Welt : Europa schmilzt

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München/Rom/Hamburg (Tsp/dpa). Sonne, Hitze, Tropennächte: Mit Temperaturen und Spitzenwerten weit über 30 Grad hat Hoch „Xabier“ am Dienstag die Menschen in Deutschland ins Schwitzen gebracht. Sogar an den Küsten und im Schwarzwald herrschte mediterranes Klima. In Berlin wurden Werte von bis zu 35 Grad, in Köln, Frankfurt, Freiburg und München sogar bis zu 37 Grad gemessen, teilte der Wetterdienst Meteomedia mit. Die Meteorologen sprachen von dem bisher heißesten Tag des Jahres. In den Schwimmbädern, Cafés und Eisdielen herrschte ein Riesenandrang. Viele Seen haben mit Werten um 20 Grad bereits Badetemperatur.

„Die Luft ist sehr feucht, das macht das Arbeiten anstrengend“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes in Potsdam. Auch Schlafen werde sehr beschwerlich, weil die Werte nachts kaum unter 20 Grad sinken, was für den Juni außergewöhnlich ist. Die Schulkinder freuten sich über den bislang wärmsten Tag des Jahres: Ab 10 Uhr war nicht nur vielerorts „hitzefrei“, der Ansturm Sturm auf die Badeseen begann. Klimaanlagen und Ventilatoren liefen an den Arbeitsplätzen auf Hochtouren. Die Mineralwasser-Verkäufe in den Getränkemärkten schnellten nach oben. Wegen der extremen Sommerhitze und der gleichzeitig hohen Ozon-Konzentrationen in der Luft rieten Ärzte, Anstrengungen im Freien und Alkohol möglichst zu meiden. In Thüringen bestand erhöhte Waldbrandgefahr.    Auf dem Feldberg (1493 Meter) im Schwarzwald wurde am Dienstagmorgen eine sensationelle „Tropennacht“ mit Schnee verzeichnet. Die dortige Messstation registrierte um 7 Uhr eine Tiefsttemperatur von 21 Grad auf dem Gipfel. Bei mindestens 20 Grad spricht man von einer Tropennacht. Am Nordhang des Berges liegen unterdessen immer noch Schneereste. „Wir sind eben mit Siebenmeilenstiefeln in den Hochsommer marschiert“, sagte der Stuttgarter Meteorologe Rolf Siegle.

Die Hoteliers an den Küsten strahlten derweil mit der Sonne um die Wette. Der Sommerausbruch hatte bereits zum Wochenende zahlreiche spontane Kurzurlauber an die Nordsee gelockt, berichtete ein Sprecher der Kurverwaltung Cuxhaven. Auf der Ostsee-Insel Usedom gab es für manchen Hotelgast Sonnencreme gratis.

Das Sommeridyll bleibt nicht ungetrübt: Am Mittwoch bringt Tief „Saskia“ nach Meteomedia-Angaben wieder schlechteres Wetter. Bei Schauern und kräftigen Gewittern steigen die Temperaturen noch einmal auf 25 bis 35 Grad an. Es bleibt schwül. Auch am Donnerstag und Freitag gibt es viel Regen und Gewitter.

Richtig heiße Tage im Juni sind in den Klimageschichtsbüchern der Meteorologen eine Besonderheit. So war der 27. Juni 1947 in Frankfurt am Main mit 38,2 Grad Celsius der absolute Rekord für den Frühlings-Sommer-Monat. Wie der Klimaexperte Reik Schaab vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach am Dienstag berichtete, liegt der Juni-Durchschnittswert eigentlich bei 17,8 Grad Celsius. Absolut außergewöhnlich nennt Schaab Juni-Monate mit Werten von mehr als 20 Grad. Davon gab es nach seinen Angaben in den vergangenen 145 Jahren gerade einmal sieben, mit der Spitze von 22,2 Grad 1858 und zuletzt 1947 mit 20,7 Grad, gemessen jeweils in Frankfurt. Nachdem vergleichsweise kalten Juni im vorigen Jahr, der im Durchschnitt gerade 16,9 Grad Celsius erreichte, ist die gegenwärtige Hitzewelle um so bemerkenswerter.

Außergewöhnlich sind derzeit aus Sicht der Wetterforscher auch die „tropischen Nächte“, wenn die Werte über die 20-Grad-Marke klettern. In der Nacht zum Dienstag maßen die Wetterforscher in Aachen und Düsseldorf 24 Grad. Zuletzt registrierten sie in der Nacht vom 8. August 1993 eine sehr warme Juni-Nacht mit 23,8 Grad.

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