Experten warnen : Impfstoffe für Kinder werden knapp

Experten und Behörden schlagen Alarm. Impfstoffe für Kinder gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken werden knapp. Die Firma GlaxoSmithKline hat Herstellungsprobleme. Es gibt nicht genug Konkurrenz auf dem Pharma-Markt.

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Impfstoff wird knapp.
Impfstoff wird knapp.Foto: dpa

Diesmal sind es nicht die grundsätzlichen Vorbehalte vieler Eltern gegen Impfen, die den Experten Sorgen bereiten. Diesmal geht es den Medizinern um Nachlässigkeiten aufseiten der Firmen und der Politik. Es sind Lieferengpässe, auf die die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) als Dachverband der Kinder- und jugendmedizinischen Gesellschaften aufmerksam macht. Die Experten führen diese Lieferengpässe auf einen Rückgang der Produktvielfalt und einen Trend zur Monopolisierung zurück. „Es muss über gesetzliche Regelungen nachgedacht werden, die die negativen Folgen der Monopolisierung der Impfstoffherstellung verhindern“, schreibt der Generalsekretär der DAKJ, der Kinderarzt Manfred Gahr, in einer Stellungnahme.

Diesmal sind es nicht die Eltern, die Probleme bereiten

Akut wird jetzt ein Engpass beim Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken und bei der Einzelvakzine gegen Windpocken (Varizellen) befürchtet. Die Firma GlaxoSmithKline (GSK) kann sie wegen Herstellungsproblemen im ersten Quartal nicht zur Verfügung stellen, wie es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Paul-Ehrlich- und Robert-Koch-Institut (RKI) heißt. Auch bei der – vom selben Hersteller stammenden – Alternative, einem Dreifachpräparat gegen Masern, Mumps und Röteln, könnte es demnach knapp werden. Der Bedarf werde damit wahrscheinlich nicht gedeckt, schreiben die beiden Behörden.

Dabei sollten nach der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impf-Kommission (STIKO) des RKI alle Kleinkinder erstmals im Alter zwischen elf und 14 Monaten gegen die vier Kinderkrankheiten geimpft werden, die alle zu schweren Komplikationen führen können. Die zweite der beiden Grundimmunisierungen sollte dann mit 15 bis 23 Monaten stattfinden.

Rabattverträge mit den Krankenkassen begünstigen eine Monopolisierung

Pragmatisch schlagen die obersten Impfbehörden nun vor, zunächst dafür zu sorgen, dass alle Kinder rechtzeitig die erste Impfung und damit den grundlegenden Schutz bekommen – notfalls auch ohne den Windpocken-Anteil. Die zweite Impf-Sitzung könne verschoben werden, wenn es nicht anders gehe, sie solle aber „möglichst zeitnah“ erfolgen.

Die DAKJ sieht indes die Gefahr, dass es mit solchen Überlegungen zu einer „aus ethischer Sicht bedenklichen Priorisierung“ kommen könnte. Die Akademie kritisiert, dass wichtige Impfstoffe heute oft nur von einer Firma oder von zwei Unternehmen in Kooperation produziert werden. Läuft dort bei der Produktion kurzfristig etwas schief, gibt es keine Alternativen. Die seit 2011 auch für Impfstoffe zulässigen Rabattverträge der Krankenkassen mit den Herstellerfirmen werden nach Ansicht der DAKJ „mittelfristig den Konzentrationsprozess auf dem Pharmamarkt beschleunigen“: Angesichts unsicherer Verkaufszahlen könnten kleinere Firmen kaum die leistungsfähigen Produktionsanlagen für die Impfstoffherstellung vorhalten. Kürzlich waren Schwierigkeiten bei der Lieferung von Vakzinen gegen Gelbfieber gemeldet worden, immer wieder traten sie in den letzten Jahren auch bei bestimmten Grippe-Impfstoffen auf.



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