Eurovision Song Contest : Tausende beim Public Viewing in der Kulturbrauerei

Der Song Contest ist vorbei, Deutschland hat sich einen respektablen achten Platz ersungen und die Kulturbrauerei freut sich über reichlich Besucher am gestrigen Abend: Gestern Abend herrschte Volksfeststimmung in Berlin zum Finale des Gesangswettbewerbs.

Public Viewing in der Kulturbrauerei: Etwa 2.500 Menschen sind hierher gekommen, um den Contest anzuschauen.
Public Viewing in der Kulturbrauerei: Etwa 2.500 Menschen sind hierher gekommen, um den Contest anzuschauen.Foto: dapd

Deutschland ist besser als vergangenes Jahr: Nach dem Eurovision Song Contest in Baku überwiegt am frühen Sonntagmorgen Zufriedenheit vor den Großleinwänden in Berlin die Freunde über den achten Platz des deutschen Sängers Roman Lob.

Allein 2.500 Menschen sind nach Veranstalterangaben zur Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg gekommen, um das Finale des Wettbewerbs zu verfolgen. Bei den öffentlichen Feiern herrscht Volksfeststimmung.
Gemessen am Applaus in Berlin hätten allerdings die urigen Omas aus Russland, die Buranowski Babuschki, mit ihrem Lied „Party For Everybody“ siegen müssen. Bei ihrem Auftritt tanzen viele Berliner ausgelassen. Höher schlagen die Emotionen nur bei Roman Lobs Auftritt mit seinem Titel „Standing Still“. Erinnerungen werden wach an 2010, als Lena Meyer-Landrut für den Deutschland den Song Contest gewann. Vergangenes Jahr reichte es lediglich für Platz zehn.

„Auf der Bühne beim Eurovision Song Contest zu stehen, ist ein Gefühl, wie eine Million Schmetterlinge im Bauch zu haben“, flüstert Sängerin Lou vor der Leinwand, als der 21-jährige Roman für Deutschland singt. Die 48-Jährige mit bürgerlichem Namen Maria-Luise Hoffner erreichte 2003 mit ihrem Lied „Let's get happy“ Platz zwölf bei dem europäischen Schlager-Wettbewerb. Roman sei ein großer Sympathieträger, sagt sie.
Ob sie noch einmal für Deutschland singen wolle, wird die Sängerin gefragt. Sie überlegt kurz und antwortet: „Ich sage niemals nie.“ Der Musikwettbewerb habe sich allerdings in den vergangenen Jahren verändert. „Er ist jünger geworden. Es werden nicht mehr die alten Kamellen gespielt, was richtig ist - und der Erfolg gibt dem Grand Prix recht“, sagte sie.

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Für einige, die vor der Leinwand hocken, ist der Song Contest mehr als nur eine musikalische Abendunterhaltung. „Wir Aserbaidschaner haben die einmalige Gelegenheit, der Welt unser Land zu zeigen“, betont Nazim Aliyev, der in Baku geboren und aufgewachsen ist und zum Studieren nach Deutschland kam. Heute gehört der 28-Jährige dem Vorstand des bundesweiten Netzwerks Azerbaijan Student Network an und unterstützt damit unter anderem Studenten aus seinem Heimatland in Deutschland.

„Es gibt nie eine zweite Chance für einen guten Eindruck“, sagt er. Sein Land orientiere sich an westlichen Ländern und sei noch eine junge Demokratie. Berichte im Vorfeld des Wettbewerbs über die Menschenrechtsverstöße in Aserbaidschan hält er für einseitig. „Wer bei Demonstrationen gegen Gesetze verstößt, wird verhaftet“, sagt Aliyev. Wer in Berlin Molotowcocktails bei Demonstrationen zünde, müsse ebenfalls mit Konsequenzen rechnen. Bei Protesten während des ESC in Baku war die Polizei mehrfach hart gegen friedliche Demonstranten vorgegangen.

„Beim Song Contest geht es nicht zuletzt darum, den Menschen die Vielfalt unserer Kultur zu zeigen“, findet der 28-Jährige. Nach seiner Einschätzung leben allein in Berlin 1.000 Aserbaidschaner. Viele von ihnen sind die Kulturbrauerei gekommen und feuern die aserbaidschanische Sängerin Sabina Babayeva an. Nazim Aliyev greift am Ende der mehr als zweistündigen Show zum Mobiltelefon und stimmt gleich zweimal per SMS für ein Gewinnerland ab: für Deutschland und Aserbaidschan. (dapd)

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