Welt : Expo 2000: C-A-F-F-E-E

Arne Boecker<p>Exponiert

Vier Pavillons aus drei Kontinenten in zwei Stunden sind ein bisschen viel? Die Videorgien im Themenpark machen Sie kirre? Weltausstellungswandern kostet Kraft? Reden wir nicht drumherum: Sie sind so richtig expomüde?

Klar: Kaffee muss her. Aber nicht irgendeiner! Zu Tchiduscho können wir noch gehen, wenn Hannover wieder zur verträumten, expolosen Stadt herabgesunken ist. Weil äthiopische Kaffeebohnen im Ruf stehen, müde Menschen besonders energisch aufzumuntern, schleppen wir uns mit letzter Kraft zum Pavillon des afrikanischen Landes. Zwischen Belvedere-Bühne und Postbox haben sich die Äthiopier geklemmt, die ihr Land "Die Wiege der Menschheit" nennen. Man kann hier auch Kaffee trinken, der aus blitzblanken Maschinen rinnt. Wir aber drängeln uns durch Rücken und Schultern, die den Blick in eine Strohhütte verstellen, und ordern das Heißgetränk, das eine Äthiopierin von Hand herstellt.

Kaffeekochen à la Äthiopien ist ein Fest für die Sinne. Die weißgewandete Frau, die auf einem Podest kauert, röstet die hellen Bohnen über rotglühender Holzkohle. Den Neugierigen steigt ein scharfes Aroma in die Nase, das ein Hauch Weihrauch noch auffächert. In einem Mörser zermahlt die Frau die Bohnen und gibt das Pulver schließlich in die Kaffeekaraffe. Ihr bei der konzentrierten Arbeit auf die schlanken, feingliedrigen Finger zu schauen, ist auch für die Augen ein Fest.

So viel Sinnlichkeit hat ihren Preis: Eine Stunde muss man warten, bis das Koffein durch den Mund in die Blutbahn einsickert. Jetzt die gute Nachricht: Für die nächsten zwei Stunden gibt das Müdigkeitsmonster Ruhe.

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