Eurovision Song Contest : Vier Engel für Deutschland

Die No Angels singen für Deutschland beim Grand Prix. Mit dem Popsong "Disappear" haben sich die vier Sängerinnen beim Vorentscheid in Hamburg gegen die Konkurrenz durchgesetzt. Die Zuschauer im Saal feierten aber auch einen anderen Liebling.

Dorit Koch[dpa]
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Kreisch! Die No Angels fahren nach Belgrad. -Foto: dpa

HamburgFür Deutschlands Grand-Prix-Ehre wollen selbst die No Angels zu Engeln werden. "Wir sind eure Engel für Deutschland", verkündeten die vier Sängerinnen kurz vor ihrem Auftritt beim Vorentscheid am Donnerstagabend in Hamburg siegesgewiss. Die Castingband sollte Recht behalten, denn schon wenig später stand fest: Die einstigen Mädels - jetzt gestandene junge Frauen - haben es geschafft. Mit ihrer Tanznummer "Disappear" fand der "Himmelschor" Gehör beim Publikum, ihr Auftritt in sexy Kostümen traf den Nerv der ARD-Zuschauer. Ganz engelsgleich hatten Sandy, Lucy, Nadja und Jessica auf überwiegend weiße Kostüme mit Glitzer und - wie Flügel flatternde - Chiffontücher gesetzt. Himmelhochjauchzend fielen sie sich nach Bekanntgabe des Ergebnisses in die Arme.

Publikumsliebling im Saal war jedoch die Hamburgerin Carolin Fortenbacher, die den Heimvorteil sichtlich genoss. Für die Ballade "Hinterm Ozean" erntete der Bühnenprofi, der fünf Jahre lang die Hauptrolle im Hamburger Musical "Mamma Mia!" spielte, bereits Zwischenapplaus. Nach ihrer Darbietung tobte der Saal im Deutschen Schauspielhaus. "Ich habe aber auch wirklich alles gegeben", jubelte sie. Schon vor dem Wettbewerb hatte die 43-Jährige - nicht nur die älteste Teilnehmerin, sondern auch die einzige mit einem deutschen Titel - versprochen: "Ich werde um mein Leben singen!" Ihre Stimmgewalt konnte den perfekten Auftritt der No Angels aber nicht übertrumpfen, obwohl es beide Kandidaten in die finale Abstimmungsrunde schafften.

Aus "positiver Hysterie" für Marquess wurde nichts

Die Latino-Pop-Musiker von Marquess kamen ebenso wie Solo-Sänger Tommy Reeve im weißen Hemd und dunkler Jeans auf die Bühne. Doch weder das Quartett noch der Münchner Schmusesänger vermochten vollständig zu überzeugen. Für ihren Latino-Pop-Titel "La Histeria" fehlte es den Hannoveranern an Schwung. Dabei hatten Sascha, Marco, Christian und Dominik eine "positive Hysterie" versprochen, "mit der wir möglichst viele anstecken wollen". Möglicherweise wollten die Deutschen bei aller Vorliebe für das Urlaubsland Spanien doch keinen spanischsprachigen Titel in den Länderwettstreit schicken.

Der 27 Jahre alte Reeve setzte bei seiner souligen Ballade "Just One Woman" ganz auf charttaugliches Englisch - und auf sein Aussehen. "Das bin hundert Prozent ich", sagte der dunkeläugige Frauenschwarm und wirkte bei seinem Auftritt stimmlich zwar überzeugend, aber ein wenig zu selbstverliebt. Seinen Schmusesong sang Reeve am Klavier sitzend, während im Hintergrund Bilder den 27-Jährigen in Großaufnahme zeigten. Da ließen es die fünf Glamrock-Musiker der Teenie-Band Cinema Bizarre bei ihrem Titel "Forever Or Never" deutlich mehr krachen. "Wir wollen nicht nur die Jungen ansprechen", meinten die Teenie-Lieblinge. Den älteren Zuschauern war der Auftritt der Musiker, die ganz im Stile Tokio Hotels auf düstere Outfits und viel Kajal setzen, wohl doch zu ungewöhnlich.

Pocher traut No Angels viele Punkte zu - "klamottentechnisch"

Jede Band hatte diesmal einen Promi-Paten. Sie plauderten mit Moderator und Grand-Prix-Fan Thomas Hermanns und kommentierten den Auftritt ihrer Schützlinge. Doch selbst Marquess-Fürsprecher Oliver Pocher schwenkte grinsend zu den No Angels über: "Klamottentechnisch werden wir da aus Osteuropa viele Punkte bekommen", kommentierte er die knappen Kleidchen der Sängerinnen. Grand-Prix-Urgestein Katja Ebstein ("Wunder gibt es immer wieder") indessen blieb ihrer Kandidatin Fortenbacher treu: "Carolin ist eine Mega-Frau!", rief sie unter dem Applaus der Zuschauer.

Auch andere ehemalige Teilnehmer traten in der eineinhalbstündigen Show auf, darunter Roger Cicero - Grand-Prix-Kandidat 2007. Der Swingmusiker, der in Helsinki 19. wurde, durfte den Umschlag mit dem Namen des Gewinners, den die Zuschauer per Anruf und SMS gewählt hatten, öffnen. Wie Cicero im weißen Anzug hatten sich die meisten Kandidaten ebenfalls für diese Farbe entschieden - ein gutes Omen möglicherweise. Beim Song Contest gilt weiß als Gewinnerfarbe, und auch Nicole hatte 1982 ihren Titel "Ein bisschen Frieden" auf einer weißen Gitarre gespielt - und damit Deutschlands bislang einzigen Sieg geholt.

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