Von TISCH zu TISCH : Toni’s

Gegrillte Hühnerbrust mit Pfifferlingen

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Toni’s Ristorante, Bornstraße 5 in Berlin- Steglitz, Telefon 85076799. Geöffnet ist täglich ab 16 Uhr. Foto: Mike Wolff
Toni’s Ristorante, Bornstraße 5 in Berlin- Steglitz, Telefon 85076799. Geöffnet ist täglich ab 16 Uhr. Foto: Mike Wolff

Manche Restaurants haben so eine Aura, die sich dem zufälligen Passanten mitteilt, die ihn lockt und begleitet und ihm nicht mehr aus dem Kopf geht, falls er sich nicht sowieso sofort spontan hier niederlassen kann. Toni’s Ristorante ist so ein Fall. Das liegt vielleicht an dem schönen Sommergarten, der das Allerbeste macht aus seiner Hecken umschützten Lage zwischen Parkhaus, Spielplatz und einer schönen Wohnstraße. Die sauberen, rot-weiß gewürfelten Tischdecken wirkten schon anheimelnd genug. Aber darauf befanden sich auch noch große Schalen mit echten Früchten und Gemüsesorten, mit Tomaten, Melonen, Paprika, Äpfeln. Auf unserem Tisch türmte sich ein großer Berg Zitronen auf einer Porzellanplatte im Toskana-Stil und signalisierte Fülle und Sommer. Ein Windlicht brannte dazu, und die Sommerbrise sang Mignons Lied vom Land, wo die Zitronen blühen. Es gab sogar ausreichend viele und flotte Kellner. Auch innen ist „Toni’s“ ganz schön eingerichtet, luftig-weiß mit bequemen Stühlen und modernen Bildern.

Die Antipasti dello Chef boten auf einer großen Platte eine schöne Auswahl gut umgesetzter Klassiker. Vitello Tonnato war dabei, saftiges Kalbfleisch mit viel Thunfischcreme und kleinen Kapern, noch saftigeres Rindercarpaccio mit Olivenöl, Zitrone und dicken Parmesanhobeln, aromatische Honigmelone mit dick geschnittenem Parmaschinken, Büffel-Mozzarella mit Basilikum und Cherrytomaten von der Art, wie sie auf dem Nachbartisch in der Schale leuchteten, eingelegte Champignons, Zucchini und Auberginen, Salatblätter, getrocknete Tomaten und Kapernäpfel, dazu fleischige grüne Knoblauch-Oliven im Queensize-Format und frisch gebackenes Brot. Das mag nicht sonderlich originell klingen, aber jedes Detail stimmte. Wir teilten uns eine Portion (10 Euro).

Zart und gleichzeitig würzig schmeckte die gegrillte Hühnerbrust mit einer großzügigen Portion gut gebratener kleiner Pfifferlinge. Dazu gab es einen Beilagenteller mit Kartoffeln, Karotten und Brokkoli, bissfest gegart (15 Euro). Die gemischte Fischplatte ist ebenfalls ein Klassiker, war hier erstaunlich, ja, fast erschreckend reichlich portioniert, mit einer großen Garnele und mächtigen Filetstücken von Lachs und Zander, Seeteufel und Loup de Mer. Das war fast zu großzügig für den Preis, gut gemacht, zart auch, aber dass alle Fische zugleich gerade aus dem Wasser gesprungen waren, diesen Eindruck konnte man nun nicht haben. Die Qualität der Stücke auf dem Teller war zwar unterschiedlich, aber insgesamt doch ganz gut. Dazu gab es vom Öl glänzenden guten Spinat und Röstkartoffeln (18,50 Euro). Und natürlich Zitrone. Weniger Fisch, aber dafür ein Dip dazu, wäre auch eine gute Idee gewesen.

Zum Nachtisch teilten wir die Dessertplatte, die es anstandslos mit jeweils zwei Löffeln und Gabeln gab. Auch hier fanden wir eine reichhaltige Auswahl vor, in der Mitte thronte ein schöner Würfel Tiramisu mit köstlichem Schokoladenabschluss, ringsum gab es Tartufo in einer hellen und einer schokoladig-dunklen Variante, außerdem Cassata und Erdbeeren (7 Euro).

Die Weinkarte ist nicht über die Maßen lang, aber vom Chef selber gut sortiert. Der Prosecco perlte kalt und einwandfrei im Glas, vorhanden wäre auch die moderne Rosé-Variante (5,40 Euro).

Die rot-weißen Tischtücher machen Appetit auf Rotwein, vielleicht weil sie an die bauchigen Korbflaschen erinnern, in denen sich die deutsche Italien-Liebe der frühen Jahre manifestierte. Wir tranken einen leichten 2009er Sangiovese, der auch zum Fisch gut passte (19 Euro). Dass es noch den Grappa aufs Haus gab, verstärkte die Nostalgie-Seligkeit, in die uns die ganze Atmosphäre versetzt hat. Zu der zählte durchaus auch ein anständiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Man will ja nicht immer Veränderung, Abenteuer und Szeniges. Es gibt Tage, da reicht das Altvertraute völlig aus, besonders wenn es erstklassig neu interpretiert wird. Sicher könnten sie am Fischgericht noch etwas feilen, die Qualität schwankt vermutlich immer, wenn das Budget für den Wareneinsatz nicht nach den Sternen greift.

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