Welt : Expo 2000: Kampfhunde sind an allem schuld (Glosse)

Arne Boecker

In den vergangenen Tagen ist in der Frage, wer die Schuld daran zu schultern hat, dass statt eines Stroms bislang nur ein Rinnsal von Besuchern auf das Gelände tröpfelt, eine neue Wendung eingetreten, die selbst für solche Kolumnisten, die jetzt seit 57 mal 24 Stunden über die Weltausstellung trudeln, einigermaßen überraschend ist. Auf der Anklagebank sitzen: Kampfhunde.

Die Expo 2000 führt im Internet ein Gästebuch ( www.expo2000.de/deutsch/gaestebuch/index.html ), das derzeit zum Tummelplatz von Kampfhunde-Hassern und -liebhabern zu werden droht. Ein gewisser Hajdar B. teilt aus den USA mit, er würde ja gern zur Weltausstellung gen Hannover reisen, habe aber mit Abscheu zur Kenntnis genommen, dass in Deutschland grundlos Hunde totgemacht und einschlägige Gesetze verschärft würden. Gleichzeitig verbittet sich einer der Skribenten, dass das Gästebuch zum "Stammtisch des Kampfhundvereins" herabsinkt. Die Pressestelle der Expo, ebenso Zielscheibe der - anscheinend konzerTIERten - Aktion, stöhnt unter der Last der Mailer, die angeblich wegen der Kampfhundkrise nicht kommen wollen.

Die Expo läßt aus organistorischen Gründen nicht nur keine Kampfhunde, sondern auch keine Spielhunde auf das Gelände. Es gibt nur einen einzigen Vertreter der Gattung "canis", der vierfüßig auf das Messegelände tappen darf, und dabei handelt es sich um einen Gemeinen Königspudel. "Mephi" spielt in Peter Steins "Faust"-Marathon den Mephisto. Augenzeugen wissen zu berichten, dass er seine Rolle außergewöhnlich zahm anlegt.

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