Welt : Expo 2000: Eitel Sonnenschein

Eine ganze Zeit lang lehnte sich Expo-Chefin Birgit Breuel bei der offiziellen Schlussbilanz der Weltausstellung am Sonntag zufrieden zurück. Sie blickte hinweg über die Kamerareihen und machte einen gelösten Eindruck wie seit langem nicht mehr. Auf der Ziellinie der Weltausstellung hört sie aus Politik, Wirtschaft und auch von den teilnehmenden Nationen viel Lob für das Mega-Projekt "Expo 2000".

Es klingt fast unisono: Die Expo in Hannover war ein Riesenerfolg. Wären da nicht die lästige Zahl von 2,4 Milliarden Mark Defizit für Bund und Land Niedersachsen sowie die bohrenden Fragen nach den Gründen, die sich vor allem Breuel gefallen lassen muss.

"Ich würde es nochmal machen"

Es sollte eine Weltausstellung werden, die aus dem In- und Ausland 40 Millionen Menschen auf das Gelände im Süden Hannovers lockt. 18 Millionen werden es bis zum Dienstag tatsächlich gewesen sein, die die 173 Nationen und internationale Organisationen im globalen Dorf an der Leine gesehen haben. Eine richtige Erklärung dafür präsentierte Breuel auch nach fünf Monaten nicht. "Es ist einfach so. Wir haben alles getan, was man nur tun konnte." Sie mag diese Fragen nach den Gründen nicht, das war ihr auf dem Podium mehr als deutlich anzumerken.

Nach Erklärungen suchte Mitgeschäftsführer Reinhard Volk. "Dass nun alles anders gekommen ist, ist ein anderes Thema." Man habe zu wenig Geld für Werbung gehabt. Selbst eine hannoversche Brauerei könne für die Vermarktung ihrer Biermarke mehr Geld ausgeben als es die Expo-Gesellschaft in den vergangenen fünf Jahren tun konnte. Im Ausland sei das Geld auch noch auf 14 Länder verteilt worden. Und "Irrwege" sei die Geschäftsführung gegangen: teure Parkplätze, hohe Zuschläge an den Tageskassen.

Die Nationen ficht unterdessen die Diskussion um Nutzen und Finanzdesaster kaum an. Der Däne Ole Philipson ist voll des Lobes für die Veranstaltung in Hannover. "Positiv, positiv. Wir sind alle sehr zufrieden", meint der Sprecher der Expo-Nationen. "Wir haben kleine Probleme gehabt und viel Verständnis von der Expo-Leitung." Ja, die Besucher seien mit "einem Durst auf die Kultur" der Länder gekommen und viele ausländische Gäste nehmen ein neues Deutschland-Bild mit.

Das meint auch der Präsident des internationalen Weltausstellungsbüros (B.I.E), Gilles Noghes. Die Expo sei sehr wichtig für Deutschland gewesen: "Die Leute in Europa und der ganzen Welt haben nicht gewusst, was das neue Deutschland war. Sie haben vielleicht gefürchtet, dass es zu groß wird." In Hannover habe sich das Land sehr gastfreundlich gezeigt. Da hört Breuel gerne zu: "Deutschland hat zehn Jahre nach der Einheit eine liebenswürdige Normalität erlangt." Leider kamen aber auch aus dem Ausland nicht so viele Menschen wie erhofft, statt der erwarteten 25 Prozent der Besucher nur "über zehn".

Ohnehin kam gut die Hälfte der 18 Millionen Gäste aus Norddeutschland. Trotzdem war es laut Expo-Spitze "eine internationale Veranstaltung".

Und die Inhalte? "Sie prägten das Gesicht der Expo", meint Breuel. Der Themenpark und die weltweiten Projekte - beides hat es zuvor auf einer Weltausstellung noch nicht gegeben - seien "erfolgreich" gewesen. Ein schon 1999 gegründeter Verein werde sich "des inhaltlichen Erbes" annehmen.

Trotz Defizits und des Reißens der Besucherhürde scheint Breuel mit sich und ihrem Projekt Weltausstellung im Reinen zu sein. Mit zufriedenem Blick und gefalteten Händen sagt sie: "Ja, ich würde es nochmal machen."

Strahlender Sonnenschein lag am Sonntag über dem 160 Hektar großen Expo-Gelände und die Menschen strömten noch einmal auf das Areal: Dreieinhalb Stunden mußte Michael Brandt aus Dortmund in der Warteschlange vor dem "Planet of Visions" stehen, "aber bei dem Wetter ist das ja nicht so schlimm". Und trotz der Wartezeiten vor vielen Pavillons lag eine fröhliche Stimmung über dem Messegelände.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben