Welt : Euro: Keine Panik: Euroscheine nicht giftig

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Die neuen Geldscheine sind noch nicht im Umlauf, da kommt schon die erste Warnung: Die Zeitschrift "Öko-Test" hat Zehn-Euro-Noten untersuchen lassen und darin zinnorganische Verbindungen wie Tributylzinn (TBT) gefunden, meldet AFP. Diese Substanz steht unter dem starken Verdacht, auch beim Menschen ins Hormonsystem einzugreifen. TBT wurde bis vor einigen Jahren in größeren Mengen allenthalben - etwa in Textilien - gegen Pilzbefall eingesetzt. Schiffsrümpfe wurden mit TBT bestrichen, damit sich dort keine Wasserschnecken oder anderes Getier festsetzen. In den Geldscheinen soll die Substanz den Aufdruck des aus Baumwolle bestehenden Materials vor dem Verblassen schützen.

Den Analyse-Angaben zufolge enthalten die Scheine rund 740 Mikrogramm an zinnorganischen Verbindungen pro Kilo, darunter eben das Tributylzinn sowie nicht bezifferte "erhebliche Mengen" Mono- und Dibutylzinn sowie Mono-Oktylzinn.

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Ted: Der Euro - mehr Vor- oder mehr Nachteile? Aber: besteht eine echte Gefahr, oder schürt der Bericht nur Panik? Nun, selbst "Öko-Test" betont, dass diese Substanzen "auf keinen Fall sofort krank" machen. Andererseits seien die Geldscheine ja nicht die einzige Quelle, über die solche Stoffe in den Körper gelangen können. Das Thema war bereits vor fast zwei Jahren im Gespräch, Anlass war eine Untersuchung zur TBT-Belastung in Sportler-Trikots. Die Textilindustrie verwendet nun andere Chemikalien.

Im März 2000 hatte sich auch das Bundesinstitut für Gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) intensiv mit den Gefahren aus zinnorganischen Verbindungen befasst. In der Untersuchung wird festgestellt, dass es in Tierexperimenten tatsächlich zu Schäden an Leber, Blut- und Hormonsystem gekommen ist, allerdings erst bei vergleichsweise großen Schadstoff-Mengen.

In der Risikoabschätzung des BGVV stand daher der Verzehr von kontaminiertem Fisch im Vordergrund. Die Grenze des Tolerierbaren erreicht zum Beispiel jemand, der 200 Gramm Fisch pro Tag isst, welcher aus hoch belasteten Gebieten stammt: aus Hafenbecken und stark befahrenen Gewässern.

Dagegen gilt die Berührung von TBT-haltigen Materialien geradezu als ungefährlich. Untersucht wurde zum Beispiel eine Radlerhose, die 13 Milligramm TBT pro Kilo enthielt - mithin also fast die 20-fache Menge des Wertes, der in den Scheinen gefunden wurde. Und selbst durch eine solche Hose, die stundenlang direkt auf der Haut getragen wird, entsteht nur eine vergleichsweise geringe Belastung. Doch ist sich die Fachwelt darin einig, dass TBT vorsichtshalber nicht dort eingesetzt werden soll, wo es vermeidbar ist. Und das gilt dann auch für Geld.

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