro).

Süße Litschi in der Schale waren zum Dessert angekündigt, stattdessen kamen eiskalte Litschis aus der Konserve, aber davon viele (2,90 Euro). Ganz originell wirkte der puppenrosafarbene, runde japanische Klebekuchen mit Erdbeergeschmack. Auf Anhieb sah er aus wie ein englischer Teekuchen, war innen allerdings mit roten Bohnen gefüllt. Bis man zur Füllung vordringt, muss man die wirklich zähklebrige Hülle irgendwie auseinanderreißen, was nur mit zwei Gabeln gelingt (3,90 Euro). Wer bis hierher gekommen ist, sollte sich auf keinen Fall den fruchtigen rosa Litschiwein entgehen lassen (0,1 l = 2,90 Euro). An dieser Stelle ernennen wir ihn zum Dessertwein ehrenhalber. Schon weil er so viel besser war als das Dessert selber.

Shi-Mai, Karl-Liebknecht-Straße 5 (Heilige-Geist-Gasse, im Dom-Aquaree), Mitte. Telefon 40 05 48 83, tägl. von 11 bis 23 Uhr.

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