Welt : Ex-Chef von Mitropa als Hotelverführer

Buch über 1000 besondere Herbergen

Carolin Jenkner

Kurt Jaworski ist ein umtriebiger Mann. Der 69-Jährige hat seinen Blueberry immer dabei. Er kann einfach nicht anders, als ständig ein neues Projekt anzustoßen. Im Moment stellt ihm jeder nur eine Frage: Ob er alle 1000 Hotels selbst besucht habe. Und jedes Mal antwortet er geduldig, dass es „nur“ 600 waren. Kurt Jaworski ist der „Hotelverführer“. So heißt das Buch, in dem er „die spannendsten Hotels der Welt“ beschreibt: Das höchste Baumhaus-Hotel, Wohnen in Weinfässern und Gefängnis-Hotels zum Beispiel. All das, was über Hotelketten und Bettenburgen hinausgeht, individuell und selten ist. „Eigentlich ist das Buch meine Autobiografie“, sagt Jaworski. In der DDR war er Generaldirektor der „Mitteleuropäischen Schlaf- und Speisewagengesellschaft (Mitropa)“, später Generaldirektor des Deutschen Reisebüros und Unternehmensberater für Hotelfragen. Es waren Jobs, für die er um die ganze Welt reiste und in unzähligen Hotels übernachtete. Irgendwann war er gelangweilt von den üblichen Hotelketten und suchte nach dem Besonderen. Und manchmal schuf er es auch selbst: „Ich erfuhr, dass es im Allgäu eine Kamelfarm und gleich daneben ein Hotel gab, also brachte ich die beiden zusammen.“ In seinem Hotelverführer ist das Hotel nun unter „Kamelreiten im Allgäu“ gelistet.

Obwohl er alle Luxushotels dieser Welt ausprobiert hat: Kurt Jaworski fühlt sich in kleinen, individuellen Hotels am wohlsten, „in denen die Oma morgens früh schon den Kaffee kocht, und nicht erst um sieben“. Sein Buch hat er selbst verlegt.

Die Hotels, die er selbst nicht besucht hat, hat Kurt Jaworski bei seinen Recherchen entdeckt: Jeden Tag liest er vier Zeitungen – die Reiseteile besonders ausführlich. Alles, was er dort über spannende Hotels findet, landet in einer Mappe. Vier bis fünf Stunden am Tag verbringt er im Internet. Beim Surfen im Netz sind ihm schon viele Ideen gekommen. Zum Beispiel die, eine CD über den Lago Maggiore vorzuschlagen. Schon lange hatte Jaworski den „Tessin-Club Deutschland“ gegründet, aus Liebe zum Urlaubsort Brissago am Lago Maggiore, den er seit zehn Jahren bereist. Sein Club zählte schon mehrere hundert Mitglieder, als er begann, im Internet nach Liedern über den Lago Maggiore zu suchen. Er fand so viele, dass er dem Musikkonzern Universal vorschlug, eine CD daraus zu machen. Der reagierte prompt und brachte die „Lago Maggiore“-CD mit Karel Gott, Vicky Leandros, Heintje und anderen heraus. Jaworski war der Ideengeber. Die CD läuft in den Cafés am Lago Maggiore immer noch rauf und runter.

Der Hotelverführer, Selbstverlag, 19,98 Euro, Bestellungen unter der Telefonnummer 03342 – 7425

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