Welt : Europameister bei den Masern Eine Epidemie grassiert im deutschsprachigen Raum

Ingo Wolff

Sie macht rote Flecken, Fieber und schwächt den Körper. Die Krankheit heißt Masern und soll bis 2010 in Europa ausgerottet sein, wenn es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht. Doch derzeit bereitet die Infektionskrankheit im deutschsprachigen Raum vor allem den Gesundheitsbehörden Kopfschmerzen. In Teilen Österreichs, in Süddeutschland und in der Nordschweiz grassiert eine Masernepidemie. Während in der Schweiz seit dem Ausbruch im November 2006 insgesamt 2100 Menschen die Masern bekommen haben, sind es seit Jahresanfang allein 1000 Fälle. Aktuell greift die Krankheit auch in Baden-Württemberg, Südbayern, Oberösterreich und Salzburg um sich. Fast 100 Personen haben sich in Baden- Württemberg infiziert, in Bayern seien 35 Kinder erkrankt. Während in weiten Teilen der Welt die Masern nahezu ausgerottet sind, brechen sie im deutschsprachigem Raum regelmäßig wieder aus, weil die Impfrate in den drei Ländern unter den notwendigen 95 Prozent liegt.

Allein in Salzburg sind in den vergangenen Tagen fast 200 Fälle gemeldet worden. Staatsanwaltschaft und Polizei ermitteln bereits, wo die Epidemie angefangen hat. Johann Tonis vom Landeskriminalamt schloss jedoch dezidiert so genannte Masernparties aus, wie sie 2005 in Bayern durchgeführt wurden, um den Ausbruch der Krankheit zu forcieren. Er wies damit Gerüchte zurück, wonach in einer Waldorfschule im Salzburger Vorort Mayerwies solche Treffen veranstaltet worden seien. Um herauszufinden, ob jemand für die Epidemie verantwortlich gemacht werden kann, wird Tonis jedoch den Schularzt, den Schuldirektor sowie die Eltern der erkrankten Kinder vernehmen.

Schon vor drei Jahren waren in Bayern Schulen mit anthroposophischem Ansatz im Verdacht, der Epidemieherd zu sein. So hatte eine Montessorischule in Oberbayern ebenfalls Masernparties gefeiert. Dieser Weg der natürlichen Immunisierung ist nach Angaben von Experten jedoch ein unkalkulierbares Gesundheitsrisiko. Lungen- und Gehirnhautentzündungen sind während des Krankheitsverlaufs nicht selten. In Salzburg liegen derzeit mehrere Jugendliche mit einem solchen Krankheitsverlauf im Krankenhaus.

Kinderärzte warnen vor der Impfmüdigkeit einiger Eltern. Die Masern sind eine der ansteckendsten Viruserkrankungen überhaupt, der Impfstoff sei dagegen praktisch ohne Nebenwirkungen, heißt es bei den Gesundheitsämtern. Während 90 Prozent der Eltern die Erstimpfung nutzen, ließen nur weniger als die Hälfte auch die Zweitimpfung machen. Die ist aber für einen vollen Impfschutz notwendig. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte Wolfram Hartmann empfiehlt daher Kindern und Erwachsenen in den betroffenen Gebieten, ihren Impfschutz überprüfen zu lassen. Auch Touristen sollten sich impfen lassen, in der Schweiz und in Österreich beginnt in wenigen Wochen die Fußball-Europameisterschaft.

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