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Expeditionsreise in die Arktis : Touristen in Kanada von Eisscholle gerettet

27.06.2013 17:28 Uhrvon
Wildes Eis. Ihre Reise zur Baffin Island hatten sich die Reisenden ganz anders vorgestellt. Foto: mauritiusBild vergrößern
Wildes Eis. Ihre Reise zur Baffin Island hatten sich die Reisenden ganz anders vorgestellt. - Foto: mauritius

Mehrere Tage lang waren Touristen in Kanada auf einer Eisscholle gefangen – nun konnten sie gerettet werden. Einige warnen schon länger vor den Gefahren für Touristen in der Arktis.

Als die arktischen Abenteuertouristen am Morgen aufwachten, ahnten sie, dass in der Nacht etwas geschehen sein musste. Die eisbedeckte Bergkette an der Nordspitze der Baffin-Insel in Kanadas Arktis sah ganz anders aus als einige Stunden zuvor, als sie sich in ihre Zelthütten begeben hatten. Ihr Lager auf dem Packeis hatte sich bewegt. Die Eisscholle hatte sich vom Festland gelöst und trieb durch die Bucht, die zum Eismeer führt.

Von Montag bis Mittwoch waren die zehn Touristen und zehn Mitarbeiter des Reiseunternehmens Arctic Kingdom auf sich allein gestellt und völlig isoliert in der Admiralty Bucht im kanadischen Arktisterritorium Nunavut, etwa 700 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Einen Tag nach ihrer Rettung werden nun weitere Details des Abenteuers bekannt. „Das Wetter war wirklich schlecht. Es schneite, es regnete, der Wind war stark“, sagte die amerikanische Expeditionsteilnehmerin Grace Liau dem kanadischen Rundfunk CBC. „Um uns herum bildeten sich große Pfützen. Wir wurden sehr nervös und hatten Angst vor den Rissen im Eis. Und wir befürchteten, dass unser Lager im Eis zerbrechen könnte.“

Die Abenteurer befanden sich auf einer rund 50 Kilometer langen und bis zu 25 Kilometer breiten Eisscholle und trieben auf die offenen Gewässer der Nordwestpassage zu. Dies löste eine der bisher umfangreichsten Rettungsaktionen in der kanadischen Arktis aus. Von Winnipeg aus wurden Streitkräfte in den Norden geschickt. Vom Flugzeug aus wurden Rettungsinseln abgeworfen, in die sich die Menschen hätten begeben können, falls das Eis gebrochen wäre. Von Basen der Luftwaffe wurden zwei weitere Flugzeuge geschickt, und von Forschungsstationen Hubschrauber. Einige von ihnen konnten wegen Nebels aber nicht abheben.

Auf der Eisscholle bereiteten Mitarbeiter von Arctic Kingdom eine Landepiste vor, eine Landung war aber schließlich nicht möglich, weil sich das Eis bewegte. „Unser ganzes Camp bewegte sich, ein voll ausgerüstetes Camp mit beheizten Zelten, einem Speisezelt und Nahrungsmitteln“, schildert Expeditionsleiter Graham Dickson die Lage. Auf der riesigen Eisinsel waren auch zwölf Inuit, die auf Jagd waren. Aber die beiden Gruppen hatten keinen Sichtkontakt.

Am Ende kam die entscheidende Hilfe von der Natur. Nachdem die Eisscholle zehn Kilometer nordwärts zur Nordwestpassage getrieben war, drehte sich der Wind und schob die Eisinsel an die Küste. Touristen, Begleiter und Inuit-Jäger konnten an Land gehen. Am Mittwochabend Ortszeit brachten Hubschrauber die Gestrandeten nach Arctic Bay.

„Keine Verletzungen, und die Reisenden sind in guter Stimmung“, berichtete der Reiseveranstalter. Aber die Diskussionen um den sich rasant entwickelnden Arktistourismus werden mit dem glücklichen Ende des Abenteuers nicht verstummen. Die weiten Distanzen und der Mangel an Notfallausrüstung in den kleinen Gemeinden, die keine Straßenverbindung in den Süden haben, machen alle Bergungsaktionen in der Arktis zu einer logistischen Herausforderung.

Baffin Island und die vorgelagerte Bylot-Insel gelten zwar als Paradies für Vögel, Walrosse, Wale und Eisbären, ein Zwischenfall wie dieser zeigt aber, welche Probleme entstehen könnten, wenn sich angesichts des wachsenden Tourismus und Schiffsverkehrs in der Arktis einmal ein schwereres Unglück ereignen sollte. Das plötzliche Aufbrechen des Eises verdeutlicht zudem, dass sich die Bedingungen dort binnen weniger Stunden drastisch verändern können. „Eis ist unberechenbar. Es kann ohne Vorwarnung brechen“, sagt Corporal Yvonne Niego von der Polizeistation in Iqaluit, Nunavuts Hauptstadt.

Die Inuit berichten seit Jahren, dass es durch die Klimaveränderungen schwerer sei, Gefahren auf dem Eis richtig einzuschätzen. Und die Debatte, wer für solche Bergungsaktionen die Kosten zu tragen hat – der kanadische Steuerzahler oder der Reiseveranstalter –, ist in vollem Gang. Dies sei nicht das Abenteuer gewesen, das den Gästen beim Buchen der Tour versprochen worden sei“, sagt Graham Dickson. „In 14 Jahren ist das niemals passiert, und es wird hoffentlich nie wieder passieren.“

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