Von TISCH zu TISCH : Thai by Thai

Extrascharfe Ente mit frittiertem Basilikum.

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Thai by Thai, Goerzallee 111, Lichterfelde, Tel. 862 037 33. Geöffnet täglich von 12 bis 23 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Thai by Thai, Goerzallee 111, Lichterfelde, Tel. 862 037 33. Geöffnet täglich von 12 bis 23 Uhr. Foto: Kai-Uwe Heinrich

An dieser Stelle zunächst mal ein großes Dankeschön. Immer wieder melden sich Leser, wenn sie ein schönes Restauranterlebnis hatten. Oft sind das Lokale abseits der großen Trampelpfade, die auch nicht unbedingt von prominenten Kochkünstlern geführt werden, sondern eher durch einen ganz besonderen eigenen Charme auffallen und gern auch durch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. „Thai by Thai“ hat vor nicht allzu langer Zeit eröffnet, sich aber ganz offensichtlich schon eine kleine Fangemeinde geschaffen in Lichterfelde.

An unserem Abend waren in dem schlicht, aber geschmackvoll mit Baumpflanzen gestalteten Innenraum alle Tische besetzt. Dass dort auch eine größere Gesellschaft von Thailändern tagte, nahmen wir mal als gutes Zeichen. Unter der orangeroten Markise sitzt man auch draußen recht schön, was vor allem der dichten grünen Hecke zu verdanken ist, die ganz angenehm die Restaurantterrasse von der Straße abschirmt. Hübsche Holztische mit rot blühenden Topfpflanzen und Windlichtern drauf und sparsam dosiertes Kunsthandwerk zeigen zusätzlich das ausgeprägte thailändische Talent, mit vergleichsweise einfachen Mitteln ein freundliches Ambiente zu schaffen. Es tut auch gut, in ein Lokal zu kommen, wo ausreichend Personal im Einsatz ist. Hier sind die Kellnerinnen sogar einheitlich gestylt, dazu freundlich und flink. Okay, kleinere Fehler müssen schon verziehen werden. Einen ureuropäischen Aperitif wie Prosecco herbeizuschaffen, bereitete dann doch etwas Mühe, die ein Tom Yam Soda mit Limettensaft, Zitronengras und Chili vermutlich nicht gekostet hätte.

Vorweg probierten wir „Tempura Jeh“, verschiedene leicht panierte und gebackene Gemüsestücke von Auberginen, Paprika, Zucchini, Brokkoli und Champignons zum Beispiel, die mit einer feuerroten, süßsaueren Sauce zum Dippen serviert wurden, ein angenehm leichter Einstieg (3,50 Euro). Auch „Som Tam Gai Yang“, der Salat aus grüner Papaya mit kleinen halben Eiertomaten, grünen Bohnen und reichlich Erdnüssen, schmeckte mit der etwas herben thaitypischen Fischanmutung, der Juliennekonsistenz und der fruchtigen, mit etwas Knoblauch gewürzten Limettensauce sehr gut. Als Sättigungskrone lagen zwei ausgesprochen zarte Hähnchenspieße oben drauf (8 Euro). Beide Vorspeisen sahen wirklich hübsch aus mit wunderschön geschnitzten weißen Rettichrosen.

Was die Dekoration betrifft, legte die Küche beim Hauptgang noch eins drauf. Ein weißer Rettichschwan mit feuerrotem Schnabel wachte über die extrascharfe Ente, „Ped Zah“. Das Fleisch war zart, die Haut ganz kross und, ja, ein bisschen fettig auch, dazu gab es Peperoni, frittiertes Basilikum, Gemüsestückchen und noch mehr Knoblauch (12 Euro). Die fleischigen gebratenen Großgarnelen, mit Korianderwurzel und Pfeffer angeschärft, gefielen durch ihre Leichtigkeit. Dazu passte der Reis aus einer appetitlich dampfenden Schüssel (14,50 Euro).

Gut gefiel uns auch die liebevoll zusammengestellte Weinkarte. Der offene Weißburgunder von der Nahe aus ökologischem Anbau harmonierte stilistisch gut mit diesen kräftig gewürzten und geschärften Gerichten (0,2 l für 4,50 Euro). Das traf auch auf den tiefroten, ebenfalls offenen Merlot aus Chile zu (0,5 l für 10 Euro).

Am Ende lockte uns der „Thailändische Nachtisch“ mit rubinroten Wasserkastanien in Kokosnussmilch, der vermutlich besser gewesen wäre, wenn der Koch darauf verzichtet hätte, ihn mit lauter Eiswürfeln zu vermischen. Die dominierten am Ende leider und mordeten den Geschmack von Kastanien und Kokos.

Zum Abschied gab es für jeden noch einen orangerot leuchtenden, fruchtigen Cocktail aufs Haus. Um 22.30 Uhr waren wir bereits die letzten Gäste, da unterscheiden sich die Außenbezirke doch deutlich von den In-Regionen in Mitte. Aber niemand drängte zum Aufbruch, bis zum Schluss wurden wir mit gleichbleibender Höflichkeit behandelt. Für diese Nachbarschaft ist „Thai by Thai“ ganz sicher ein Gewinn.

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