Europas Luftraum : Nach der Asche: Veränderungen wie im Flug

Die vergangenen Tage könnten eine Lehre sein: Das vom isländischen Vulkan Eyjafjalla ausgelöste Flug-Chaos über Europa hat auch die Debatte über einheitliche Regeln im europäischen Luftraum beflügelt.

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Berlin - Unter dem Eindruck der schleppenden Abstimmung zwischen den europäischen Mitgliedstaaten will die Brüsseler EU-Kommission nun das Projekt eines einheitlichen europäischen Luftraums („Single European Sky“) vorantreiben. So schlägt die Behörde vor, dass bis zum Jahr 2012 ein europäischer Luftverkehrsmanager den nationalen Behörden Empfehlungen zur Flugsicherung geben kann. Bo Redeborn, Direktor der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol in Brüssel, begrüßte den Vorstoß. Dies sei „ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Redeborn dem Tagesspiegel.

Nach der Ansicht des schwedischen Luftfahrtexperten gehört es zu den Lehren aus der einwöchigen Krisensituation, dass es so gut wie keine Regeln gab, auf die sich die betroffenen europäischen Behörden nach dem Ausbruch des Eyjafjalla für ihre Entscheidungen hätten berufen können. Zudem sei es einfacher gewesen, die Lufträume über den einzelnen Staaten zu schließen, als sie wieder zu öffnen, sagte Redeborn. In dieser Situation habe es keine geeignete Stelle gegeben, die eine europaweite Empfehlung ausgeben konnte.

Nach den Vorstellungen der EU-Kommission soll ein europäischer Luftverkehrsmanager solche Empfehlungen aussprechen können, auch wenn er nicht in die Souveränitätsrechte der Nationalstaaten eingreifen darf. Dass eine derartige Hilfe in den Tagen unmittelbar nach dem Ausbruch des Eyjafjalla gefragt gewesen wäre, zeigt der Ablauf der Ereignisse vom vergangenen Wochenende: Nachdem die ersten Länder in Europa ihren Luftraum gesperrt hatten, vergingen ganze vier Tage, bevor sich die EU-Verkehrsminister am Montag in einer Telefonkonferenz darauf einigten, die Beschränkungen für den europäischen Luftraum teilweise wieder aufzuheben.

Europas Luftraum gleicht einem Flickenteppich

Der europäische Luftraum ist allen Vereinheitlichungsbemühungen zum Trotz nach wie vor ein Flickenteppich. Während der Luftverkehr in den USA nach den Worten des Eurocontrol-Direktors Redeborn nur von zwei Dutzend Kontrollzentren geleitet wird, existieren in den 38 europäischen Staaten, die von Eurocontrol überwacht werden, rund 70 solcher Zentren – Ausdruck der nationalstaatlichen Zersplitterung des Alten Kontinents. Die Entscheidung über die Öffnung und Schließung von Lufträumen liegt bei den Nationalstaaten. Auch Eurocontrol koordiniert letztlich nur die Überwachung des Luftverkehrs in Europa.

Allerdings könnten die Staaten in Europa aus dem Asche-Chaos die Lehre ziehen, dass die Zeit für das Projekt eines einheitlichen europäischen Luftraums, für das sich die EU-Kommission bereits seit den neunziger Jahren starkmacht, inzwischen endgültig gekommen ist. Bis spätestens 2012 soll laut Beschluss vom vergangenen Dezember ein Gesetzespaket umgesetzt werden, dem zufolge unter anderem der Luftraum über Europa einfacher geordnet und die unterschiedlichen Flugsicherungssysteme besser miteinander verbunden werden sollen. Dem Projekt zufolge sollen künftig beispielsweise Deutschland, die Benelux-Länder, Frankreich und die Schweiz gemeinsam einen Luftraumblock bilden. Nach dem Vulkanausbruch in Island, so hat Redeborn beobachtet, hat die Zusammenarbeit zwischen diesen Staaten gut funktioniert. Ob der einheitliche europäische Luftraum tatsächlich bereits 2012 Realität wird, bezweifelt der Eurocontrol-Direktor aber. Für wahrscheinlicher hält er eine Verwirklichung bis zum Jahr 2020.

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