Welt : Expo 2000: Un.sinn - Sprachschöpfer

Arne Broecker

Der deutsche Pavillon will schier bersten vor Kultur, soviel Funkelndes haben die Macher ins Programm gepackt. Jeden Tag, jede Stunde wird in dem Glaskasten geschauspielert, getrommelt oder gepfiffen. Natürlich muss dieser Wust in Häppchen gepackt und katalogisiert werden in einem Land, das eine Weltausstellung veranstaltet, die mit Kamelen anreisende Araber erst mal verdonnert, eine Art Kamel-Führerschein zu machen, bevor sie die Wüstenschiffe präsentieren dürfen. Also stellte man die schöne Kultur säuberlich zu Reihen zusammen.

So weit, so einleuchtend - bis irgendwer auf die Idee kam, dass eine ordentliche Reihe einen Titel tragen muss. In der Folge schlug die große Stunde der Typografen. Sie gebaren Unaussprechliches, das man sich ausschliesslich in gedruckter Form zu Gemüte führen kann. Zum Beispiel eine Reihe mit der Bezeichnung Lied:Strahl, die nicht etwa Angehörige des Adels umfasst, die während der Befriedigung urmenschlicher Bedürfnisse fröhliche Songs entspringen lassen, sondern: das klassische deutsche Lied feiert. Weil den Sprachschöpfern der Gag mit dem Doppelpunkt so gut gefallen hat, verfielen sie seinem Zauber gleich noch ein zweites Mal - Wörter:Welt. Aus unerfindlichen Gründen bekommt die Reihe musik 20 ein Quadrat in die Mitte gerammt. Im Gespräch dagegen wird ein Dreieck nachgeschickt. Die Reihe Junges Forum haben die Kulturschwerstarbeiter in zwei Unterabteilungen gesplittet. Junges Forum.Zeitensprung und Junges Forum.Auftakte bekamen beide jeweils einen fetten Punkt, der mittig zwischen die beiden letzten Wörter geklemmt wurde. So ein Un.Sinn!

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