Eurovision Song Contest : Lenas Flirt geht weiter

Die Siegerin des Eurovision Song Contest wird 2011 versuchen, ihren Titel in Deutschland zu verteidigen. Das hat Stefan Raab spontan in Oslo mit Lena ausbaldowert und die beteiligten Sender NDR und Pro7 gar nicht erst gefragt.

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Lena Mayer-Landrut bei einer Pressekonferenz im "TV total"-Studio ihres Mentors Stefan Raab. Foto: dpa
Lena Mayer-Landrut bei einer Pressekonferenz im "TV total"-Studio ihres Mentors Stefan Raab.Foto: dpa

Oslo, Hannover, Köln – auf ihrer erstaunlichen Reise, die eigentlich gerade erst begonnen hat, wirkt Lena Meyer-Landrut immer noch sympathisch unaufgeräumt und spontan. „Mal gucken, was kommt. Ich mache keine Pläne. Wenn Pläne da sind, dann präsentieren wir auch Pläne.“ Dabei sprach sie das Wort „Pläne“ am Montag bei einer Pressekonferenz im Kölner „TV total“-Studio wie ein Fremdwort aus, das sie nur im äußersten Notfall benutzt. Die 19-jährige Siegerin des Eurovision Song Contest (ESC) erschien ausgeruht und frisch, mit schwarzem Hut und langer Halskette, in ihrem „Zuhause“, wie sie das Studio bezeichnete, wo ihr Mentor Stefan Raab den Triumph am Abend mit einer Sondersendung weiter auskostete.

Die Begeisterung registriert und genießt sie, aber das ist es dann auch. „Gott sei Dank nehme ich das nicht so ernst. Stefan sagt, es ist Unterhaltung, und das ist es.“ Was ihr Sieg für dieses Land bedeute, wollte ein Journalist noch wissen. „Ich fühle mich dieser Frage nicht gewachsen“, sagte Deutschlands neuer Liebling nur, als würde es den gewaltigen Trubel und die ihr entgegengebrachte hingebungsvolle Begeisterung gar nicht geben. Allerdings will jeder wissen, wie es weitergeht und wo sie als Nächstes auftritt. Alle reißen sich um Lovely Lena, aber die bleibt erst mal cool und flirtet weiter mit den Kameras, als sei das alles nicht mehr als ein etwas groß geratenes Kinderspiel. Eine Europa-Tournee werde es eher nicht geben, sagte sie, aber „ein bisschen Promo im Ausland“. Raab, der ihr immer wieder bei Antworten assistierte und die Zügel offenbar fest in der Hand hat, versprach einen „lustigen Europa-Urlaub“. In den nächsten Tagen wird er seinen Star erst einmal kräftig im eigenen Universum vermarkten, am Montag bei „TV total“, am Freitag bei der „Autoball-WM“. Was dann geschieht, darüber müsse man sich erst mal beraten. „Der Erfolg kam so überraschend“, sagte Raab, der nach dem sonntäglichen Bad in der Menge in Hannover („Ich hatte Gänsehaut im Gesicht“) am Montag aufgekratzter wirkte als sein jugendlicher Star.

Wohin die künstlerische Reise mit dem Teenager gehen wird, darauf darf man also weiter gespannt sein. Klar ist jedenfalls: „Ich möchte bitte kein Schlagerstar sein“, sagte Lena Meyer-Landrut. Auch als musikalische Therapeutin für angeschlagene Fußballer kommt sie nicht infrage. Ob sie kurzfristig vielleicht einen WM-Song einspielen wolle? „Nee“, antwortete Lena gedehnt und irritiert. „Ich würd’s nicht machen“, ergänzte Raab, womit das Thema erledigt sein dürfte. Dass Fans und Medien dem Teenager nun offenbar alles zutrauen, konterte Raab mit Ironie: „Lena kann auch übers Wasser gehen.“ Die beiden treten wie ein eingeschworenes Team auf, wobei auffällig ist, dass Lena Meyer-Landrut bei Fragen über ihre weitere Karriere immer wieder Raab das Feld überlässt. Der spürt angesichts des triumphalen Erfolgs seine Macht und lässt dies gerne auch mal andere spüren. Er verteilte verbale Spitzen gegen RTL und Ralph Siegel und vergaloppierte sich bei der Frage, ob Lena und er das Bundesverdienstkreuz annehmen würden. Da wollten sich doch nur die Politiker in Szene setzen, sagte er. „Einfach vorbeischicken“, das wäre in Ordnung, aber hingehen? Da bewies Lena mehr Fingerspitzengefühl und übernahm das Ruder: „Ich würde vielleicht auch hingehen.“

Raabs Selbstbewusstsein mag nun leicht in Selbstgefälligkeit umschlagen, aber an seiner Ausnahmestellung als Musikproduzent und ESC-Retter besteht seit Samstag kein Zweifel mehr. Das wissen auch seine Partner, und deshalb wird Lena Meyer-Landrut Deutschland im nächsten Jahr wieder beim ESC vertreten. Das hat Raab spontan in Oslo mit ihr ausbaldowert und die beteiligten Sender NDR und Pro7 gar nicht erst gefragt, sondern es gleich mal öffentlich verkündet. Widerspruch zwecklos, falls jemand bei den Sendern überhaupt daran gedacht hatte. Eine Castingshow wird es also nicht mehr geben, wohl aber eine Sendung, „in der das Publikum demokratisch entscheiden kann, mit welchem Titel Lena den Titel verteidigen wird“, wie Raab erklärte. Der Modus ist noch offen. Den Vertrag mit Raab und die von allen Seiten überschwänglich gelobte Kooperation mit Pro7 und den ARD-Radiostationen hatte der NDR bereits verlängert. Und womöglich hält die ungewöhnliche Ehe noch länger als nur bis 2011. Jedenfalls kündigte Raab an: „Wenn es der FC Bayern nicht schafft, müssen wir das Triple holen.“ Lena nahm auch das gelassen hin und trällerte nochmals eine Kurzversion von „Satellite“, auf der Gitarre begleitet von Raab. Es gab, was sonst, Applaus.

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