Welt : Expo 2000: Julischnee ist harte Arbeit

Arne Boecker

"Sometimes it snows in april", schmachtete der Künstler, als man ihn noch unter der Bezeichnung "Prince" kannte, einst in die Mikrofone und schuf so ein wunderschönes Bild für traumverlorene Verliebtheit. Schnee im April? Die Expo wäre keine Weltausstellung, wenn sie das nicht noch steigern könnte. Sie lässt sogar im Juli die Flocken rieseln.

Naja, so ganz stimmt das nicht. In Hannover rieselt nix, in Hannover ist das Schneemachen harte Arbeit. Das kalte Weiß wird im Labor hergestellt und dann mit Schubkarren an die östlichste Ausbuchtung der Expo gekarrt. Hier hat der Künstler Tobias Rehberger eine Installation hingestellt, die er Tsutsumu nennt. Ein mit Kieseln ausgelegtes Oval, darauf eine Holzbank, eine Krüppelkiefer und eine steinerne Skulptur mit wunderbar glattgeschliffener Oberfläche behaupten einfach: Hier ist jetzt Japan! Jeden Morgen schippen Expo-Arbeiter ein paar Schaufeln Schnee über die Anlage. Der Legende zufolge wird die Menge eingedenk der für den Tag prognostizierten Temperatur exakt so bemessen, dass abends kein Flöckchen mehr übrig bleibt. Ob das aber stimmt? Der Schnee war bei einem Testbesuch schwer verkarstet - also, vom selben Tag war der nicht.

Traumverlorene Verliebtheit ist im japanischen Garten auch nicht gerade zu Hause. Zwar würde kein Expo-Besucher auf die Idee kommen, hier am Rande des Messegeländes Lust zu wandeln und dabei schmusende Pärchen zu stören, aber die direkt angrenzende Autobahn zerdröhnt jede romantische Regung. Deswegen ein Tipp für verliebte Weltausstellungsbummler: Im Riesenrad, auf dem Rückweg vom Tsutsumu, ist fast nie jemand.

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