Von TISCH zu TISCH : Zu Gast im Strandhaus

St. Petersfisch auf Kartoffel-Krabben-Ragout. Mit dem Strandhaus hat Berlin endlich wieder ein gehobenes Fischrestaurant mit großer offener Show-Küche.

Elisabeth Binder

In anderen Ländern steht Weihnachten am Ende einer Fastenzeit. Hierzulande ist es genau umgekehrt. Vor dem Fest steht die Völlerei auf Märkten und Feiern, danach kommt der Blick auf die Waage. Wer im Januar essen geht, wird also nach Fastenspeisen Ausschau halten. Mit dem Strandhaus hat Berlin endlich wieder ein gehobenes Fischrestaurant mit großer offener Show-Küche. Vor der Tür stehen dermaßen schicke Strandkorbvarianten, dass dieses Restaurant einem für den Winter fast zu schade vorkommt. Innen ist es modern und nüchtern eingerichtet, immerhin brennen Kerzen auf den beige-weiß gestreiften Tischläufern, und es gibt sowohl feierlich gerollte Stoffservietten als auch Papierser vietten mit dem Strandhaus-Logo drauf. Zudem stehen die Tische angenehm weit auseinander, und sie sind vergleichsweise groß. Das gibt dem Ambiente etwas Gediegenes. Die hölzernen Weinregale im Hintergrund tragen dazu noch bei.

Anfänge sind wichtig, das gilt nicht nur für neue Jahre, sondern gerade auch für Restaurants. Ein Aperitif darf nicht, wie an diesem Abend, abgestanden schmecken, im Zweifel zahlt es sich aus, eine angebrochene Flasche Prosecco auch mal abzuschreiben oder den Rest nach Feierabend durstigen Küchenhilfen anzubieten. Die Karte enthält auch einige Fleischgerichte, und es ist vermutlich klug, den Gast darauf aufmerksam zu machen, indem man beispielsweise ein Amuse Gueule aus Entenbrust auf Linsensalat reicht. Auch darauf sollte man verzichten, wenn das Fleisch eigentlich nur weg muss, weil es sehnig ist. Der Salat war allerdings auf eine kräutrig frische Art gut. Zum krossen Baguettebrot gibt es an den Rändern leicht gehärtetes Vollkornbrot und Kräuter-Dip.

Vom Hauswein riet der Ober uns ab, weil der zu süß sei. Das war sicher gut gemeint, aber warum steht er dann auf der Karte? Er empfahl einen anderen Wein, der fünf Euro teurer war, woraufhin wir uns für einen 2006er Molitor-Weißburgunder von der Mosel entschieden, der sogar noch weniger kostete als der Hauswein und dafür auf eine deutlich herbe Weise recht gut war (19,50 Euro).

Auch die Fischsuppe mit viel Rotbarsch und Meeresfrüchten war in Ordnung, der Fisch genau richtig gegart, die Suppe kräftig gewürzt, die Meeresfrüchte allerdings etwas unterrepräsentiert (6 Euro). Die Vorspeisenplatte Strandhaus ist länglich wie ein weißes Porzellan-Lineal und enthält schön aufgereiht Lachstatar, Calameretti auf Tomaten-Olivensalat, Garnelen aus dem Hickory-Rauch, Honigsenfsauce und eher zahmen Chili-Frischkäse-Dip (11 Euro). Die Portionen sind übersichtlich, aber es sieht sehr appetitlich aus und schmeckt auch so. Man bekommt richtig Lust, jedes einzelne Gericht mal in voller Größe zu genießen, und das ist ja schließlich auch der tiefere Sinn einer solchen Platte. Das Austernangebot wechselt beruhigenderweise offenbar täglich, an jenem Abend gab es die kleinen Sylter Austern (3,50 Euro) mit der etwas fischigeren Note und die großen, weichen Fine de Claire mit dem neutraleren Geschmack (3 Euro). Exzellent war der St. Petersfisch auf Kartoffel-Krabbenragout mit angedeutetem Tomaten-Pesto. Da stimmte wirklich alles, Geschmack, Konsistenz, Optik (18 Euro).

Von den Desserts erschien uns die Beerenterrine am tauglichsten für die Jahreszeit. Ein bisschen kam sie uns vor wie rote Grütze in Gelee, in eigentlich zu viel Gelee, um exakt zu sein. Es gab zwei Scheiben davon auf dünn auf den Teller gemalter Vanillesauce, ringsum fein geschnittene Mangowürfel, obendrauf Minze. Den Rum schmeckte man freilich nicht so durch (6 Euro). Der Service war insgesamt freundlich und entspannt, nur leider nicht gerade sehr schnell.

Dieses Restaurant hat seine Existenz im Wesentlichen der Fischleidenschaft des Bäckermeisters Kamps zu verdanken, der am Potsdamer Platz wohnt und sich sein Traumrestaurant in Laufweite geschaffen hat – mit der Perspektive, es zur Systemgastronomie weiterzuentwickeln. Wenn man dort den VIP-Service genießt und all die Weine vorfindet, die man auch im eigenen Weinkeller lagern würde, ist das Strandhaus sicher exzellent.

Strandhaus, Alte Potsdamer Straße 1, MItte, Tel. 258 989 60, geöffnet täglich von 11 bis 23 Uhr.

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