Eurovision Song Contest : Starke Konkurrenz

Nächsten Samstag ist das Finale des Eurovision Song Contest – an diesem Sonnabend hatte Lena ihre erste Bühnenprobe.

Einen weiteren Sieg trauen ihr nur wenige zu. Vorjahresgewinnerin Lena gibt sich selber bescheiden.
Einen weiteren Sieg trauen ihr nur wenige zu. Vorjahresgewinnerin Lena gibt sich selber bescheiden.Foto: dapd

Düsseldorf - Im Probenmarathon für den Eurovision Song Contest war am Samstag Lena an der Reihe. Genau eine Woche vor der Finalshow durfte sie mit ihrem Song „Taken By A Stranger“ die Bühne testen. Der eng getaktete Zeitplan ließ ihr an diesem Samstag genau 40 Minuten und am heutigen Sonntag noch einmal 30 Minuten Zeit, um sich mit der Bühne in der Düsseldorfer Arena vertraut zu machen. Am 14. Mai muss Lena dann binnen drei Minuten weltweit zig Millionen Fernsehzuschauer von ihrem Song „Taken By A Stranger“ überzeugen. Die spannende Frage am Probenwochenende war: Wie wirkt Lenas eher leise Mystik-Elektro-Nummer in der gigantischen Halle? Die Arena fasst 36 000 Live-Zuschauer.

Allerdings beteuern die Fernsehleute immer wieder, dass sich kein Künstler auf der Bühne verlieren werde. Deshalb sei sie mit einem Durchmesser von 18 Metern sogar deutlich kleiner als etwa vor zwei Jahren in Moskau, wo die Bühne fast doppelt so groß war, sagte ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber.

Die meisten von Lenas Konkurrenten aus den übrigen 42 Nationen haben einen Großteil des Probenmarathons bereits hinter sich. Den Auftakt machte die Polin Magdalena Tul, die am 1. Mai erstmals die Dimensionen der Arena testen durfte, in der bis vor fünf Wochen noch Fußball-Zweitligist Fortuna Düsseldorf kickte.

Vor der Nordtribüne ragt nun eine 60 Meter breite LED-Lichtwand 18 Meter in die Höhe. Sie soll für jeden Künstler auf der Bühne die richtige Atmosphäre schaffen. Finnlands Paradise Oskar zum Beispiel singt mit seinem Weltenretter-Lied „Da Da Dam“ vor dem Hintergrund einer auf der LED-Wand dargestellten Erdkugel. Und Israels Dana International wird bei „Ding Dong“ in ein Farbenmeer getaucht.

Die Transsexuelle, die nach ihrem Sieg von 1998 wie auch Lena ein zweites Mal antritt, machte ihrem Ruf in der ersten der zwei Düsseldorfer ESC-Wochen gleich alle Ehre. Vor 13 Jahren hatte sie mit ihrem Song „Diva“ unter anderem über Deutschlands Guildo Horn triumphiert – und als Diva gibt sie sich nun auch in Düsseldorf.

Zu den Proben erschien sie mit Sonnenbrille und ließ sich erst mal genüsslich mit einer Banane nieder, während es eigentlich schon losgehen sollte. Zum Verdruss von Fans und Journalisten strich sie anschließend ihre angekündigte Pressekonferenz. Den Machern der offiziellen internationalen Internetseite www.eurovision.tv erzählte Dana International: „Ich kümmere mich einen Dreck um Platz eins.“ Doch sie ergänzte: „Natürlich wäre das okay.“ Auch Lena stapelt eher tief, wenn sie betont, es solle nicht gerade der letzte Platz werden. Oder wird sie ein zweites Mal die Herzen in Europa für sich gewinnen? Keiner vermag zu sagen, wie Lenas und damit Deutschlands Chancen stehen.

Einen totalen Absturz fürchten zwar die wenigsten, doch auch nur wenige setzen auf einen Sieg ihres Liedes „Taken by a stranger“ – ein solider Platz irgendwo in den Top Ten ist die verbreitetste Prognose. Dafür will die ARD aber Nummer eins werden: Ihre Übertragung des weltweit ausgestrahlten Wettbewerbs soll zur mitreißenden Show werden.

Als Lena in der Nacht zum 30. Mai vergangenen Jahres mit ihrem Lied „Satellite“ als erste deutsche ESC-Siegerin seit Nicoles „Ein bisschen Frieden“ von 1982 feststand, löste das in Deutschland eine Welle der Euphorie aus. Doch die Auswahl des neuen deutschen Lieds als One-Woman-Show mit Lena zu Jahresbeginn geriet eher öde, und Lenas Entdecker Stefan Raab reagierte zunehmend gereizt auf Vorhaltungen, die Suche nach einem anderen Kandidaten wäre womöglich schlauer gewesen.

Von den Misstönen ist derzeit aber nichts mehr zu hören. Im Gegenteil: Allmählich wächst die Vorfreude, vor allem Düsseldorf unternimmt viele Anstrengungen, ein würdiger Gastgeber zu sein.

Nach der auch vom Hype um Lena motivierten Rückkehr Österreichs in den ESC erreicht die Zahl der teilnehmenden Länder zudem mit 43 wieder den Rekordstand aus dem Jahr 2008. Im Finale dürfen allerdings nur 25 Länder antreten: Das Gros der angemeldeten Länder muss unter der Woche im Halbfinale antreten, nur die „großen Fünf“, Deutschland, Spanien, England, Frankreich und Italien sind für den Samstag gesetzt.

ProSieben zeigt am Dienstag das erste Halbfinale, am Donnerstag die ARD das zweite. Seit der Einführung der Vorausscheidungen im Jahr 2004 gewann fast immer ein Halbfinalist später das Finale – Lena war die Ausnahme. Besonders die Runde am Donnerstag dürfte spannend werden, weil dort das als mitfavorisiert geltende irische Zwillingsduo Jedwards und die seit ihrem ESC-Sieg 1998 berühmte Transsexuelle Dana International aus Israel antreten. Tsp/AFP/dpa

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