Evangelische Kirche : Schwuler Pastor will Bischof werden

In seinem Gottesdienst "Mensch und Tier" segnet Pastor Horst Gorski einmal jährlich Hunde und Katzen, was Herrchen und Frauchen stets bewegt. Nun strebt der beliebte 51-Jährige nach Höherem und stellt sich zur Wahl für das Bischofsamt. Er wäre damit der erste schwule Bischof bundesweit.

Deike Stolz[AFP]
Horst Gorski
Horst Gorski bekennt sich öffentlich zu seiner Homosexualität - für ihn kein Hindernis auf dem Weg ins Bischofsamt. -Foto: dpa

HamburgEr selbst hat es nie an die große Glocke gehängt, aber auch kein Geheimnis daraus gemacht: Horst Gorski ist schwul. Der Propst - also der geistliche Leiter - des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Hamburg-Altona stellt sich am Samstag im Schleswiger Dom zur Wahl für das Bischofsamt - und sieht sich im Vorfeld unter anderem wegen seiner "Lebensform" der Kritik konservativer Protestanten ausgesetzt. Sollte er von der Synode der Nordelbischen Kirche dennoch mehr Stimmen bekommen als sein Mitbewerber, der Angelner Propst Gerhard Ulrich, wäre der 51-Jährige der erste bekennende homosexuelle Bischof bundesweit.

Kopf-an-Kopf-Rennen der Propste

140 Kirchenparlamentarier aus dem gesamten Gebiet der Landeskirche, das Schleswig-Holstein und Hamburg umfasst, entscheiden am Samstag, wer für die kommenden zehn Jahre geistliches Oberhaupt des Sprengels "Schleswig und Holstein" wird. Dieser reicht "von der dänischen Grenze bis vor die Tore Hamburgs", so beschreibt es Gorski und zählt 1,2 Millionen lutherische Christen. Beide Kandidaten hat der Bischofswahlausschuss der Synode angesprochen und dann für das Amt vorgeschlagen. Lange galt der 57-jährige Ulrich als Favorit, ihm wird ein "starkes Standing im Norden" nachgesagt. Doch inzwischen scheint das Rennen offen. Auch Gorski hat sich in der Nordelbischen Kirche profiliert, sitzt etwa dem Theologischen Beirat der Synode vor oder moderiert die Arbeitsgruppe Theologie im Fusionsprozess mit den Landeskirchen Mecklenburg und Pommern hin zu einer "Nordkirche".

Mit seinem Beruf hat sich der gebürtige Hamburger einen Traum erfüllt: "Ungefähr seit meinem 14. Lebensjahr" habe er Pastor werden wollen, erzählte er bei seiner offiziellen Vorstellung in Rendsburg. Nach Studium und Ordination promovierte Gorski, bevor er von 1985 an in Hamburg als Gemeindepastor wirkte. Zwar sei sein Dasein in der Kirche als schwuler Pastor "nie so selbstverständlich" gewesen wie bei Anderen, doch habe er fast ausschließlich Unterstützung und Anerkennung erlebt, so der als Single lebende Gorski.

Im Norden ist man liberal

Die Nordelbische Kirche gilt in dieser Hinsicht auch als liberal: Homosexualität sieht sie nicht als Hindernis für ein geistliches Amt. Und mit Einverständnis des örtlichen Kirchenvorstandes können auch Paare gesegnet werden, die eine gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft eingehen. Den Schritt auf die nächste kirchliche Ebene tat Horst Gorski 1999, als er zum Propst des Kirchenkreises Altona gewählt wurde. In dieser Funktion stieß er unter anderem eine neue Partnerschaft mit einem Kirchenkreis in Tansania an. Bereits bei vorherigen Reisen in das ostafrikanische Land im Rahmen eines Gemeindekontakts hatte er Swahili gelernt. So werde ihn als Bischof auch das Dänische oder Friesische nicht abschrecken können, kündigte er an. Er wolle "die Sprache der Menschen sprechen".

In seinem Kirchenkreis, der ihn kürzlich mit großer Mehrheit als Propst bestätigte, gilt Gorski jedenfalls als jemand, der achtsam mit den Menschen, ihren Wünschen und Sehnsüchten umgehe. Das zeige sich zum Beispiel im - von manch anderem Pastor belächelten - jährlichen Gottesdienst "Mensch und Tier", bei dem auch Haustiere wie Hunde mitgebracht und gesegnet werden können, was viele Herrchen und Frauchen sehr bewege. Gorski sei zudem sehr belesen und zuverlässig, stets auf Ausgleich bedacht, ein Seelsorger mit Herzblut und nicht zuletzt "ein total fundierter Theologe", heißt es.

Da wundert es manchen, dass die konservative "Kirchliche Sammlung um Bibel und Bekenntnis" und der Lübecker Altbischof Ulrich Wilckens dem Bischofs-Aspiranten nun vorwerfen, vor zwei Jahren mit einer Karfreitagspredigt zur Interpretation des Todes Jesu den Boden des Bekenntnisses verlassen zu haben. Im jüngsten Informationsblatt der "Sammlung" heißt es zudem, gelebte Homosexualität widerspreche nach der Heiligen Schrift dem Willen Gottes. Diese Angriffe wies Synodenpräsident Hans-Peter Strenge scharf zurück. Auswirkungen auf die Wahl am Samstag erwarte er nicht.


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