• Euskirchen in NRW: Ein Toter und 13 Verletzte durch Explosion einer Weltkriegsbombe
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Euskirchen in NRW : Ein Toter und 13 Verletzte durch Explosion einer Weltkriegsbombe

In der Nähe von Bonn in Nordrhein-Westfalen ist ein Bauarbeiter durch die Explosion einer Weltkriegsbombe getötet worden. 13 Menschen wurden verletzt. Es ist nicht das erste Mal, das die Detonation einer unentdeckten Weltkriegsbombe Todesopfer fordert. Auch Berlin war schon betroffen.

Die Rettungskräfte an der Unfallstelle in Euskirchen.
Die Rettungskräfte an der Unfallstelle in Euskirchen.Foto: dpa

Bei Baggerarbeiten ist am Freitag in Euskirchen bei Bonn eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg explodiert. Der Baggerführer kam ums Leben, zwei Menschen wurden schwer, elf weitere leicht verletzt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Explosion löste den Angaben zufolge eine „gewaltige Druckwelle“ aus, die erhebliche Gebäudeschäden in der Umgebung des Unglücksortes verursachte. Zahlreiche Fensterscheiben gingen zu Bruch, Garagentore wurden eingedrückt.

Die Explosion ereignete sich laut Polizei gegen 13.30 Uhr bei Baggerarbeiten auf einer Freifläche in einem Gewerbegebiet. Die Bombe sei offenbar explodiert, als der Bagger sie "angegraben" habe, sagte der Sprecher. Zwei der Verletzten erlitten demnach schwere Blessuren. Sie hatten sich nach ersten Erkenntnissen unweit des Explosionsortes aufgehalten. Die übrigen Betroffenen kamen mit leichteren Verletzungen davon. Durch die starke Druckwelle wurden den Angaben zufolge auch Häuser in benachbarten Straßen beschädigt. „Der Unglücksort ist großräumig abgesperrt, Sprengstoffexperten und Kriminalpolizei ermitteln nun den genauen Hergang des Geschehens“, berichtete der Polizeisprecher am frühen Freitagabend. Erkenntnisse über Bauart und Größe des explodierten Blindgängers hatten die Ermittler zunächst nicht. „Einzelheiten über die Art der Munition werden erst nächste Woche vorliegen“, sagte der Sprecher.

Durch die vielen Jahre im Boden werden Blindgänger immer gefährlicher. Chemische Langzeitreaktionen können immer wieder solche Blindgänger zur Explosion bringen, wie beispielsweise im Juli 1983. An einem Sonnabend dröhnte eine gewaltige Explosion durch die kleine Berliner Siedlung am Hasenhegerweg im Neuköllner Ortsteil Buckow. Unter dem Asphalt der ruhigen Seitenstraße war ein Fünf-Zentner-Blindgänger explodiert. Verletzt wurde niemand, aber Steine und bis zu einen halben Meter große Asphaltbrocken wurden bis zu 500 Meter weit geschleudert. Sie durchschlugen Dächer und verursachten hohen Sachschaden. Die Explosion hinterließ in der Straße einen vier Meter tiefen und acht Meter breiten Krater.

Weitaus schlimmere Folgen hatte die Explosion einer weiteren Fünf-Zentner-Bombe im September 1994 an der Pettenkofer Straße in Berlin-Friedrichshain. Dabei starben drei Bauarbeiter, und zahllose Menschen wurden verletzt. Häuser in der Umgebung des Unglücksorts wurden stark beschädigt. Beim Rammen einer Spundwand in einer Baugrube war der Bagger auf die Fliegerbombe gestoßen und hatte dabei den Zünder getroffen. Die Trümmer wurden mehrere hundert Meter weit geschleudert.

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Am Krater. Immer wieder müssen Blindgänger gesprengt werden, weil sie sich nicht entschärfen lassen. So...Alle Bilder anzeigen
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21.11.2013 14:46Am Krater. Immer wieder müssen Blindgänger gesprengt werden, weil sie sich nicht entschärfen lassen. So...

Was deutschlandweit an nicht explodierten Bomben, Granaten und Minen noch unter der Erde liegt, lässt sich nicht feststellen. "Das kann man nicht seriös sagen", erklärt Horst Lenz, technischer Leiter des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz. Es sei völlig unklar, wie viele Bomben die Alliierten abgeworfen haben und welche explodiert sind. Tatsächlich gibt es keine Statistik und genauen Karten zu allen geborgenen Bomben, viele waren gleich nach dem Krieg entschärft worden. Grobe Schätzungen gehen von etwa 100 000 Blindgängern aus.

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In Berlin wird erst seit 1947 gezählt. Insgesamt 7300 Bomben mit einem Gewicht von mehr als 50 Kilogramm wurden seither gefunden und dann entschärft oder gesprengt. Der Stadtentwicklungssenat geht von weiteren 3000 Blindgängern aus, darunter sind aber nicht nur Weltkriegsbomben, sondern auch Granaten und andere Munition. Jährlich vier bis acht Bomben werden laut Senatsverwaltung im Schnitt gefunden.

Besonders belastet ist auch das Land Brandenburg, und dort speziell Oranienburg. An keinem anderen Ort in Deutschland ließen die Alliierten so viele Bomben mit chemischem Langzeitzünder fallen. "Nachweislich sind 16 170 Bomben gefallen", sagt Horst Reinhardt, Technischer Leiter des brandenburgischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KMBD). Noch 300 Blindgänger sollen im Untergrund liegen. Landesweit wurden seit 1991 etwa 73 000 Brandbomben sowie 15 000 Sprengbomben über fünf Kilogramm geborgen und vernichtet. (Tsp/dpa/AFP)

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