Welt : Expo 2000: Die Weltausstellung zwischen den Fronten

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Woran denken die meisten Deutschen bei der Expo 2000? Wahrscheinlich an das hochgesteckte Ziel von 40 Millionen Besuchern, das Defizit von über zwei Milliarden Mark oder auch an die Acht-Mark-Bratwurst. Ob die Weltausstellung in Hannover dennoch Top oder aber Flop sei, bot am Montagabend Diskussionsstoff beim "Treffpunkt Tagesspiegel" im Hotel Intercontinental Berlin unter der Moderation des ehemaligen Wissenschaftssenators George Turner.

Man dürfe die Expo nicht nur unter wirtschaflichen Gesichtspunkten diskutieren, sagte Wibke Bruhns, Pressesprecherin der Expo 2000. "Niemand spricht von dem Miteinander der 170 Nationen auf der Expo." Axel Gretzinger, Vorsitzender vom Bund der Steuerzahler e. V. in Niedersachsen, warf den Expo-Machern vor, die Weltausstellung nur über die Lüge ins Land geholt zu haben, der Steuerzahler werde mit der Finanzierung der Veranstaltung nicht belastet. "Zudem sind zehn Manager mit horrenden Abfindungen in die Wüste geschickt worden und 70 Millionen Mark Kosten für den Themenpark vergessen worden", sagte Gretzinger. Die 70 Millionen seien nicht vergessen, sondern gestrichen worden, dementierte Bruhns. Spätestens am ersten Tag der Expo, als statt 270 000 erwarteten Besuchern nur 100 000 vor den Toren standen, hätte die Geschäftsführung einen alternativen Finanzplan aufstellen müssen, bemängelte Gretzinger.

"Solange der Aufsichtsrat, bestehend aus dem Land Niedersachsen, der Stadt Hannover und der Beteiligungsgesellschaft der deutschen Wirtschaft, das Konzept für tragbar hält, kann die Geschäftsleitung sich nicht über diese Entscheidung hinwegsetzen", erklärte Bruhns. Zudem habe die Unternehmensberatung Roland Berger dem Konzept zugestimmt.

"Wir müssen jetzt mit dem Vorhandenen umgehen und das Beste daraus machen", sagte Michael Dette, Kreisvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen in Hannover. Das Hauptproblem der Expo sei ihr Image. "Außer den Niedersachsen weiß doch niemand in Deutschland, was die Expo ist."

"Zudem mangelt es der Expo an einer Präsentationsform, die der New Economy gerecht wird", sagte Rainer Hank, Leiter des Tagesspiegel-Wirtschaftsressorts. "Wäre von Anfang an das Haushaltsdefizit eingeplant worden, wären die Verantwortlichen nicht in die Not der ständigen Begründungen gekommen", erklärte er weiter. Er forderte die Dezentralisierung der Kosten für Veranstaltungen wie die Expo. "Wenn Ausgaben notwendig sind, dann sollen die Niedersachsen sie selbst tragen und nicht die anderen Länder." Wibke Bruhns dagegen versteht die Expo als Wohl für die "nationale Psyche" und als Spiegel des Föderalismus in Deutschland.

Michael Dette wies auf die Zahlungsunfähigkeit vieler Konzessionäre und Restaurants auf dem Expo-Gelände hin. Vielen würde der Strom abgedreht. Dies rechtfertigt Bruhns mit den kulturellen Unterschieden. In anderen Ländern sei man nicht daran gewöhnt, für Strom zwei Monate im Voraus zu bezahlen.

Vorwürfen aus dem Publikum, das Expo-Programm werde nicht ausreichend im Ausland angekündigt, widersprach Bruhns. Der ausländische Besucheranteil betrage 28 Prozent.

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