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Eurovision Song Contest : Cascada zieht ohne Heldenpotential nach Malmö

17.05.2013 15:34 Uhrvon
Beim diesjährigen Vorentscheid in Hannover gewann die Kirmestechnoband Cascada. Und es war endgültig vorbei mit der Hochzeit des ESC, meint Malte Lehming.Bild vergrößern
Beim diesjährigen Vorentscheid in Hannover gewann die Kirmestechnoband Cascada. Und es war endgültig vorbei mit der Hochzeit des ESC, meint Malte Lehming. - Foto: dpa

Kirmestechnoband statt Heldenpotential: Matthias Kalle blickt auf den Eurovision Song Contest. Der Tagesspiegel ist am Samstag ab 20 Uhr mit einem Live-Ticker dabei.

Interessieren Sie sich auch so gar nicht für den Eurovision Song Contest (ESC)? Irre, oder? Dabei war der doch in den vergangenen Jahren mal auf einem guten Weg, und dann hat er sich furchtbar verlaufen, und natürlich ist Stefan Raab an allem schuld, am Guten wie am Schlechten.

Es geht beim ESC natürlich nicht um die Musik – die Musik spielt woanders. Es geht um Fernsehen, um Fernsehunterhaltung, und Fernsehunterhaltung bedeutet unter anderem auch, dass man interessanten Menschen bei der Arbeit zuschaut, dass man denen gerne bei der Arbeit zuschaut.

Zum Beispiel schaut man Joko und Klaas gerne bei der Arbeit zu. Anke Engelke auch. Oder eben Stefan Raab.

Als Raab noch eine kleine Nervensäge beim Musikfernsehsender „Viva“ war, da muss er eine Idee gehabt haben, eine Vision von der eigenen Größe. Die Vision lautete ungefähr: Ich gewinne den ESC. Daraus hat Raab dann ein über fünfzehnjähriges Fernsehprogramm gemacht, erster Höhepunkt: Er brachte als Komponist Guildo Horn zum ESC, Raab nannte sich Alf Igel, und als Horn antrat, da mussten die Komponisten für die Kameras noch so tun, als würden sie irgendwas dirigieren, und da stand also Raab, mit einem Taktstock in der Hand und lachte sich kaputt.

Dann stand er selbst auf der Bühne und sang dummes Zeug: „Wadde hadde dudenda“ hieß sein eigenes Lied, und das war ein bisschen irre und ein bisschen lustig, aber es war nicht peinlich und nicht doof. Dann erfand Raab den „Bundesvision Song Contest“ und es ist bis heute etwas unbegreiflich, dass diese schöne Idee nicht zum Vorausscheid für den deutschen Beitrag des ESC gemacht wurde. Dann fing er selber an Sängerinnen und Sänger zu casten und mit Max Mutzke fand er wieder einen, dem er ein Lied schrieb mit dem man sich beim ESC blicken lassen konnte. Irgendwann gab dann die ARD auf und machte Raab zu so einer Art ESC-Generalbevollmächtigten. Raab suchte jetzt offiziell, er fand Lena und gewann, und dieser Sieg brachte Deutschland auch dazu, den ESC auszutragen, und die Show, die Raab dann mit der Produktionsfirma aus Düsseldorf ablieferte, muss als Meilenstein der Fernsehunterhaltung angesehen werden.

Und das war es dann, Raab zog sich immer mehr zurück, mehr konnte er nicht erreichen, und als beim diesjährigen Vorentscheid in Hannover durch ein mehr als unglückliches Votingsystem die Kirmestechnoband Cascada als Sieger hervorging, da war es endgültig vorbei mit der Hochzeit des ESC.

Aber: Ist das alles wichtig? Ja, das ist es. Nicht aus musikalischer Sicht – die Lieder des ESC spielen im Kosmos der Popkultur keine Rolle. Aber dieser Kosmos besteht nicht nur aus Musik, er besteht – neben Mode, Film und anderem – eben auch aus Fernsehen, und wenn man bedenkt, dass zum Beispiel der Senders HBO zum Sehnsuchtsort für Drehbuchschreiber, Regisseure und vor allem TV-Zuschauer geworden ist, weil dort die Serien laufen, die so viele begeistern, ist es doch nicht unvorstellbar, dass man sich bei der ARD wünscht, man würde Unterhaltungsshows zeigen, die die Zuschauer begeistern. Der ESC kostet eine Menge Geld, der deutsche Beitrag steht auch deshalb im Finale und muss sich nicht in den Halbfinals beweisen, weil Deutschland, neben anderen Ländern, der wichtigste Geldgeber dieser Show ist – wenn die Show aber nicht begeistert, könnten sich die Zuschauer wieder einmal fragen, was die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich mit den Gebühren anfangen.

Auch eine Unterhaltungsshow sollte wie eine gute Serie funktionieren: Es gibt einen Helden, es gibt ein Problem, der Held muss es lösen. Das Heldenpotential von Cascada ist, defensiv ausgedrückt, gering.

Von Eurovisionen ganz andere stand am Freitag etwas in „Bild“, wo versucht wurde aus der Einführung des neuen 5-Euro-Scheins einen Skandal zu machen. Weil das scheinbar nicht richtig klappte, legte das Blatt nach: „Aufregung um die Cent-Münzen! Viele Bundesbürger haben Angst, dass es bald keine 1- oder 2-Cent-Stücke mehr gibt.“ Viele Bundesbürger. Aha. Viele Bundesbürger haben noch mehr Angst davor, dass Cascada beim Eurovision Song Contest gewinnt. Die Folgen wären unkontrollierbar.

Der Song Contest beginnt am Samstag um 21 Uhr. Der Tagesspiegel startet um 20 Uhr seinen Live-Ticker.

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