Von TISCH zu TISCH : Vienna Bar

Abseits des Roten Teppichs

Elisabeth Binder

Vienna Bar, Kantstr. 152, Charlottenburg, Telefon 310 150 90, geöffnet täglich von 11 bis 4 Uhr. Foto: Mike Wolff

Gleich neben der Paris Bar, jenem legendären Treffpunkt der alten West-Berliner Berlinale, befindet sich in den Räumen der untergegangenen Bar du Paris Bar nun die Vienna Bar. Was zuallererst auffällt, ist die ausgesprochen gemütlich und liebevoll gestaltete Raucherterrasse mit Heizlampen, Korbsofa und roten Kuscheldecken für die, die draußen bleiben müssen. Obwohl auch die Inneneinrichtung ganz auf den Geschmack von prominenten Kulturmenschen zielt, also eher schlicht ist mit langen Lederbänken und einer orangefarbenen loungigen Sessellandschaft, wird man die Stars wohl kaum in Massen in diese Ecke bekommen. Das liegt ganz einfach daran, dass auch berühmte Menschen kurze Wege lieben. Es ist auch gar nicht sicher, ob die etwas halbherzig zwischen hell und dämmrig stecken gebliebenen Beleuchtung so schmeichelnd fürs Gesicht ist, wie die Sterne der Filmlandschaften das für wünschenswert halten.

Die Vienna Bar eignet sich vielleicht eher für die Geldmacher hinter den Kulissen, als Treffpunkt für Geschäftsessen abseits des Rummels um den Roten Teppich. Auch Touristen mit nicht zu knappem Budget scheinen eine Zielgruppe zu sein, was nicht wundert, denn die Vienna Bar gehört zum Lutter & Wegner Imperium. Den Lutter und Wegner Sekt gibt es auch hier zum Preis von 5 Euro für 0,1 l, ist sogar eiskalt und gar nicht so schlecht.

Mir fällt im Moment kein Ort ein, wo die Currywurst teurer ist (12,50 Euro), aber dazu kommen wir noch.

Vorweg wird auf den angenehm frisch gestärkten weißen Tischtüchern ein Korb mit frischem Brot serviert, Baguette und zwei dunkle Sorten, dazu Kräuterquark. Die Blattsalate Vienna türmen sich wild und mächtig in einem unaufdringlich guten Hausdressing (7,50 Euro). Der Hummercocktail ist nicht groß, aber dafür ganz gut geraten. Zwei lauwarme Hummerstücke auf dickem rosa Cocktaildressing, in dem sich ein fruchtig angehauchter Salat gerade noch bemerkbar machen kann (24 Euro).

Das Herz des Steakhouse Burgers besteht aus einer Bulette vom angesagten Wagyu-Rind. Die liegt auf einem mit Sesam besprenkelten halben Hamburger Brötchen in einer hellen, raffiniert würzigen Sauce und ist von einem schmückenden Salatkranz umgeben (16,50 Euro). So was kann man durchaus leichter, aber auch sehr viel schlechter machen.

Und nun die Currywurst. Die hat eine Haut und drum herum einen festsitzenden Mantel aus dicker Currytunke. Daneben liegen die Pommes Frites bleich und salzarm, wie aus dem Krankenhaus geklaut. Diesen Gag haben wir schon sehr viel phantasievoller umgesetzt gesehen. Auf Anfrage gab es immerhin ein silbernes Schälchen Ketchup dazu. Es ist nicht schlecht, auch mal in einem behaglichen Ambiente Currywurst essen zu können, aber ein bisschen mehr Pfiff darf das gerne haben. Man könnte zum Beispiel einleuchtende Beilagen kreieren und vielleicht eine kleine Kollektion von Dips anbieten. Ob das 12,50 oder 15 Euro kostet, ist am Ende auch egal.

Dafür war der Nachtisch sehr gut. Der Sacherauflauf mit einem flüssigen, tief schokoladigen Innenleben war geschickt inszeniert mit Kokosschaum und einer köstlichen Sauce von der Amalfizitrone. Es gibt eine erfreulich umfassende Auswahl offener Weine, allerdings sollte man darauf achten, dass sich die Preise auf 0,1 l beziehen, also eher zur Enthaltsamkeit laden, wenn man kein Filmmogul ist. Besser, sich auf die Empfehlungen für Flaschen zu verlassen. Wir waren mit dem 2006er Chardonnay von Fetzer ganz zufrieden, obwohl es eigentlich nicht geht, die aktuelle Empfehlung nicht in einer dem Wein angemessenen kühlen Temperatur vorrätig zu haben. Ein Eimer mit Eis kühlte dann nach (29 Euro).

Achtbares Essen reicht den meisten Leuten aus, wenn das Lokal gut zu erreichen ist oder andere Vorteile bietet, ein diskretes Ambiente zum Beispiel. Dieses wollen wir zusätzlich rauchenden Liebenden zum Valentinstag empfehlen, denn unter den hübschen Decken kann man draußen auch paarweise paffen. Wie gemacht für Helmut Schmidt und seine Frau Loki.

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