Welt : Exotische Souvenirs in St. Pauli: Gefährdete Schatzinsel

Karsten Plog

Die Zukunft einer Attraktion in Hamburgs Stadtteil St. Pauli ist gefährdet. Der Mietvertrag für Harrys Hafenbasar in der Großen Freiheit, eine 300 000 exotische Souvenirs aus aller Welt umfassende Sammlung, läuft Anfang des kommenden Jahres aus und niemand weiß bisher, wo der Basar im Fall einer Nichtverlängerung künftig untergebracht werden könnte. Harry Rosenberg, der den Basar 1954 eröffnet hatte, als er im Alter von nur 30 Jahren die Seefahrt hatte aufgeben müssen, muss die Misere seines einmaligen Lebenswerkes nicht mehr weiter miterleben. Er starb vor einem Monat.

Jahrzehntelang hatte Harry Rosenberg seine Sammlung in einem ehemaligen Wein- und Schnapskeller in der Bernhard-Nocht-Straße untergebracht. Das ist in Hamburg eine bekannte Adresse: Ein paar Hausnummern weiter, in der Washington Bar, besang früher Freddy zur Gitarre das Meer und gleich schräg gegenüber stehen in der Nachbarschaft zur tiefer gelegenen Hafenstraße mehrere einst besetzte und später heftig umkämpfte Häuser, in denen es seit einigen Jahren friedlich zugeht.

Harry Rosenberg hatte seine ersten käuflich zu erwerbenden Exponate noch selbst von seinen Reisen mitgebracht. Als er an Land bleiben musste, schleppten Matrosen neu Schätze an: Schrumpfköpfe, ausgestopfte Sägefische und anderes Getier, Speere und Schilde aus Afrika, Schiffsmodelle, Buddelschiffe, riesige Muscheln oder rätselhafte Figuren aus dem Fernen Osten und aus der Südsee. Wer in Harrys Basar trat, der befand sich sofort in einer anderen Welt, vollgestellt mit Schätzen, angelegt wie ein kleines Labyrinth. Und selten gingen die vielen Besucher wieder zurück ans Tageslicht, ohne irgendein Paket unter dem Arm zu tragen.

Harrys Hafenbasar ist bis heute die "größte Rumpelkammer der Welt" geblieben, wie die Kombination aus Laden und Museum einmal genannt worden ist. Vor vier Jahren kam der große Bruch. Harry musste ausziehen, weil der Hauseigner Claus Becker, einer der Großgrundbesitzer auf St.Pauli, sein Erotic-Museum erweitern wollte. Zunächst kam Harrys Basar in ein kleines Ausweichquartier, musste jedoch vor einem Jahr wieder umziehen, weil das Gebäude saniert wurde. Schließlich fand der Basar in einer ehemaligen Fabrikhalle auf der Großen Freiheit Unterkunft. Doch der Mietvertrag war befristet und läuft jetzt aus. Harry selbst war nach der Kündigung in der Bernhard-Nocht-Straße ein gebrochener Mann, berichten Freunde. Er wurde zum Pflegefall. Seither führt seine Tochter die Geschäfte. Kommt keine Hilfe, wird sie aufgeben.

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