Eurovision Song Contest : Schräg lass nach!

Die eineiigen Zwillinge John und Edward Grimes aus Dublin gehören zu den Favoriten, sie fallen auf jeden Fall auf. Clowneske Zwillinge, Retroserben und ein junger Tenor: Wer Lena am Samstag vom Thron stoßen möchte.

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Den irischen Zwillingen werden für Samstag Chancen eingeräumt, den Song Contest zu gewinnen.
Den irischen Zwillingen werden für Samstag Chancen eingeräumt, den Song Contest zu gewinnen.Foto: promo

Wenn am Samstag Serbien den Eurovision Song Contest gewinnt, soll bitte keiner behaupten, die osteuropäische Stimmmafia stecke dahinter. Ninas „Caroban“ ist das Lied, zu dem Moderatorin Anke Engelke schon bei den Proben jedes Mal tanzen musste – wann immer es aus den Boxen tönte, und sei's bloß für 15 Sekunden. Stefan Raab zappelte auch mit. Und Lena Meyer-Landrut zählt den Gute-Laune-Ohrwurm der Serbin mit der knalligen Sechziger-Jahre- Deko zu ihren Favoriten.

Überhaupt die aus dem Osten: Das Aserbaidschan-Duo wird unter den bereits angereisten Fans in Düsseldorf für die süßeste, mitsingwürdigste Melodie des Wettbewerbs gefeiert, Russlands Alexej Vorobjov für seinen Model-Körper, dabei musste er Dienstagabend nicht mal die üppigen Bauchmuskeln entblößen. Insgesamt zehn Nationen haben sich in der Düsseldorfer Arena bereits fürs Finale qualifiziert. Weil die wichtigsten Geldgeber der Show, neben Deutschland sind dies Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien, automatisch als Teilnehmer feststehen, werden am heutigen Donnerstag in der zweiten Qualifikationsrunde die letzten zehn freien Plätze vergeben.

Die Kandidaten des ESC
Metropolis. Lange war nicht zu erkennen, welchen Sinn es haben würde, Lena mit hüpfenden Quecksilber-Puppen auf die Bühne zu schicken. Doch zum Finale des Eurovision Song Contest hat sich das Bild vollendet.Weitere Bilder anzeigen
1 von 67Foto: AFP
11.05.2011 10:06Metropolis. Lange war nicht zu erkennen, welchen Sinn es haben würde, Lena mit hüpfenden Quecksilber-Puppen auf die Bühne zu...

Wenn das erste Halbfinale inhaltlich eine Überraschung bot, dann diese: Songs mit allzu debilen Texten fliegen dieses Jahr aus dem Wettbewerb, allen voran Armeniens Beitrag „Boom boom chucka chucka, your kisses like a like a“. Sollte dieser Trend anhalten, sieht es heute schlecht aus für Weißrusslands Sängerin Anastasiya, die in ihrem Lied „I love Belarus“ die Schönheit der heimischen Seen und Felder besingt. Unter den Fanclubs in Düsseldorf hat das Lied zu Diskussionen geführt. Darf man sein Heimatland derart unkritisch bejubeln, solange es von einem Despoten regiert wird?

Buchmacher sehen bis jetzt den Franzosen Amaury Vassili als klaren Gesamtsieger. Vor Ort in Düsseldorf weiß allerdings keiner so recht, warum eigentlich. Der junge Tenor gilt zwar als „ansehnliche Version von Paul Potts“, das alleine dürfte aber nicht zum Sieg reichen. Die Aussagekraft von Wettquoten wird unter Eurovision-Experten sowieso stark angezweifelt. Vor neun Jahren wurde unter den wichtigsten britischen Buchmachern die blinde Deutsche Corinna May als Topfavoritin gehandelt. Sie landete auf Platz 21.

Als weit zuverlässiger gilt die täglich aktualisierte Google-Statistik über die Menge der Suchabfragen nach einzelnen Kandidatennamen. Wer gesucht wird, interessiert, lautet die Logik. Nach Google reicht es für den Franzosen-Tenor Vassili lediglich für einen fünften Platz. An der Spitze rangieren, direkt vor Lena Meyer-Landrut, die eineiigen Zwillinge John und Edward Grimes aus Dublin. Die 19-Jährigen treten unter dem Namen Jedward an, bei den Proben fielen sie durch arg schräge Funkelkostüme auf, besonders aber durch ihre senkrecht hochgesprühten, wasserstoffblonden Haare. Auf Pressekonferenzen ziehen sie sich gegenseitig am Schopf, tanzen auf dem Tisch, tragen Scheinkämpfe im Armdrücken aus. Ihr chaotisches Image ist durchaus gewollt: Jedward wirken frech, unangepasst, überraschend – und verkörpern damit ziemlich genau die Qualitäten, die vergangenes Jahr in Oslo Lena Meyer- Landrut nachgesagt wurden. Die Titelverteidigerin hat den irischen Clown-Zwillingen bereits einen Besuch im Hotelzimmer abgestattet. Sie sind total wild über die Betten gehüpft. Lena hatte sich vorher die Schuhe ausgezogen.

In Großbritannien kennt man John und Edward bereits seit anderthalb Jahren. Damals nahmen sie an einer Castingshow teil, Boulevardzeitungen fragten, ob die verstörende Schrillheit der Zwillinge nun positiv oder negativ zu bewerten sei. Weil gerade Wahlkampf war, meldete sich David Cameron, damals noch konservativer Herausforderer, zu Wort: Er lobte die Zwillinge für ihre Showqualitäten. Daraufhin schaltete sich sogar Amtsinhaber Gordon Brown in die Debatte ein und bemerkte, die beiden seien „nicht sehr gut“. Letztlich reichte es in der Fernsehsendung nur für Platz sechs. Bei ihrem Treffen im Hotelzimmer überlegten Lena und die Zwillinge, was es denn brauche, um dieses Jahr den Titel zu holen. Sie waren sich im Prinzip einig: in ein schwarzes Kleid schlüpfen und ein Lied singen, das „Satellite“ heißt. Machen aber beide nicht.

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