Welt : Europa ist bereit: Viagra kann kommen

BRÜSSEL .Ein halbes Jahr nach der Zulassung in den USA darf die Potenzpille Viagra nun auch in der Europäischen Union verkauft werden.Mit der Genehmigung, die der EU-Kommissar Martin Bangemann am Dienstag in Brüssel unterzeichnete, kann der amerikanische Viagra-Hersteller Pfizer das Medikament in den 15 EU-Staaten vermarkten.Damit steht dem Verkaufsstart in Deutschland, der laut Pfizer zum 1.Oktober geplant ist, nichts mehr im Weg.

Pfizer Deutschland mahnte Viagra-Konsumenten, sich an die ärztlich empfohlene Dosierung zu halten und höchstens eine Tablette pro Tag zu nehmen.Die Nebenwirkungen könnten sich bei Einnahme mehrerer Tabletten verstärken, "die Wirkung ab einer gewissen Dosis aber nicht mehr", sagte der Medizinische Direktor von Pfizer Deutschland, Friedemann Schwegler, in Karlsruhe.

Viagra darf nicht gleichzeitig mit bestimmten Herzmedikamenten eingenommen werden.Außerdem warnt Pfizer jene Männer, die wegen schwerer Herzprobleme beim Sex zurückhaltend sein sollten, ausdrücklich vor Viagra.

Die blaue Pille darf nur unter bestimmten Auflagen abgegeben werden.Dazu gehört die ärztliche Verschreibungspflicht, das Abgabeverbot an Jugendliche unter 18 Jahren sowie verschiedene Warnhinweise für gesundheitlich geschädigte Patienten.Zudem solle ein Mann, bei dem die Wirkung nach vier Stunden immer noch anhält, zum Arzt gehen.

Eine einzige Pille kostet nach Auskunft von Pfizer je nach Dosierung und Packungsgröße 18 bis 26 Mark.Sie wird in drei Stärken und Packungsgrößen von vier und zwölf Pillen angeboten.Viagra muß vom Käufer selbst bezahlt werden.Die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Dagegen forderte der Hamburger Sexualforscher Gunter Schmidt die Kassen auf, in bestimmten Fällen doch für die Kosten aufzukommen.Von Impotenz seien in Deutschland höchstens eine Million Männer betroffen und nicht wie vom Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen gemeldet 7,5 Millionen."Die Kassen sollen zahlen, wenn die Impotenz chronisch ist und Krankheitswert hat, zum Beispiel bei organischen Ursachen wie Rückenmarksverletzungen, Diabetes oder auch nach schweren operativen Eingriffen."

Nach Auskunft der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA wirkt Viagra bei 70 Prozent aller impotenten Männer.Ob Viagra bei anderen Männern ebenso erfolgreich sei wie bei Testpersonen, muß sich laut Schmidt erst erweisen."Viele Männer werden sich nach langer Zeit der Impotenz fragen: Wie reagiert meine Frau? Können wir das noch bewältigen?" Die Pille allein löse die grundlegenden Probleme der Impotenz in der Regel nicht.

Der Berufsverband der Deutschen Urologen begrüßte die Zulassung von Viagra.Er sprach sich jedoch dafür aus, die Warnhinweise und Zulassungsbeschränkungen streng zu beachten.

In den USA, wo die Pille Ende März zuerst zugelassen worden war, ist der Verkauf von Viagra inzwischen rückläufig.In der ersten Septemberwoche lösten Amerikaner nur noch rund 180 000 Viagra-Rezepte ein.120 000 weniger als in einer Woche vier Monate zuvor.Insgesamt wurden in den USA bisher vier Millionen Rezepte für Viagra ausgestellt.

Die Potenzpille Viagra solle bis zum Jahr 2000 in jedem Land der Welt erhältlich sein, kündigte eine Sprecherin von Pfizer Inc.in New York an.Bisher sei die Pille in 22 Ländern zugelassen.Der EU-Arzneimittelausschuß, ein Gremium von Experten aus den Mitgliedstaaten, hatte bereits am 24.August grünes Licht für Viagra gegeben.Viagra ist das 18.Medikament, das auf diese Weise eine EU- Zulassung bekommt.Das Gesundheitsministerium in Großbritannien verhandelt mit Pfizer über einen niedrigeren Preis als die angeboten 4,84 Pfund (rund 14 Mark).

In mehreren Studien in Großbritannien und in Deutschland soll in den kommenden Monaten getestet werden, ob Viagra auch Frauen helfen kann, die Lust zu steigern.Mit Ergebnissen wird aber nicht in absehbarer Zeit gerechnet.

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