Exklusive Ständchen : Singen gegen Millionen

Beyoncé gab ein Privatkonzert für Hannibal al Gaddafi, Sohn des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi. Ihre Gage hat sie für den Wiederaufbau in Haiti gespendet. Dass die Größen des Musik-Business von Diktatoren und Milliardären exklusiv gebucht werden, ist keine Seltenheit.

Anna von Fritsch
Beyoncé.
Beyoncé.Foto: dpa

Einst sind sie für den Gaddafi-Clan aufgetreten und kassierten für Privatauftritte Gagen in Millionenhöhe. Im Angesicht der aktuellen Libyen-Krise distanzierte sich nun die kanadische Sängerin Nelly Furtado von der Diktatorenfamilie und kündigte an, eine Millionen-Gage, die sie für einen Auftritt in Italien 2007 erhalten hatte, für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. US-Star Beyoncé Knowles zog nach und ließ am Mittwoch über ihre Sprecherin verkünden, dass sie bereits vor einem Jahr ihre Gage für den Wiederaufbau in Haiti gespendet habe. Unmittelbar nachdem die Sängerin erfahren habe, dass der Veranstalter des Auftritts Verbindungen zu den Gaddafis unterhalte, sei das Geld gespendet worden. Der Auftraggeber war niemand anders als Hannibal al Gaddafi, Sohn des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi, bekannt für seine gewalttätige Vergangenheit. Das exklusive Privatkonzert fand 2009 auf einer Silvesterparty in der Insel-Diskothek Nikki Beach Club auf der Luxus-Insel St. Barth statt. Auch ihr Mann Jay Z, der Sänger Usher und das It-Girl Lindsay Lohan seien auf der Feier gewesen. Dass die Größen des Musik-Business von Diktatoren und Milliardären für ein exklusives Ständchen gebucht werden, ist keine Seltenheit. Dem „Stern“ zufolge soll der russische Oligarch, Roman Abramowitsch, Eigentümer des Fußballclubs Chelsea, Robbie Williams für zwei Millionen Dollar engagiert haben, damit dieser auf seiner Weihnachtsparty auftritt. Fußballer Michael Ballack ließ die Musikgröße Elton John zu seiner Hochzeit einfliegen. Sogar die Deutsche Bank griff tief in die Tasche und buchte die englische Rockband Rolling Stones zur Unterhaltung ihrer spanischen Geschäftspartner. Die Gruppe unterbrach für den Auftritt im Jahr 2007 sogar ihre Welttournee und ließ sich dafür teuer entschädigen: Der Auftritt soll rund vier Millionen Euro gekostet haben, berichtete „Spiegel Online“. Die Rolling Stones stehen ganz oben auf der Liste der hohen Gagen. Sie lassen sich ihre Privatauftritte mit Gagen in Höhe zwischen 4 und 5 Millionen Euro bezahlen. Gefolgt von Kylie Minogue, Robbie Williams, Christina Aguilera, Elton John und Beyoncé Knowles. Ihre Gagen bewegen sich zwischen einer und zwei Millionen Euro. Doch nicht nur Sänger werden für private Veranstaltungen gebucht. Der österreichische Baulöwe Richard Lugner engagiert seit 1991 einen Weltstar und nimmt diesen mit in seine Loge beim Wiener Opernball, dazu gehörten u. a. in den letzten Jahren Sophia Loren, Paris Hilton, Pamela Anderson und Dita von Teese. In diesem Jahr wird die ehemalige Berlusconi-Gespielin Ruby Rubacuori als bezahlte Begleitung an seiner Seite sitzen. Wer also genug Geld auf den Tisch legt, kann sich scheinbar alles kaufen und seine Lieblingsstars bei sich zuhause auftreten lassen. Dabei scheint es nicht üblich zu sein, die politische Gesinnung seines Auftraggebers zu hinterfragen. Die Popsängerin Nelly Furtado schämt sich offenbar, nach der Pfeife von Libyens Staatschef Gaddafi getanzt zu haben. „Zeit Online“ zufolge haben auch Usher, Mariah Carey und Lionel Richie in den letzten Jahren Privatkonzerte für den Gaddafi-Clan gegeben. Sie zeigten aber bisher keine moralischen Bedenken und äußerten sich zu diesem Thema nicht.

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