Welt : Expo 2000: Das ist der Gipfel!

Arne Boecker<p>Exponiert

Voll ist toll, sagt die Expo, und hat sicher Recht. Trotzdem: Der tapfere Kolumnist, der sich im Auftrag der Leser pausenlos durch den Dschungel aus Pavillons und Schulklassenkörpern kämpft, braucht mal eine Pause. Von den 800 Weltweiten Projekten der Expo findet sich zum Glück ein Viertel fast vor der Haustür. Eines davon heißt Steinzeichen und liegt ein halbe Autostunde in südlicher Richtung an der A2. Ist schon von weitem zu sehen: Grünlich schimmernd balanciert eine Kanzel auf dem Berg, dessen der Autobahn zugewandte Hälfte Steinbrucharbeiter in langen Jahren abgenagt haben. Wie eine offene Wunde sieht das aus, die die Expo zu verhüllen sucht, indem sie aus der Kulturlandschaft eine Kultur-Landschaft macht.

Uff!, schon allein das Erklimmen des Bergs, in den die Steinzeichen-Macher Serpentinen geritzt haben, ist harte Arbeit. Oben stellen sich dem Besucher dann noch mal 157 Treppenstufen in den Weg. Bereits das Betreten des Gipfels jagt Sensibelchen Angstgänsehaut über die Rücken, handelt es sich doch um eine große Plattform, deren Boden aus einem Stahlgitter besteht. Und das ist nicht blickdicht, im Klartext: Unter den Füßen gähnt das Ganz Große Nichts. Das grünliche Schimmern enträtselt sich als Lichtspiel von riesigen Glasplatten, die verhindern, dass es den Besucher ins Tal weht. Man kann dort oben nicht viel mehr tun als den Blick nach rechts (ins Lipperland) oder links (ins Schaumburgische) schweifen zu lassen, aber: Was für ein bewusstseinserweiterndes Vergnügen ist das! Grüne Hügel, gelbe Felder, alles auf das Lieblichste geschwungen - das Steinzeichen ist eine Welt-Ausstellung der ganz besonderen Art.

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