Welt : Expo 2000: Nebelfänger im Morgentau

Arne Boecker

Im Global House lebt das gute Gewissen der Expo 2000. Hier breiten sich all die Weltweiten Projekte aus, die die Macher unterstützen. Chilenische Nebelfänger zum Beispiel: Sie spannen große Tücher in Tälern und sammeln so die Morgenfeuchte. Weil es in diesem Weltenheim selten mal spektakulär irrlichtert oder rummst, gehört das mit dünnen farbigen Streifen verkleidete Gebäude nicht gerade zu den Exponaten, die die Besucher mit langen Schlangen adeln.

Das mag auch an den Themen liegen, die die Global-House-Besitzer ansprechen. Armut, Hunger und Ausbeutung gehören wohl nicht zu den Dingen, mit denen sich Besucher beschäftigen möchten, die sich von dem Verona-Feldbusch-Spot auf die Expo haben locken lassen. Aids auch nicht: Und so kleckern nur ein paar Kosmopoliten herein, als "Save You Generation" aus Äthiopien ihr Stück aufführen.

Vier junge Frauen und drei junge Männer erzählen spielerisch die Geschichte eines afrikanischen Reigens; begleitet von traditioneller Musik tanzen, scherzen, flirten sie miteinander. Sie haben keine Worte, aber ihre Hände fliegen, und ihre Augen sprechen Bände. Die entscheidenden Szenen sind allerdings nicht mal in Ansätzen zu erahnen. Nach einer kurzen Unterbrechung kommen die Schauspieler wieder, und der lebenslustige Trupp liegt in Trümmern. Einer zieht ein Schreiben hervor, das ihm das Todesurteil "Aids" bescheinigt und wird von seinem kondomkundigen Freund beschimpft; eine deutet mit den Händen an, dass sie demnächst einen dicken Bauch vor sich herschieben wird und wird prompt von ihrem Liebhaber verstoßen - Edutainment a la Äthiopien.

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